Kevin Strootman im Porträt

"Wie Ronald Koeman in seinen besten Tagen"

Von Tim Habicht
Montag, 14.11.2011 | 14:05 Uhr
Kevin Strootman (l.) im Trikot der Elftal: Ein Bild, an das man sich gewöhnen wird
© Getty
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Am Dienstag wird er gegen Deutschland (Di., 20.30 im LIVE-TICKER) im zentralen Mittelfeld die Fäden der Elftal ziehen: Kevin Strootman. Dem 21-jährigen Niederländer wird eine goldene Zukunft vorausgesagt. Sein linker Hammer, seine Übersicht und seine Führungsqualitäten machen ihn schon jetzt zu einem wichtigen Spieler. Sein Einsatz ist sinnbildlich für eine offensivere Denkweise im niederländischen Mittelfeld.

Im EM-Qualifikationsspiel zwischen den Niederlanden und Finnland läuft die 29. Minute. Aus dem linken Halbfeld flankt Wesley Sneijder den Ball butterweich in den Lauf des Spielers mit der Nummer acht. Der nimmt ihn mit dem linken Außenrist volley. Der Ball segelt ins rechte Eck. 1:0! Traumtor!

Die Nummer acht trägt Kevin Strootman. Ein Spieler, der zwar erst neun Länderspiele absolviert hat, aber schon jetzt die Hoffnung auf eine goldene Zukunft weckt. Er ist der Spieler, der Nigel de Jong und Mark van Bommel im zentralen Mittelfeld der Niederlande nicht nur beerben, sondern auch gleich noch übertrumpfen soll.

Im Januar für 700.000 Euro nach Utrecht

Dabei hätte das letzte Jahr für Strootman turbulenter kaum sein können. In sechs Monaten absolvierte er 14 Einsätze für den FC Utrecht in der niederländischen Eredivisie. Dabei gelangen ihm immerhin zwei Treffer und drei Vorlagen.

Utrecht hatte den jungen Mittelfeldspieler zuvor von seinem Heimatverein Sparta Rotterdam für gerade einmal 700.000 Euro verpflichtet. Während seiner kurzen Zeit in Utrecht beeindruckte er auch Bondscoach Bert van Marwijk. Er ließ ihn im Februar beim Testspiel gegen Österreich debütieren. Mit 21 Jahren. Zwei Monate vor seinem Debüt spielte er noch in der zweiten niederländischen Liga.

Nach nur sechs Monaten im Trikot von Utrecht ging der steile Aufstieg weiter. Der jetzige Nationalspieler war der PSV aus Eindhoven schon 4,5 Millionen Euro wert. Er wurde ein zentraler Bestandteil des niederländischen Topklubs. Dabei bleibt der Niederländer selbst bescheiden. Angebote von Tottenham, Fulham oder dem AS Rom schlug er aus. Strootman nahm lieber ein Angebot aus der heimischen Liga an: "PSV ist ein super Klub in den Niederlanden, in dem ich schnell ein besserer Spieler werden kann. Das war der logischste Schritt für mich." Tatsächlich nahm seine Entwicklung nun erst richtig Fahrt auf.

van Marwijk: "Er hat eine Gabe"

Seine ersten Auftritte in Eindhoven zeigen, warum derzeit Klubs wie Real Madrid oder Manchester City heiß auf den Linksfuß sind und angeblich rund 20 Millionen Euro auf den Tisch legen wollen. Besonders seine Spiele in der Europa League (zwei Tore, drei Vorlagen in sechs Spielen) haben die europäischen Spitzenvereine aufhorchen lassen. Doch was zeichnet diesen Strootman eigentlich aus?

Bert van Marwijk beschreibt es kurz und prägnant: "Er hat eine Gabe. Aber alles, was er macht, kann er auch noch besser machen." Strootman ist eine Art Symbiose aus Mark van Bommel und Rafael van der Vaart. Technisch weitaus besser ausgerüstet als der Kapitän der Elftal ist er zum heimlichen Dirigenten des Holland-Mittelfelds neben Wesley Sneijder geworden. Er bringt seine Pässe punktgenau an den Mann. Ob per Kurzpass oder 40-Meter-Seitenwechsel. Außerdem ist sein linker Fuß eine echte Waffe: Bei einem seiner Schüsse wurde eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 117 km/h gemessen. Ein Schuss von Thomas Hitzlsperger kommt zum Vergleich an die 125 km/h.

