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Fussball

"Traum kommt näher" - dank Sanches

SID
Rui Patricio machte das gute Spiel von Kuba durch seine Parade zu Nichte
© getty

Cristiano Ronaldo war anzusehen, wie glücklich er war. "Das ist eine unvergessliche Nacht", sagte er mit einem Lächeln, "der Traum kommt immer näher." Dann war er auch schon wieder weg, er eilte zum Bus, doch Ronaldo und die Portugiesen mussten mit der Abfahrt warten: auf Renato Sanches.

Die Zeitung Correio de Manha brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: "Man muss auch sagen, dass Portugal nicht auf Topniveau spielt. Aber wenn es am Ende reicht - wen interessiert es dann?"

Sanches ist Kritik egal

Ronaldo jedenfalls scheint es immer weniger zu stören, dass die Siege der Portugiesen schmutzig sind. Schon das 1:0 n.V. im Achtelfinale gegen Kroatien war rein nichts für Ästheten gewesen, zuvor hatte es in der Vorrunde nur zu drei Unentschieden gereicht - aber, noch mal, was soll's?

"Die Leute werden uns kritisieren, aber das ist uns egal. Wir sind im Halbfinale", sagte Sanches. Und jetzt, betonte Ronaldo, "jetzt kann alles passieren. Nicht viele haben etwas auf uns gegeben, aber ...". Eben.

Sogar sein großes Ego scheint Ronaldo plötzlich nicht mehr wichtig. Er zeterte wie üblich ein wenig herum, so, als seien seine Mitspieler seiner nicht würdig.

Aber er wusste, bei wem er sich dafür zu bedanken hatte, dass er seinem ersten Titel mit der Nationalmannschaft wieder einen Schritt nähergekommen ist: "Man kann ihm einfach nur gratulieren", sagte er über den bald 19 Jahre alten Sanches, ein kurzes, aber ehrliches Lob vom Kapitän für den Startelf-Debütanten.

Sanches überragt bei Portugal

Es lag nicht an Ronaldo, dass Portugal sich wieder irgendwie durchmogelte. Es lag in erster Linie an Sanches: Er dribbelte, er trickste - und er erzielte nach dem polnischen Führungstreffer durch Robert Lewandowski nach 100 Sekunden das wichtige 1:1 (33.). Es schien, als würde er schon ewig auf der großen Bühne zaubern, auch wenn er später nicht mehr ganz so präsent war. Zum "Spieler des Spiels" wurde er dennoch gewählt, schon zum zweiten Mal bei dieser EM, wie gegen Kroatien.

"Renato hat großartig gespielt und ein tolles Tor geschossen. Er ist ein fantastischer Spieler", sagte Trainer Santos, doch er schränkte auch ein: "Er ist ein großes Versprechen, er kann noch besser werden. Dafür muss er aber sein ganzen Können auf dem Feld abrufen." Er ist allerdings auf dem besten Wege dazu, mit 18 Jahren und 317 Tagen war Sanches der drittjüngste Torschütze der EM-Geschichte. "Das ist ein Moment, den ich genießen muss", sagte er.

Tatsächlich aber schien es Sanches unangenehm, dass er erst im Mittelpunkt stand und auch der Bus auf ihn warten musste. "Das Team kommt zuerst, dann individuelle Auszeichnungen", erklärte er. Es ist dieser Teamgeist, der die Portugiesen ins Halbfinale gebracht hat: Wenn Ronaldo einen schlechten Tag erwischt und wie gegen Polen gleich mehrmals beste Chancen verstolpert, springen die Mitspieler ein. Das sieht nicht schön aus, aber es ist effektiv.

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