DFB-Pokal-Finale, Premiere-Stimmen

Bruno Labbadia fordert Konsequenzen

SID
Samstag, 30.05.2009 | 22:35 Uhr
Bald Vergangenheit in Leverkusen? Coach Bruno Labbadia während des Pokal-Finals
© Getty
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War es der letzte Sargnagel für Bruno Labbadia? Nachdem Bayer Leverkusen das Pokal-Finale gegen Werder Bremen mit 0:1 verloren hat, bahnt sich ein Abschied des Trainers an. Die Premiere-Stimmen.

Bruno Labbadia (Trainer Bayer Leverkusen) über...

... einen Abschied aus Leverkusen: "Ich mache mir Gedanken. Ich bin dafür geholt worden, um Dinge zu verändern. Die Dinge dann aber zu verändern, ist manchmal nicht so einfach."

...über den Einbruch in der Rückrunde: "Die Mannschaft ist mental noch nicht gefestigt genug. Das hat einfach mit der Struktur der Mannschaft zu tun. Da hatten wir eine Phase, wo wir das nicht aufhalten konnten: die Mannschaft nicht, aber auch ich als Trainer nicht. Das ist jetzt zum zweiten Mal passiert, mit zwei verschiedenen Trainern - auch da muss man sich Gedanken drübermachen."

...über die Fehleranalyse: "Wir werden uns nach dem am Dienstag zusammensetzen, dann sehen wir weiter. Es gibt Punkte, die ich so nicht mehr akzeptieren werde, denn ich habe eine klare Linie. Es gibt Dinge, die nicht so gut waren. Die haben mit dem näheren Umfeld zu tun. Die müssen verändert werden, damit der Trainer auch seine Linie durchziehen kann. Weil nur so wird man Erfolg haben. Wir werden noch mal alles analysieren und dann werden wir uns Gedanken darübermachen, was geändert werden muss."

...über Störmanöver aus dem Umfeld: "Ich habe in den letzten zwei Monaten versucht, das professionell zu nehmen. Ich habe Dinge professionell zurückgestellt, weil ich mit der Mannschaft Pokalsieger werden wollte - dafür muss man in gewissen Phasen, auch wenn es einem nicht gefällt, Loyalität zeigen. Ich wollte nicht, dass eine Schlammschlacht losgetreten wird und wir uns gar nicht mehr auf das Sportliche konzentrieren können. Das ist ohnehin schon schwer genug. Es ist schon einiges angesprochen, aber es ist leider nicht verändert worden."

...über klubinterne Kritik an seiner Person: "Natürlich habe ich das Gefühl. Einer der Kritikpunkte ist, dass ich relativ geradeaus bin und das anspreche, was ich sehe. Ich glaube auch, dass das eine Führungsperson in einem Verein machen muss. Es gibt für mich nichts Schlimmeres, als wenn Menschen Intrigen spinnen und auch nichts auf den Tisch zu bringen, wenn etwas im Raum ist. Für mich ist es wichtig, dass Dinge auf den Tisch kommen und dann auch verändert werden. Auch als Trainer braucht man einen geraden Weg und darf sich nicht verbiegen lassen."

... über seine öffentliche Kritik an seinem Arbeitgeber: "Jetzt war die Situation da, wo ich dachte, dass ich etwas sagen muss. Ganz wichtig ist: Die Dinge, die ich öffentlich gesagt habe, habe ich zuvor intern geäußert, und zwar mehrmals."

... über das Finale: "Uns hat das Tor und das letzte Durchsetzungsvermögen gefehlt, das wir noch in der Vorrunde gehabt haben. Wir wussten, dass eine Chancen reichen muss, um das Spiel zu gewinnen. Leider sind wir in Rückstand geraten und dadurch wurde es sehr schwierig für uns."

Wolfgang Holzhäuser (Geschäftsführer Bayer 04 Leverkusen) über...

... die abgelaufene Saison: "Wir haben eine Saison hingelegt, die weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Der Pokalsieg hätte vieles aufgewogen. Wir werden für die nächste Saison einiges verändern müssen, um wieder ganz vorne dabei zu sein."

... die öffentliche Kritik von Trainer Bruno Labbadia: "Die Aussagen waren sicherlich in Stil und Zeitpunkt unglücklich."

