Fussball

Drei Punkte, aber auch viel Leerlauf

SID
So wie Gonzalo Castro (l.) hier, liefen die Deutschen Spieler oft hinterher und wirkten behäbig
© Getty

Der 2:0-Sieg der U 21 gegen die Finnen war drei Punkte wert, mehr aber auch nicht. Spielerisch konnte das Team von Horst Hrubesch nicht überzeugen. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sah deshalb auch "gewisse Warnsignale."

Matthias Sammer warnt, Joachim Löw lobt: Ungeachtet des hochgekochten Kompetenzgerangels um die U 21 haben der DFB-Sportdirektor und der Bundestrainer den zweiten Auftritt der deutschen Junioren bei der EM in Schweden unterschiedlich bewertet.

"Wir dürfen uns keinen Sand in die Augen streuen. Es gibt gewisse Warnsignale", sagte Sammer nach dem 2:0-Sieg gegen Finnland, durch den der erste Halbfinaleinzug seit 27 Jahren greifbar nahe ist, und sprach mit Blick auf die erschreckend schwache erste Halbzeit eine deutliche Mahnung aus: "Man wird einiges aufarbeiten müssen. Wir haben uns nie richtig befreien können. Die Mannschaft war lange träge, die Finnen wirkten engagierter."

Löw zieht positives Fazit

Löw urteilte dagegen frei nach dem Motto: Ende gut, alles gut. "Solche Spiele zu gewinnen, ist ganz wichtig in einem Turnier", sagte er: "Die Mannschaft hat sich gegen Widerstände durchgesetzt. Sie war in der Lage, einen Gang hochzuschalten, das wird ihr helfen, Selbstvertrauen zu bekommen."

Was impliziert, dass sie gegen die Finnen zu wenig Selbstvertrauen hatte. So wird klar, dass der Bundestrainer und der Sportdirektor trotz unterschiedlicher Worte dasselbe meinten. Auch Sammer sah nämlich Positives. So, "dass wir Führungsspieler wie Benedikt Höwedes oder Sami Khedira haben, die die Ärmel hochgekrempelt haben."

Höwedes ebnet den Weg

Der Schalker Höwedes, von der UEFA völlig zu Recht als bester Spieler der Partie ausgezeichnet, köpfte nach 58 miserablen Minuten das 1:0. Kapitän Khedira leitete drei Minuten später mit einem Traumpass das 2:0 durch Ashkan Dejagah ein. So reicht im abschließenden Spiel gegen die bereits qualifizierten Engländer am Montag (20.45 Uhr/live im ZDF) ein Punkt zum ersten
Halbfinal-Einzug seit 1982.

Sammer freute es auch, "dass die Mannschaft in der schwierigen Phase geschlossen geblieben ist. Das habe ich bei ihr schon anders erlebt." Dass es menschlich im Team offenbar stimmt, beweist ein Vorgang in der Halbzeitpause, als es zu einer spontanen Aussprache in der Kabine kam.

"Das 1:0 war der Brustlöser"

"Wir haben uns in der ersten Halbzeit den Schneid abkaufen lassen. Deshalb haben wir einige Dinge angesprochen", sagte Khedira und hielt dies für einen "normalen Vorgang. Wir sind in eigentlichen Sinne ja keine Junioren. Von uns spielt jeder Bundesliga. Außerdem sind wir ja nicht auf den Kopf gefallen. Und wir haben einige dabei, die alles für den Erfolg machen."

Trainer Horst Hrubesch fiel die Ansprache danach leicht. Er forderte Willen und Laufbereitschaft, fand offenbar die richtigen Worte und durfte sich am Ende über einen erlösenden Sieg freuen. "Ich wusste, dass es schwer wird. Dass wir uns lange so schwer tun, hätte ich aber nicht gedacht", meinte er: "Das 1:0 war aber der Brustlöser. Danach hat man gesehen, was wir können."

Für diesen Brustlöser vor 5000 Zuschauern im Stadion und 3,37 Millionen vor den TV-Geräten sorgte letztlich wieder Höwedes, der "Held von Metz". So heißt der Innenverteidiger im Mannschaftskreis, seit er im Play-off-Rückspiel in Frankreich in letzter Minute das Siegtor erzielt und das Team zur Endrunde geschossen hatte. Der Schalker selbst blieb bescheiden, doch nicht nur Sammer erteilte dem Innenverteidiger ein Extralob.

Prunkstück Defensive

Löw sieht in der Defensive das bisherige Prunkstück des Teams.

"Die Innenverteidigung mit Höwedes und Jerome Boateng steht sehr gut, dazu strahlt Torhüter Manuel Neuer große Ruhe aus", meinte er. Und der Keeper ergänzte: "Wir stehen hinten sehr gut, das kann der Schlüssel zum Erfolg werden."

Dejagah, der nach seinem Tor als Gruß an seine Verlobte Shiva ein Tatoo auf seinem Arm küsste, stellte denn auch klar: "Wir haben hier alle nur ein Ziel: Wir wollen Europameister werden."

Die U-21-Spielanalyse

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