Montag, 10.03.2008

"Man muss wieder mehr Gas geben"

Beckenbauer nimmt DFB-Team in die Pflicht

Berlin - Drei Monate vor EM-Start hat Franz Beckenbauer von der deutschen Nationalmannschaft wieder eine deutliche Leistungssteigerung gefordert.

Franz Beckenbauer
© DPA

"Langsam wird es Zeit, dass man jetzt wieder mehr Gas gibt", mahnte der ehemalige DFB-Teamchef auf der offiziellen Internetseite des Deutschen Fußball-Bundes.

Nach erfolgreicher EM-Qualifikation habe die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw einen Gang zurückgeschaltet. "Doch sie muss jetzt die Kurve kriegen, um auf das hohe Niveau wieder zu kommen, auf dem sie bei der WM 2006 und in den Monaten danach gespielt hat", betonte Beckenbauer, der Deutschland weiter als einen der Topfavoriten sieht.

Deutliches Signal beim nächsten Spiel

"Es wäre ein Widerspruch, den EM-Titel als Ziel auszugeben, das Team aber nicht zum engeren Favoritenkreis zu zählen", erklärte der Kaiser trotz der zuletzt durchwachsenen Leistungen des WM-Dritten von 2006.

Es müsse jetzt zwar noch nicht der "ganz große Gang eingelegt werden", den brauche die Mannschaft erst ab dem ersten EM-Spiel am 8. Juni gegen Polen.

Doch schon beim nächsten Testspiel am 26. März in Basel gegen Mitgastgeber Schweiz erwartet Beckenbauer wie auch Löw ein deutliches Signal aller DFB-Akteure.

Löw warnt 

"Jeder spielt in der Nationalmannschaft und im Verein unter besonderer Beobachtung", hatte der Bundestrainer nach dem jüngsten 3:0 in Österreich erklärt. Trotz des klaren Resultats waren im deutschen Team auch in Wien viele Defizite deutlich geworden.

"Wir müssen noch einiges tun, das ist klar", unterstrich Löw deshalb. Er habe allen seinen EM-Kandidaten mitgeteilt, worüber sie sich Gedanken machen müssten.

Beckenbauer fürchtet offenbar, dass sich im Nationalteam der Gedanke festsetzen könne, das Unternehmen EM 2008 laufe automatisch wie die WM-Mission oder die EM-Qualifikation, ohne dass man zusätzlich investieren müsse.

Sorge um Schweini und Poldi 

Löw hat als klare Voraussetzung für einen Platz im 23-köpfigen EM-Kader Zusatzschichten seiner Spieler eingefordert. Doch eine so klare Kontrolle wie vor der WM unter Jürgen Klinsmann lässt dieses Mal allein der knappe Zeitplan nicht zu, spezielle Fitnesstests der EM-Kandidaten wird es nicht mehr geben.

Beckenbauer sorgt sich weiter besonders um das 2006 so erfolgreiche WM-Duo Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski: "So hoffe ich, dass der eine seine zuletzt beim FC Bayern gezeigten Leistungen jetzt stabilisiert und der andere noch rechtzeitig den Anschluss findet."

Über Kapitän Michael Ballack dagegen macht sich Beckenbauer, der Gruppengegner Kroatien im Sommer in der Schweiz und Österreich eine ähnlich überraschende Rolle zutraut wie sie Griechenland vor vier Jahren in Portugal gespielt hatte, die wenigsten Sorgen: "Wenn er bei Chelsea jetzt weiterhin kontinuierlich spielt, wird er im Juni auf seinem gewohnten Niveau sein und die wichtige Führungsrolle übernehmen."

Gedanken zu Klinsmann 

Allerdings muss Löw eher die Entwicklung bei seinen Langzeit-Verletzten Torsten Frings und Christoph Metzelder sowie die weitere Reservisten-Rolle von Jens Lehmann beim FC Arsenal im Blick haben.

Vom neuen Bayern-Trainer Klinsmann erwartet Vereins-Präsident Beckenbauer im Gegensatz zur Nationalmannschafts-Zeit nichts Revolutionäres. "Er wird sich mit dem Tagesgeschäft auseinandersetzen müssen. Und ich hoffe, dass er dabei durchhält, weil das ein sehr mühsames Geschäft ist, sehr zermürbend."

Er wisse noch nicht, wie Klinsmann es handhaben werde, jeden Tag Pressegespräche zu führen und permanent auf dem Präsentierteller zu sein. "Zusammen mit den anderen Aufgaben ist das schon verdammt anstrengend", betonte Beckenbauer.


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