Fussball

"Toure und Adebayor kümmerten sich um mich"

Von Interview: Jochen Tittmar
Omar Elabdellaoui will mit Norwegen ins Halbfinale der U-21-EM
© getty

Omar Elabdellaouivon Aufsteiger Eintracht Braunschweig nimmt derzeit mit der U 21 Norwegens bei der EM in Israel teil und steht nach dem 1:1 gegen Italien im Halbfinale. Im SPOX-Interview, das am Strand von Tel Aviv geführt wurde, spricht der 21-Jährige über seinen Wechsel als 15-Jähriger zu Manchester City, die Erfahrungen in Braunschweig und erklärt, warum der Nachname seines Cousins Mohammed Abdellaoue von Hannover 96 anders geschrieben wird als sein eigener.

SPOX: Herr Elabdellaoui, Sie haben auf Twitter kürzlich ein Foto von Ihnen zusammen mit Hakan Sukur gepostet. Wo haben Sie ihn getroffen?

Omar Elabdellaoui: Er war zu Gast bei einer Kulturveranstaltung in Norwegen. Dort habe ich ihn gesehen und mich dann einfach mit ihm unterhalten. Das war klasse, er ist ja eine Legende. Er meinte, er hätte schon mal was von mir gehört (lacht). Ich habe ein paar Tipps von ihm erhalten, eine wirklich tolle Begegnung.

SPOX: Sie haben mit nur 15 Jahren Ihre Heimat verlassen und ein Angebot von Manchester City angenommen. Wie sind die Citizens denn überhaupt auf Sie gestoßen?

Elabdellaoui: Die haben mich bei einem Spiel für die norwegische U-16-Nationalelf gegen Dänemark beobachtet. Wir haben 1:0 gewonnen und ich hatte das Tor erzielt. Im Anschluss sind sie auf mich zugekommen und haben mich eingeladen, einmal in Manchester vorbeizuschauen. Das war erst als eine Art Probetraining geplant, aber als ich dann dort war, hielt man mir gleich einen Vertrag unter die Nase.

SPOX: Mussten Sie lange überlegen? Schließlich waren Sie noch blutjung und haben Ihre Familie und Freunde hinter sich lassen müssen.

Elabdellaoui: Ich persönlich dachte natürlich nur daran, dass ich diese Möglichkeit unbedingt nutzen müsse. Wer weiß, ob so eine Chance später noch einmal besteht? Meine Eltern haben wie ganz normale Eltern reagiert und waren besorgt, ob das in diesem Alter alles gutgehen würde. Ich habe mich aber auch vom Kopf her absolut bereit gefühlt und meinen Willen dann sozusagen durchgesetzt.

SPOX: Wohnten Sie in Manchester gleich vom Fleck weg alleine?

Elabdellaoui: Nein, Ich lebte zusammen mit zwei Teamkollegen, Vladimír Weiss und Dedryck Boyata, bei einer englischen Gastfamilie. Da sie auch aus einem anderen Land kamen, teilten wir quasi dasselbe Schicksal. Das hat die Eingewöhnung schon deutlich vereinfacht, auch wenn ich zugeben muss, dass ich meine Familie und Kumpels am Anfang doch ziemlich arg vermisst habe. Das hat sich nach einigen Monaten aber verändert, dann wurde es zur Normalität.

SPOX: Wie ungewohnt waren für Sie die Dimensionen bei einem Klub wie Manchester City?

Elabdellaoui: Das war für mich eine andere Welt. Der Verein war damals allerdings noch nicht so groß wie heute, aber die Trainingsbedingungen und die Akademie waren wie von einem anderen Stern. Wirklich sehr beeindruckend, wenn man als junger Kerl dort loslegen darf.

SPOX: Und dann rennen da ja auch noch zahlreiche Stars durch die Gegend...

Elabdellaoui: Genau, völlig verrückt im ersten Moment. Ich habe mich besonders gut mit Gael Clichy, Kolo Toure und Emmanuel Adebayor verstanden, die haben sich auch wirklich um mich gekümmert und danach geschaut, dass für mich alles in Ordnung ist. Zu meinen engen Kumpels haben aber eher die jüngeren Spieler wie beispielsweise John Guidetti gehört.

SPOX: Im Nachhinein haben Sie sich bei City aber nicht bis ganz nach oben spielen können. In der Europa League saßen Sie einmal gegen Juventus Turin auf der Bank der Profis. Wie nah dran an der ersten Mannschaft waren Sie?

Elabdellaoui: Zum Zeitpunkt rund um das Juve-Spiel hatte ich schon das Gefühl, dass ich ziemlich nah dran war. Ich meine, ich habe die ganze Zeit bei der ersten Mannschaft trainiert und saß dann eben auch das erste Mal auf der Bank. Das beflügelt natürlich die Hoffnung. Doch dann kam Fußbruch Nummer eins...

SPOX: Weswegen man Sie nach Ihrer Genesung Ende März 2011 zu Stromsgodset IF in Ihre Heimat verliehen hat. Dort haben Sie sich dann später erneut den Fuß gebrochen. Erst einmal jedoch die Frage: Wieso die Leihe?