... Labbadias Zukunft: "Ich bin ganz optimistisch, dass wir mit Bruno Labbadia versuchen, die nächste Saison besser zu gestalten als jetzt. Ich halte ihn weiterhin für einen sehr guten Trainer: Er ist sehr akribisch, er hat seinen Weg, er hat seinen Stil. Er muss noch das eine oder andere lernen, da er noch ein junger Trainer ist. Wenn er noch gewisse Dinge ablegt und gewisse Dinge annimmt und wir ihm dabei Hilfestellung leisten können, glaube ich, dass man mit Bruno Labbadia eine sehr gute Saison spielen kann."

Premiere-Experte Ottmar Hitzfeld über...

... das Spiel: "Der Bremer Sieg ist absolut verdient. Sie waren die bessere Mannschaft, sie haben offensiv besser gespielt. Was mit nicht so gefallen hat, waren die letzten 20 Minuten. Da haben sie sich zu passiv verhalten und nur noch zurückgezogen. Da hat Leverkusen noch einmal Druck gemacht und noch ein paar brenzlige Situationen heraufbeschwören können. Aber die spielerische Klasse hat am Schluss gefehlt und Bremen hat sich in der Defensive besser orientiert. Somit war das Spiel schon zehn Minuten vor Schluss entscheiden."
... über den sechsten Pokalsieg in der Bremer Vereinsgeschichte: "Wenn man einen Titel holt in einer Saison, dann hat man die Aufgabe erfüllt, auch wenn man in der Bundesliga schwache Leistungen gebracht hat. Aber sie waren im UEFA-Pokal-Finale und haben mit dem DFB-Pokal einen wichtigen Titel gewonnen. Somit hatten sie wahrscheinlich auch finanziell ein gutes Jahr."
... über die unterlegenen Leverkusener: "Heute war eine große Chance da, die Saison zu retten und Pokalsieger zu werden. Aber die Mannschaft hat mit zu wenig Herz und mit zu wenig Überzeugung gespielt."

... über die klaren Worte von Labbadia: "Ich habe schon das Gefühl, dass Bruno Labbadia sich etwas zurückgezogen hat. Dass er vor einem so wichtigen Spiel derart in die Offensive geht, hat mir nicht gefallen. Als Angestellter des Vereins kann man schon mal Kritik üben, aber intern, und nicht in der Öffentlichkeit. Der Trainer muss schauen, dass man Ruhe behält und alle Konzentration auf das Sportliche bezieht. Nach dem Finale kann man Klartext sprechen, aber nicht vor einem Finale. Das war sicherlich der falsche Zeitpunkt. Zudem geht er zudem mit seiner Kritik nicht in die Details. Von daher war das ein Eigentor."

...über den Abgang von Diego: "Diego Eins-zu-Eins zu ersetzen ist unheimlich schwierig und macht auch keinen Sinn, da der Nachfolger immer an Diego gemessen wird. Bremen wird mit dem Fußballverstand von Klaus Allofs und Thomas Schaaf die richtige Entscheidung treffen."

Thomas Schaaf (Trainer Werder Bremen) über...

... den Pokalsieg: "In Dortmund gewonnen, in Wolfsburg, in Hamburg - bei aller Kritik, die man in der Bundesliga über uns setzen kann, muss man sagen: Die Mannschaft hat Großartiges geleistet."

... über Torschütze Mesut Özil: "Mesut macht viele Dinge wunderbar und traumhaft, belohnt sich aber nicht. Hier hat er es gemacht."

Klaus Allofs (Manager Werder Bremen) über...

... das Spiel: "Wenn man so schwere Wochen hinter sich hat wie wir mit den Spielen gegen Hamburg und dem Finale in Istanbul, und dann im letzten Spiel der Saison noch mal derart die Kräfte mobilisiert, ist das toll. Wir hatten eine Woche Pause - das war wichtig.

Diego (Werder Bremen) über...

... sein letztes Spiel im Werder-Trikot: "Ich habe das Spiel genossen. Es waren die emotionalsten 90 Minuten meines Lebens. Der Pokal war das Mindeste, was ich den tollen Fans zum Abschied schenken konnte. Es waren drei wunderbare Jahre in Bremen, ich bin dafür sehr dankbar. Ich hoffe, dass ich in Turin genauso warmherzig aufgenommen werde wie in Bremen."
Daten & Fakten: Leverkusen - Bremen

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