Am Thema vorbei

Mittwoch, 02.07.2014 | 21:06 Uhr
Philipp Lahm gibt als Kapitän die Richtung - von welcher Position wird sich zeigen
© getty
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Bundestrainer Joachim Löw hat in der Positionsdebatte um seinen Kapitän Philipp Lahm klar Stellung bezogen. Torwarttrainer Andreas Köpke weichte diese Haltung auf der Pressekonferenz wieder auf. Aber warum eigentlich?

Toni Kroos kennt diese Geschichten. Immer wenn er mal ein etwas schwächeres Spiel abliefert oder zumindest in der öffentlichen Bewertung ein schlechtes Spiel abgeliefert hat, wird über den Mittelfeldspieler diskutiert. Zu phlegmatisch, zu wenig torgefährlich, zu zögerlich.

Auch in Brasilien ist Kroos auf der Pressekonferenz schon mit diesen Vorwürfen konfrontiert worden. Aktuell lebt er aber ein ruhiges Leben im Campo Bahia. Er konnte sich am Mittwoch gemütlich das Viertelfinale in Wimbledon zwischen Roger Federer und Stan Wawrinka anschauen.

In Deutschland wird zwar gerade wieder eine heftige Personaldebatte geführt, es geht auch um einen Mittelfeldspieler, aber es nicht um Kroos, sondern um Philipp Lahm.

Lahms Stärken gehen unter

Der Kapitän spielt seit Beginn des Turniers im neu eingeführten 4-3-3 als alleiniger Sechser vor der Abwehr. Und schon nach den ersten beiden Spielen wurde seine Rolle im Mittelfeld in Frage gestellt.

Gegen Portugal erlaubte er sich einen Ballverlust in der eigenen Hälfte, den die Portugiesen nicht ausnutzten. Gegen Ghana spielte er einen Fehlpass vor dem Gegentor, das Lahm dann angekreidet wurde. Allerdings trug er in dieser Situation nicht die alleinige Schuld.

In der anschließenden Debatte wurde Lahms Stärken in der Balleroberung, der Ballsicherung, der Spielkontrolle und im Schließen der Räume fast komplett ignoriert. Die Vorteile von Lahms Versetzung ins Mittelfeld wurden in allen Spielen sichtbar, vor allem gegen die USA, als der Kapitän mit seinen Bayern-Kollegen Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger das Mittelfeld und damit das Spiel kontrollierte.

Löw bezieht Stellung

Nach der schwachen Leistung des DFB-Teams gegen Algerien und der kurzzeitigen Versetzung von Lahm auf die rechte Seite nachdem Shkodran Mustafi verletzt ausgewechselt werden musste, sind die Debatten wieder aufgeflammt. Muss Lahm nicht Außenverteidiger spielen?

Der Bundestrainer hat sich im Interview mit der "Zeit" klar positioniert und dem Mittelfeldspieler Lahm den Rücken gestärkt. "Ich habe meine Entscheidungen getroffen - auch was die Rolle von Philipp Lahm betrifft. Und dazu stehe ich bis zum Schluss."

Keine Alternativen

Es ist ja nicht so, dass Lahms Versetzung ins Mittelfeld aus einer Laune heraus geboren wurde. Der 30-Jährige hat beim FC Bayern einen Großteil der Saison auf dieser Position gespielt und überzeugende Leistungen abgeliefert.

Außerdem fehlten Löw durch die körperlichen Probleme von Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira sowie die Verletzungen von Ilkay Gündogan, Lars und Sven Bender auch die Alternativen auf dieser Position. Die Diskussion geht somit auch am Thema vorbei.

Köpke weicht Löws Grundsatzentscheidung auf

Etwas verwunderlich wirkte dagegen, wie Bundestorwarttrainer Andreas Köpke Löws klare Haltung in der Causa Lahm aufweichte. "Es ist ja nicht so, dass alles so bleiben muss, nur weil der Bundestrainer sich mal vor Zeiten darauf festgelegt hat. Wir halten nicht stur an einer Linie fest, sondern diskutieren über die aktuelle Situation", sagte der 52-Jährige.

Vor Zeiten, das sollte wohl heißen, dass das Interview vor dem Algerien-Spiel geführt wurde. Laut Angaben der Wochenzeitung wurde das Gespräch aber erst im Anschluss an die Partie autorisiert.

Doch spielt das in diesem Fall überhaupt eine Rolle, wann das Interview geführt oder freigegeben wurde? Der Bundestrainer hat in seinem Statement eine Grundsatzentscheidung gefällt, die er sicher nicht aufgrund eines weiteren Spiels revidieren wird.

Alles beim Alten

In diese Kategorie fällt auch das Festhalten an der umstrittenen Viererkette mit vier gelernten Innenverteidigern. Gegen Frankreich wird Jerome Boateng wieder auf die Rechtsverteidigerposition rücken, Mats Hummels steht für die Innenverteidigung wieder bereit.

Für Löw ist diese Variante die beste, um die Defensivschwächen seiner Offensivkräfte zu kontrollieren. Allerdings hatte er damit bisher nur bedingt Erfolg. Denn auch das Mittelfeld und das Offensivspiel litten unter der zögerlichen Interpretation der Außenverteidigerposition, vor allem von Benedikt Höwedes, weil eine zusätzliche Anspielstation fehlte. Die gewünschte defensive Stabilität war obendrein nicht immer gegeben.

Man dürfe sich nicht von der Öffentlichkeit beeinflussen lassen und unter Druck geraten, sagte Köpke. Es gehe darum, die besten Entscheidungen für das Spiel gegen Frankreich zu treffen. Vieles spricht dafür, dass zumindest in der Abwehr und im Mittelfeld alles beim Alten bleibt.

Das DFB-Team im Überblick

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