DFB-Pokal: Bayern - Wolfsburg 6:1

Eingrooven für Barcelona

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Andreas Lehner
Mittwoch, 17.04.2013 | 10:58 Uhr
Xherdan Shaqiri traf gegen Wolfsburg zum 3:1 und hatte an drei weiteren Toren maßgeblichen Anteil
© getty
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Wolfsburg machte dem FC Bayern das Leben schwer und kassierte trotzdem sechs Stück. Im Hinblick auf den Champions-League-Kracher gegen den FC Barcelona war das DFB-Pokalhalbfinale ein perfekter Abend.

Dienstagabend, Flutlicht, Halbfinale. Die Indizien waren schon mal richtig. Noch war es aber nicht das große Spiel gegen den FC Barcelona im Champions-League-Halbfinale, um das sich in den vergangen Tagen alles beim FC Bayern gedreht hatte und worum es auch in den kommenden Tagen gehen wird.

Erstmal war DFB-Pokal. Das roch ein bisschen nach Alltag, nach einer Pflichtaufgabe für die in Deutschland aktuell dominierende Mannschaft. Die Bayern hatten diese Heimspiele zuletzt jedoch in Spektakel umgewandelt. Die Zuschauer waren wohl auch deshalb schon sehr beschwingt angereist in den Münchner Norden.

Vielleicht lag es auch an den ersten warmen Sonnenstrahlen dieses Jahres, die die Biergartensaison eröffneten. Man weiß es nicht genau. Auf jeden Fall war es keine gewöhnliche Bundesliga/Pokal-Heimspielatmosphäre, die an diesem Abend herrschte. Es war vom ersten Moment an zu spüren, dass sich die Fans und der gesamte Klub für den großen Showdown gegen Barcelona rüsten. Das Publikum war im Champions-League-Modus.

Höchster Halbfinalsieg seit 30 Jahren

Und so bot dieses Spiel für alle etwas. Die Fans durften sich in Sachen Lautstärke und Schlachtgesängen schon mal eingrooven, die Spieler durften den Einzug in ein Finale üben und die Verantwortlichen durften darauf hinweisen, dass ein solche Leistung gegen Barcelona nicht reichen werde.

6:1 hieß es am Ende, der höchste Sieg in einem DFB-Pokalhalbfinale seit dem 5:0 von Fortuna Köln über Borussia Dortmund 1983. Dennoch hatten Trainer Jupp Heynckes und Sportvorstand Matthias Sammer allen Grund, nicht gänzlich zufrieden zu sein.

Kritik von Sammer und Heynckes

60 Minuten lang habe er zu große Abstände bei seiner Mannschaft erkannt, monierte Sammer. Und deshalb kein gutes Spiel gegen den Ball und auch ein zu langes Umkehrspiel. So werde man gegen Barcelona nicht verteidigen können.

Heynckes münzte seine Kritik nicht direkt auf das Duell mit Barca, sprach aber auch von einer "ersten Phase", in der seine Mannschaft nicht voll da gewesen sei. Die "entsprechenden Worte" und die "richtigen Wechsel" des Trainers hätten dann für den Umschwung gesorgt, befand Sammer.

Hecking ärgern Kontertore

Es liegt in der Natur der Sache, dass Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking 65 Minuten "ein sehr gutes Spiel von uns" gesehen hatte. Dass seine Mannschaft am Ende sechs Gegentore schlucken musste, stufte er als um mindestens zwei, drei Tore zu viel ein.

Der Spielverlauf gibt Hecking durchaus Recht. Denn lange Zeit fanden die Bayern kein Mittel, um sich in Ballbesitz Chancen zu erspielen. Doch Spielverlauf und Ergebnis hängen im Fußball nicht immer direkt zusammen.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich Hecking mehr über das Zustandekommen der Gegentore aufregte als über die Anzahl. "Es ist ärgerlich, dass wir bei drei der ersten vier Tore ausgekontert wurden. Da sind die Bayern eiskalt, und es ist schwer, das zu verteidigen." Die Aussage ließe sich ohne weiteres auf fünf von sechs Treffern erweitern, beim noch fehlenden Tor schlief der VfL ganz einfach bei einer Standardsituation.

