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Gruppe D - 1. Spieltag: Spanien - Tschechien

Pique erlöst den Titelverteidiger

Montag, 13.06.2016 | 16:52 Uhr
Spanien dominierte die Tschechen und wurde kurz vor Schluss mit dem Dreier belohnt
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Titelverteidiger Spanien ist erfolgreich in die EM 2016 gestartet. Im zweiten Spiel der Gruppe D bezwang die Furia Roja Tschechien mit 1:0 (0:0).

Vor 33.000 Zuschauern in Toulouse war Spanien die klar spielbestimmende Mannschaft, scheiterte aber entweder am starken Tschechen-Keeper Petr Cech oder ließ im letzten Drittel die nötige Zielstrebigkeit vermissen.

So dauerte es bis zur 87. Minute, ehe Gerard Pique die Mannschaft von Trainer Vicente del Bosque zum Sieg köpfte. Es war Piques erster Treffer bei einer EM- oder WM-Endrunde.

Der Titelverteidiger blieb zum sechsten Mal in Folge bei einem EM-Spiel ohne Gegentor.

Die Reaktionen:

Vicente del Bosque (Trainer Spanien): "Wir haben viele Chancen kreiert und das Spiel völlig unter Kontrolle gehabt, das ist das Wichtige. Natürlich will man immer mehr Tore schießen, aber unser Stil war nicht so schlecht. Wir haben die drei ersten Punkte. Ob De Gea im Tor bleibt? Es ist im Moment nicht die richtige Zeit darüber zu sprechen, wer im nächsten Spiel spielt."

Pavel Vrba (Trainer Tschechien): "Natürlich ist es enttäuschend, so spät ein Tor zu kassieren. Wir hätten auch selber treffen können, hatten einige Chancen. Das passiert gegen Spanien nicht oft. Wir haben das Maximum gegeben. Es ist schade, dass wir nicht mit einem Punkt belohnt worden sind. Ich hoffe, dass wir aus den zwei übrigen Gruppenspielen noch vier Punkte holen."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Die Spanier beginnen mit dem umstrittenen de Gea im Tor, Casillas muss auf die Bank. In der Viererkette und dem spielstarken Dreier-Mittelfeld gibt es keine Überraschung, im Angriff erhält Nolito den Vorzug vor Pedro auf dem linken Flügel. Im Vergleich zur 0:1-Pleite im letzten Test gegen Georgien ändert del Bosque seine Startelf auf drei Positionen.

Auch die Tschechen starten mit drei Neuen im Vergleich zur 1:2-Niederlage gegen Südkorea. Limbersky, Hubnik und Plasil ersetzen Kadlec, Pavelka und Sural. Im Tor macht Cech sein 118. Länderspiel, Rosicky führt die Mannschaft als Kapitän aufs Feld. Der 35-Jährige spielte in der abgelaufenen Saison aufgrund vieler Verletzungen ganze 19 Minuten im FA Cup für den FC Arsenal.

16.: Ramos schlägt aus dem Stand einen millimetergenauen Seitenwechsel nach rechts. Juanfran kontrolliert die Kugel und setzt Silva ein, bei dessen Hereingabe ist Morata zur Stelle und schließt aus wenigen Metern direkt ab. Doch der Ball kommt zu zentral genau auf Cech.

27.: Darida verliert den Ball im Aufbau in der eigenen Hälfte, Iniesta nutzt das aus und setzt Morata links im Sechzehner ein. Der Stürmer lässt Sivok mit einer Täuschung ins Leere grätschen und zieht dann ab. Cech ist schnell unten und kann den flachen Schuss um den Pfosten lenken.

45.: Rosicky leitet einen guten Konter ein, nach einigen Stationen kommt der Ball von Darida auf Necid an der Strafraumlinie. Der Stürmer zieht sofort aus 16 Metern ab, der Ball kommt aber genau auf De Gea.

57.: Krejci bringt einen Freistoß von rechts in die Mitte und findet den völlig freien Hubnik. Der grätscht die Hereingabe weiter in Richtung Tor, De Gea ist aber im bedrohten linken Eck und hält den flachen Ball fest.

