Ein Gen gegen den X-Faktor

Von Stefan Rommel
Dienstag, 27.01.2009 | 16:20 Uhr
Ein einziges Spieler-Knäuel - und Mario Gomez (Gesicht verdeckt) mittendrin
© Getty
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Vor dem Pokal-Hit zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern München geben sich beide Kontrahenten siegessicher (20.15 Uhr im LIVE-TICKER und im Internet TV). Der VfB schwört auf ein neu erworbenes Gen, die Bayern auf ihren Superstar Franck Ribery und ihre beeindruckende Tiefe auf der Bank.

So recht daran erinnern mag sich Fritz Walter nicht mehr. Nur noch so viel: "Wir haben 3:0 gewonnen, mit zwei Toren von mir", sagt der ehemalige Torjäger des VfB Stuttgart.

Ein wenig verwunderlich, war das 3:0 vom 9. November 1989. In Berlin fiel damals die Mauer, in Stuttgart stolperte der FC Bayern über den VfB. Es ist bis heute der einzige Erfolg der Schwaben im Pokal über die Bayern.

"Wir sind heiß"

Es gibt einiges gerade zu rücken gegen den ungeliebten Konkurrenten aus dem Süden. Die letzten drei Auftritte im Pokal gegen den Rekordmeister gingen mit jeweils 0:3 verloren, Mitte der 90er Jahre waren selbst Bayerns Amateure für den VfB eine Nummer zu groß (8:9 n.E.).

Die ganz besondere Konstellation ergibt sich heute Abend aus dem hitzigen Liga-Duell vor sechs Wochen (2:2) und der Tatsache, dass beide Mannschaften nicht so recht wissen, wo sie stehen.

"Es ist nicht schlecht, dass es gleich mit so einem Knaller losgeht. Wir hatten eine gute Vorbereitung, sind gut drauf und heiß auf das erste Spiel des Jahres", glaubt Mario Gomez im Gespräch mit SPOX.

Großer Pluspunkt für die Bayern

Auf der Gegenseite posaunt Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann entgegen seiner zurückhaltenden Natur die Bayern-typischen Sätze aus. "Mit K.o.-Spielen ist nicht zu scherzen. Aber ich bin überzeugt, dass wir gleich zu Beginn im Pokal und in der Bundesliga ein paar wichtige Akzente setzen werden!"

Eine gewagte These angesichts des harten Startprogramms mit Stuttgart (Pokal), Hamburg (A), Dortmund (H) und Berlin (A) in der Bundesliga. Und dennoch kann man Klinsmanns schmissigen Worten durchaus Glauben schenken.

Die Bayern haben eine optimale Vorbereitung hingelegt, bis auf Lukas Podolski - der mittlerweile nur noch Stürmer Nummer vier ist - konnten alle Spieler voll mitziehen. Ein Riesenvorteil im Vergleich zur Vorrunde, als der Start auf Grund unterschiedlicher Leistungslevel innerhalb der Mannschaft ziemlich holprig geriet.

"Wir haben ein ganz anderes Leistungsniveau als noch im August oder September. Jetzt ist richtig Leben drin in der ganzen Sache", sagt Klinsmann - und es darf für die Konkurrenz durchaus wie eine Drohung klingen.

Zweieinhalb Zugänge

Zumal die Bayern neben hundertprozentiger Fitness und Harmonie im Team auch personell deutlich zulegen konnten. Der Faktor X, der sich aus zweieinhalb Zugängen generiert. Landon Donovan zeigte in ein paar Wochen das, was sich die Verantwortlichen seit Jahren von Lukas Podolski erhofft hatten.

Der Amerikaner hat sich seinen Platz als erster Joker in der Offensive redlich verdient und bietet auf Grund seiner Spielweise, die ihn vom klobigen Luca Toni und Dauerläufer Miroslav Klose unterscheidet, ein neues Stilmittel und damit eine Facette mehr.

Im rechten Mittelfeld tobt der Kampf um den Stammplatz zwischen Bastian Schweinsteiger und Rückkehrer Hamit Altintop, den der Deutsche um eine Nasenlänge vorerst für sich entschieden hat.

Die Tiefe auf der Ersatzbank ist beeindruckend, neben Altintop und Donovan hofft auch Edeljoker Tim Borowski (schon sieben Saisontore) auf ein paar Minuten Spielzeit.

Wer kommt ins Pokal-Viertelfinale? Auch unterwegs topinformiert!

Ribery verbreitet Kopfzerbrechen

Und natürlich ist da noch Franck Ribery. Der Franzose fehlte zu Beginn der Saison wegen seiner Verletzung und kam erst Mitte der Vorrunde ins Rollen. Beim Ligaspiel in Stuttgart fehlte der Franzose auch. Ribery war in den letzten Spielen der Vorrunde schon bärenstark; mit einer vernünftigen Vorbereitung in den Beinen sind vom 25-Jährigen durchaus noch mehr Wunderdinge zu erwarten.

Stuttgarts Trainer Markus Babbel bereitet der Franzose am meisten Kopfzerbrechen. Vor Ehrfurcht erstarren will die Interimslösung deshalb aber nicht.

Im Gegenteil: "Es war noch nie so leicht, meine Spieler zu motivieren. Und wir haben über 50.000 im Rücken. Ich weiß, was die Bayern können. Und dementsprechend werde ich Spieler aufstellen, die die Bayern nicht mögen."

Vier Eckpfeiler für den Sieg

Den Masterplan hat er schon im Kopf, verraten will er ihn nicht. Nur so viel: Aggressive Zweikämpfe, hohe Laufbereitschaft, taktische Disziplin und absolute Konzentration sind essenzielle Bestandteile - dann sollte es mit dem Einzug ins Viertelfinale klappen.

Notfalls auch über die größtmögliche Spieldistanz. "Nach 90 Minuten? Verlängerung? Elfmeterschießen? Es ist mir eigentlich wurscht, wie wir gewinnen."

Gomez sieht das ähnlich. "Das Bundesliga-Spiel gegen die Bayern kurz vor der Winterpause hat uns außerdem wieder mal gezeigt, dass es sich lohnt, bis zur letzten Minute zu kämpfen und nie aufzugeben. Das ist das Bayern-Gen."

Über den DFB-Pokal nach Europa

Dass der VfB zum Siegen verdammt ist, liegt auf der Hand. Sieben Punkte sind die Stuttgarter von einem Uefa-Cup-Platz entfernt, der leichteste Weg ins internationale Geschäft führt vermutlich über den DFB-Pokal.

Für Babbel ist schon die erste Partie 2009 ein Schlüsselspiel für seine sportliche Zukunft in Stuttgart. Zuletzt gab es nach dem Zwist mit dem DFB in Sachen Trainerschein immer wieder Gerüchte um Bernd Schuster als künftigen VfB-Trainer.

"Vorrangig ist es mir wichtig, den VfB wieder nach oben zu bringen", sagt Babbel. Siege gegen die Bayern würden entscheidend dazu beitragen. Wie damals vor 20 Jahren, als in Berlin die Mauer fiel.

Das komplette Achtelfinale im Überblick

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