Elabdellaoui: Als ich den ersten Fußbruch erlitten hatte, habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, wie es danach weitergehen soll. Ich wollte unbedingt spielen, da man nach solch einer Blessur ja auch unsicher ist, ob das alles wieder so wird wie es früher war. Daher habe ich mich für das Leihgeschäft entschieden, damit ich einfach regelmäßig zum Einsatz komme.

SPOX: Haben Sie während Ihrer Verletzungspausen viel gegrübelt?

Elabdellaoui: Nicht viel, aber ein bisschen schon. Das waren meine ersten Erfahrungen mit Verletzungen, zuvor war ich ausschließlich fit in meiner Karriere. Es war also eine mentale Herausforderung. Man muss positiv denken. Im Nachhinein würde ich sagen, dass mich diese Zeit als Mensch hat reifen lassen. Es gilt, trotz schlechter Aussichten auch immer die positive Seite im Blick zu haben.

SPOX: Bei Stromsgodset folgte dann der zweite Fußbruch. ManCity hat Sie dann zu Feyenoord Rotterdam ausgeliehen. Welchen Anteil hatte daran Ihr Kumpel Guidetti?

Elabdellaoui: Er ist ein wirklich guter Freund von mir und war ja selbst an Feyenoord ausgeliehen. Es hat ihm dort sehr gefallen und er hat sich vor allem gut entwickelt. Er hat dann richtig Werbung gemacht für Feyenoord (lacht).

SPOX: Guidetti war damals auch Bestandteil von Gerüchten, nach denen in der Bundesliga großes Interesse an seiner Verpflichtung bestanden habe. Denken Sie, er könnte sich in Deutschland durchsetzen?

Elabdellaoui: Selbstverständlich. Er hatte ja zunächst auch mit Verletzungen zu kämpfen und hatte nach einem Virus im Bein gar kein Gefühl mehr im Fuß. Aber er hat bei Feyenoord gezeigt, wie stark er sein kann. Daher hätte es mich nicht gewundert, wenn ein Verein aus der Bundesliga zugeschlagen hätte.

SPOX: Stattdessen sind Sie selbst in Deutschland gelandet und wurden zunächst von Eintracht Braunschweig ausgeliehen. Nun hat man die Kaufoption gezogen und man wird Sie in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen sehen. Was wussten Sie denn über den Verein, als Sie vom Interesse hörten?

Elabdellaoui: Nicht viel, das muss ich zugeben. Braunschweig war aber sehr interessiert an mir und hat sich sehr um mich bemüht. Das hat mir gleich ein gutes Gefühl vermittelt. Ich habe viel mit meinem Cousin Mohammed Abdellaoue von Hannover 96 gesprochen. Er hat mir dazu geraten, den Schritt nach Deutschland zu wagen, weil der Fußball mir dort liegen würde. Damit hat er vollkommen Recht behalten.

SPOX: Dass ein Spieler aus Hannover gut über Braunschweig spricht ist aber eigentlich nicht erlaubt, das wissen Sie mittlerweile sicherlich...

Elabdellaoui: Klar, mit der Rivalität wird man gleich konfrontiert. Erst recht jetzt, da in der kommenden Saison ja nach langer Zeit wieder zwei Derbys anstehen. Wir sollten Hannover tunlichst schlagen. Zur Verteidigung von Mo muss ich aber sagen, dass er als Familienmitglied natürlich nur an mich gedacht hat und eine Empfehlung für meine Karriere aussprach (lacht).

SPOX: Abgesehen von der Spielpraxis: Was gibt Ihnen Eintracht Braunschweig im Vergleich zu den anderen Klubs, bei denen Sie gespielt haben?

Elabdellaoui: Natürlich ist und bleibt die Spielpraxis der hauptausschlaggebende Punkt für einen jungen Spieler. Nur so kann man sich verbessern. Obwohl ich noch nicht so lange dort bin, fühle ich mich in Braunschweig aber sehr heimisch. Der Verein, meine Mitspieler und das Trainerteam haben mir die Eingewöhnung sehr einfach gemacht. Es hat mich selbst beeindruckt, dass dies so schnell ging. In Braunschweig glaubt man an mich.

SPOX: Dort setzt man Sie zu Großteilen im rechten Mittelfeld ein. In Norwegens U 21 spielen Sie jedoch Rechtsverteidiger. Was ist Ihre Lieblingsposition?

Elabdellaoui: Wenn ich wählen könnte, würde ich das Mittelfeld nennen. Aber solange ich spiele, ist für mich die Position erst einmal egal. Ich habe mit beiden Rollen keine Probleme. Das kommt letztlich auch immer ein bisschen auf den Gegner und die Überlegungen des Trainers an.

SPOX: Zum Schluss noch eine Bitte: Können Sie die Kuriosität aufklären, weshalb man Ihren Namen Elabdellaoui schreibt und den Ihres Cousins Abdellaoue?

Elabdellaoui: Unsere Eltern kamen zu unterschiedlichen Zeiten aus Marokko nach Norwegen. Damals konnten sie natürlich kein Wort norwegisch sprechen. Die Geschichte, die ich kenne, ist die, dass sie bei der Behörde jeweils ihren Namen ausgesprochen haben und die Beamten das dann offenbar unterschiedlich verstanden und aufgeschrieben haben. Elabdellaoui ist meines Wissens nach aber die richtige Schreibweise.

Omar Elabdellaoui im Steckbrief

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