Strootmans Übersicht hat auch Wesley Sneijder beim Debüt imponiert, der überrascht war von der schnellen Anpassungsfähigkeit beim Elftal-Debüt Strootmans. Sein einziges Manko ist sein Defensivverhalten. Da fehlt ihm zum einen noch die körperliche Präsenz und zum anderen einfach die Abgebrühtheit bzw. internationale Erfahrung eines Mark van Bommels.

Paradigmenwechsel im niederländischen Mittelfeld

Und gerade an diesen Schwachstellen kann er im Team der Niederlande noch arbeiten. Denn dort hat er im Laufe der EM 2012-Qualifikation immerhin Nigel de Jong verdrängt. Der robuste Zweikämpfer musste dem kreativen und technisch versierten Strootman weichen. Ein Zeichen, wie van Marwijk die Zukunft in der Elftal sieht. Es soll wieder mehr gespielt als zerstört werden. Mit van Bommel als alleinigen Abräumer vor der Abwehr und Strootman davor, der mehr Freiheiten genießt, ist das Spiel der Niederländer offensiver ausgerichtet als noch bei der WM in Südafrika.

Strootman schaltet sich gerne mit in die Offensive ein und rotiert mit Sneijder. Das Zusammenspiel klappte in der Qualifikation - besonders im Rückspiel gegen Finnland - schon erstaunlich flüssig. Doch der junge Niederländer weiß selbst am besten, dass er noch viel Arbeit vor sich hat, um sich in der Nationalelf auch auf Dauer gegen Spieler wie de Jong oder van der Vaart durchzusetzen: "Ganz von alleine geht das nicht. Ich muss natürlich sehr viel dafür tun. Bei der PSV ist das Niveau schon hoch. Aber hier sind Jungs dabei, die alle bei den europäischen Top-Ten spielen. Ich muss wohl noch eine Schippe drauflegen, um in der Mannschaft zu bleiben."

"Wie Koeman in seinen besten Tagen"

Sein Nationaltrainer ist indes voll des Lobes für ihn: "Kevin hat vom ersten Tag an einen herausragenden Eindruck hinterlassen. Er hat seine Linie immer durchgezogen. Zuerst beim FC Utrecht und jetzt bei der PSV. Dieser Junge ist einfach sehr stabil. Er bleibt nicht nur konstant auf seinem Level, er wird immer besser. Außerdem ist er ein echter Siegertyp!"

Der ehemalige Ajax Amsterdam-Spieler Jan van Halst beschreibt im niederländischen Fernsehen die Spielweise Strootmans: "Bevor er den Ball überhaupt kriegt, hat er schon den Kopf oben und analysiert die Situation. Außerdem sind seine Pässe sehr gefühlvoll und genau." Und van Halst setzt noch einen drauf: "So wie er die Bälle verteilt, erinnert er mich an Ronald Koeman in seinen besten Tagen."

Mit Manchester City, Inter Mailand und Real Madrid wurden jetzt die ersten internationalen Spitzenklubs auf den Niederländer aufmerksam. Bei Inter wurde Spielmacher Sneijder bereits zu seinem Teamkollegen gefragt. "Marco Branca hat mich gefragt, was ich von Kevin halte", so Sneijder: "Qualität nehmen wir immer gerne - und die hat er."

Nächste Glanzvorstellung gegen Deutschland?

Wenn Deutschland in Hamburg auf die Niederlande trifft, wird Strootman voraussichtlich erneut in der ersten Elf stehen. Er soll neben Kapitän van Bommel im zentralen Mittelfeld dafür sorgen, dass die Bälle schnell verteilt werden und das Umschaltspiel gegen Deutschlands Defensivspieler funktioniert. Und Neuer sollte sich auch vor der linken Klebe des Nordholländers in Acht nehmen.

Keine Frage, der Niederländer muss sich erst noch auf internationalem Top-Niveau etablieren und beweisen. Die Anlagen dafür sind aber ohne Zweifel vorhanden. Er könnte eine neue Mittelfeldgeneration bei Oranje einleiten. Zurück zum Spielen und weg vom Zerstören.

"Das Spiel gegen Deutschland wird ein richtiger Gradmesser. Dann werden wir sehen, wo wir stehen." Diese Aussage gilt wohl zum Teil auch für Strootman selbst.

Kevin Strootman im Steckbrief

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