60.: Ramos steckt 25 Meter vor dem Tor halblinks auf Iniesta durch. Der geht fünf Meter mit dem Ball am Fuß und zieht ab - genau in die Tormitte auf Cech.

65.: Nach einer Ecke von links bringt Gebre Selassie am langen Pfosten den Ball mit dem Kopf in die Mitte, wo Fabregas im letzten Moment artistisch gegen den einschussbereiten Kaderabek klärt.

73.: Iniesta schickt Nolito nach Rosickys Ballverlust auf links, der sofort flach nach innen flankt. Über Aduriz und Iniesta kommt die Kugel zu Silva, der am 16er noch einen Haken schlägt und den Ball dann links am Tor vorbeiholzt.

87, 1:0, Pique: Dann halt auf die konventionelle Art. Iniesta flankt aus dem linken Halbfeld ans rechte Fünfereck, wo sich Pique hochschraubt und den Ball ins rechte untere Eck köpft.

Fazit: Spanien bestimmt die 93 Minuten, stirbt aber beinahe in Schönheit. Tschechien verteidigt leidenschaftlich, wird aber kurz vor Schluss für zu viel Passivität bestraft.

Der Star des Spiels: Andres Iniesta. Der Barca-Star war Dreh- und Angelpunkt im spanischen Offensivspiel und an den meisten gefährlichen Torszenen beteiligt. Iniesta gewann überragende 80 Prozent seiner Zweikämpfe und bereitete fünf Torschüsse vor, so auch den entscheidenden Treffer von Pique.

Der Flop des Spiels: Nolito. Unglücklicher Auftritt von Spaniens Linksaußen. Nolito probierte viel, lief sich aber vor allem in der zweiten Halbzeit immer wieder fest und vertändelte viele Bälle. Musste in der 82. Minute für Pedro weichen.

Der Schiedsrichter: Szymon Marciniak (Polen). Machte gleich zu Beginn mehrere Fehler bei der Zweikampfbewertung. Wertete Fabregas' klaren Rempler gegen Rosicky an der spanischen 16er-Linie nicht als Foul (11.). Marciniak blieb seiner inkonsequenten Linie die gesamte Spielzeit über treu. Eindeutige Fouls wurden nicht geahndet, harmlosere Zweikämpfe abgepfiffen.

Das fiel auf:

  • Tschechien verzichtete komplett auf Pressing und stellte sein 4-2-3-1-Ausgangssystem bei spanischem Ballbesitz mehrfach um: Mal zogen sich die offensiven Mittelfeldspieler zurück zu einem defensiven Fünfer-Mittefeld, bisweilen verteidigten die Tschechen auch mit einer Sechser-Abwehrkette und zusätzlich drei defensiv orientierten Spielern davor.
  • Die Spanier zogen ihr Pass- und Positionspiel auf und agierten dabei variabel und temporeich. Von Pique oder Busquets ausgehend, verteilten Iniesta und Fabregas in den Halbräumen die Bälle. Die Iberer zogen das Spiel weit auseinander, indem Alba und Juanfran konsequent die Außenbahnen beackerten und im Zusammenspiel mit Silva und Nolito immer wieder bis zur Grundlinie durchkamen.
  • Wenn's durch die Mitte ging, war häufig Morata erste Anspielstation im letzten Drittel. Im diesem Fall zogen Alba und/oder Juanfran gerne mal nach innen in den Strafraum und waren so unmittelbar an zwei, drei gefährlichen Torszenen beteiligt.
  • Während die Tschechen ab Mitte der zweiten Halbzeit die in der Defensive eroberten Bällen besser verarbeiten und ein paar vielversprechende Konter fahren konnten, machten sich die Spanier das Leben wegen fehlender Konsequenz und Zielstrebigkeit vor dem Tor selbst schwer. Entweder kam der letzte Pass nicht an oder in aussichtsreichen Abschlusspositionen geschludert.

Spanien - Tschechien: Die Statistik zum Spiel

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