Der Bruch

Freitag, 16.05.2014 | 18:19 Uhr
Mario Mandzukic wurde von Pep Guardiola aus dem Kader für das Pokalfinale geworfen
© getty
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Mario Mandzukic wurde aus dem Kader für das Pokalfinale gestrichen. Es ist die letzte Episode einer wohl gescheiterten Beziehung mit Josep Guardiola. Dass der Kroate je wieder für den FC Bayern spielen wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Eine Entwicklung, die nicht überrascht.

So gleich und doch so anders: Vor genau einem Jahr gastierte der FC Bayern München in Berlin, um das DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart auszutragen.

Jupp Heynckes, der mit seiner Mannschaft eine Woche zuvor das Endspiel der Champions League gegen Borussia Dortmund mit 2:1 gewann, gönnte zum Saisonabschluss Mario Gomez einen gebührenden Abschied nach vier Jahren FC Bayern, indem er den Angreifer in die Startelf beorderte.

Gomez kam in der erfolgreichsten Saison der Bayern-Geschichte an Mario Mandzukic nicht vorbei und verabschiedete sich noch vor der neuen Spielzeit Richtung AC Florenz.

Ein Jahr später bekommt jener Mandzukic, der unter Heynckes noch unersetzlich war, an gleicher Stelle das vermeintliche Abschiedsspiel nicht. Josep Guardiola strich den Kroaten für das Pokalfinale gegen Borussia Dortmund (Sa., 20 Uhr im LIVE-TICKER) aus dem Kader. "Das ist meine Entscheidung", sagte der Katalane am Freitag auf der offiziellen DFB-Pressekonferenz zum Finale.

Mandzukic in Kroatien

Mandzukic ging aus dem Bundesliga-Finale gegen den VfB Stuttgart zwar angeschlagen heraus, meldete sich für Berlin allerdings fit: "Er hat Montag und Dienstag nicht trainieren können, hätte aber spielen können", bestätigte Guardiola. Während der verletzte Bastian Schweinsteiger am Samstag nach Berlin reist, flog Mandzukic nach Informationen von "Sport Bild" schon am Donnerstag nach Kroatien. Selbst von einer endgültigen Verabschiedung des Trainers ist die Rede.

Guardiola ließ am Freitag eine Nachfrage unkommentiert, ob Mandzukic je wieder für den FC Bayern spielen werde. Spätestens nach der letzten Ausbootung ist eine weitere Zusammenarbeit zwischen Mandzukic und Guardiola kaum vorstellbar. Die neueste Wendung ist womöglich die letzte Episode einer nun wohl endgültig gescheiterten Beziehung zweier Charaktere, die kaum unterschiedlicher sein können.

Schon zu Saisonbeginn knisterte es zwischen Trainer und vermeintlichem Stürmer Nummer eins. Viele fühlten sich sofort an Guardiola frühere Begegnungen mit ähnlich veranlagten Typen wie Samuel Eto'o oder Zlatan Ibrahimovic erinnert.

Mandzukic stellt Unmut zur Schau

Die taktischen Präferenzen Guardiolas, die anfangs augenscheinlich komplette Rollenveränderung der einzigen Spitze im taktischen Konstrukt des FC Bayern, trafen wie schon in Barcelona beim einen oder anderen in München auf wenig Gegenliebe. So auch bei Mandzukic. Der Angreifer stellte seinen Unmut offen zur Schau. Exemplarisch waren die deutlichen Gesten des Kroaten nach einem Torerfolg im "Audi Cup" gegen Manchester City, die er Richtung Bank sendete.

Im Fortlauf der Saison fanden Mandzukic und Guardiola dann allerdings zueinander, auch weil der Kroate die Intentionen seines Trainers besser verstand und immer mehr auf die Anforderungen des Trainers zuging. "Er ist einer der besten Stürmer der Welt, ein Vollstrecker", sagte Guardiola im Herbst. Wenn sich die Gegner hinten "einsperren", so Guardiola damals, sei Mandzukic der ideale Stürmer. Ein nicht seltener Fall, wenn der FC Bayern auf dem Platz steht.

Doch die Idylle hielt nicht lange: Zum Rückrundenauftakt strich Guardiola Mandzukic aus dem Kader für das Gastspiel bei Borussia Mönchengladbach. Guardiola attestierte der Nummer 9 schwache Trainingsleistungen und ließ ihn in München.

Rummenigge wollte Vertragsverlängerung

Als Mandzukic vor dem erneuten Gastspiel in Stuttgart "okay" trainierte, war er wieder dabei. Das Politikum hielt sich aber fortan auf der Agenda des FC Bayern, zumal der Klub in jenem Zeitraum die Verpflichtung von Robert Lewandowski für die neue Saison offiziell bestätigt hatte.

Die Vereinsverantwortlichen versuchten in jener Phase mit öffentlichen Liebesbekundungen an den Stürmer entgegen zu wirken. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge stellt gar eine Vertragsverlängerung in Aussicht und kündigte Gespräche an.

Mandzukic, bester Torschütze des FC Bayern in den letzten zwei Jahren, genoss bis zuletzt auf Funktionärsebene und auch in der Anhängerschaft einen deutlich besseren Stand als beim Trainerteam und wohl auch in Teilen der Mannschaft. Seit dem Weggang von Mandzukic-Freund Anatolij Tymoschtschuk galt der Kroate als Einzelgänger. Auch im Umfeld des Klubs kam man mit dem schwierigen Charakter des Stürmers nicht immer klar.

Interesse aus dem Ausland

Eine Trennung wurde auch unabhängig der letzten Ausbootung immer wieder vermutet. Zuletzt berichtete die "Bild" von einem möglichen Tauschgeschäft zwischen dem FC Chelsea und dem FC Bayern mit David Luiz und Mandzukic. Über Angebote muss sich der WM-Fahrer nicht beschweren. Mehrere Klubs aus der Premier League und auch aus Italien zeigten in der Vergangenheit Interesse.

Dass Guardiola ab Sommer keine Verwendung mehr für Mandzukic hat, mag wenig überraschen. Dass der Bruch schon jetzt kam, dagegen schon. Zwar baute Mandzukic in den letzten Wochen deutlich ab und fiel vor allem im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid vornehmlich mit disziplinlosem Verhalten auf. In Abwesenheit einiger Stammkräfte hätte er beim Pokalfinale in Berlin allerdings eine zentrale Rolle eingenommen. Diese hat er künftig wohl woanders.

Mario Mandzukic im Steckbrief

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