Shaqiri? "Weltklasse!"

Aus dieser Unachtsamkeit resultierte das spielentscheidende 3:1 durch Xherdan Shaqiri. Überhaupt nutzte der Schweizer einmal mehr seine Chance in der Startelf für beträchtliche Eigenwerbung. Weil Bastian Schweinsteiger von Slobodan Medojevic in Manndeckung genommen wurde, zog Shaqiri vom linken Flügel, wo er eigentlich Franck Ribery ersetzen sollte, ins Zentrum und füllte damit gleich beide Rollen der Stars aus.

Shaqiri gefiel als Anspielstation für die Abwehrspieler, aber auch als schneller Dribbler, der die sich bietenden Räume mit seinem Stakkatoantritt nutzte und gefährliche Pässe in die Tiefe spielte. So geschehen vor den ersten beiden Treffern.

"Weltklasse", nannte Sammer die Leistung des 21-Jährigen, während Präsident Uli Hoeneß zumindest den Vergleich mit Ribery kleinhalten wollte: "Ribery ist Ribery und Shaqiri ist Shaqiri. Er hat heute sehr gut gespielt, aber da muss er noch lange warten bis er so gut ist wie Ribery."

Shaqiri als Ersatz für Kroos?

Auch wenn die Diskussion hinterher keiner führen wollte, Shaqiri brachte sich sehr deutlich als mögliche Alternative auf der Zehn in Stellung - auch in entscheidenden Spielen.

Nach dem Ausfall von Toni Kroos schien diese Rolle ohne Zweifel an Thomas Müller zu gehen. Doch der Nationalspieler, der auf der rechten Außenbahn bis dahin eine überragende Saison gespielt hatte, fremdelt noch ein wenig mit seiner Ursprungsposition.

Der aufgekratzte Kraftprotz Shaqiri wäre zwar von seiner Art das genaue Gegenteil zum manchmal behäbig wirkenden Kroos, könnte dessen Rolle als spielender Zehner, der die Bälle fordert und verteilt, aber eher füllen als Müller, der als Rumtreiber mehr die Tiefe sucht und im Strafraum torgefährlich wird. Heynckes kann sich zumindest sicher sein, zwei Varianten für die entscheidenden Momente in der Hinterhand zu haben.

Gomez holt sich Selbstvertrauen

Im Sturm schwärmt Heynckes dagegen schon seit Saisonbeginn von seinen drei erstklassigen Möglichkeiten. Mario Mandzukic zeigte gegen seine Ex-Kollegen seine Qualitäten als Torjäger, Wandspieler und Kämpfer.

Gegen Barcelona wird er aber gesperrt fehlen. Und so passte es zu diesem dank seiner Macken perfekten Abend, dass der eingewechselte Mario Gomez innerhalb von sechs Minuten einen Blitz-Hattrick schoss. Das Selbstvertrauen im Abschluss, das für Gomez' Spiel so wichtig ist, sollte also da sein - wenn er denn spielen darf.

Die Indizien verdichteten sich zuletzt wieder. Gegen Nürnberg spielte er im Zentrum, während Pizarro auf die Zehn rotiert wurde. Außerdem lobte Heynckes schon nach der Auslosung Gomez starkes Spiel vor einem Jahr beim Champions-League-Halbfinale in Madrid.

Die Besetzung der Sturmspitze ist das größte Rätsel für das Spiel gegen Barcelona. Aufschluss könnte schon der Samstag bringen. Dann geht es für einen durchrotierten FC Bayern zum Bundesliga-Schaulaufen zu Hannover 96.

FC Bayern - VfL Wolfsburg: Daten zum Spiel

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