Andreas Köpke ist seit 2004 Torwarttrainer bei der deutschen Nationalmannschaft
Andreas Köpke ist seit 2004 Torwarttrainer bei der deutschen Nationalmannschaft
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Bundestorwarttrainer Andreas Köpke im Interview

Dienstag, 12.07.2011

"Die jungen Torhüter sind mutiger"

Seit 2004 ist Andreas Köpke Torwarttrainer der deutschen Nationalmannschaft. Im Interview mit SPOX sprach er über die Entwicklungen des modernen Torwartspiels, Manuel Neuers Wechsel zum FC Bayern und die aufstrebende Garde junger, deutscher Torhüter.

SPOX: Sind die schönsten Paraden die, die der Zuschauer gar nicht erkennt? Wenn ein Torhüter dem Gegner zum Beispiel durch geschicktes Stellungsspiel den gefährlichen Pass in die Tiefe nicht erlaubt?

Köpke: Es gab letzte Saison eine tolle Szene von Manuel Neuer im Spiel bei Borussia Dortmund: Der BVB hatte Einwurf, der Ball fliegt am Sechzehnereck in den Strafraum. Der Stürmer stand mit dem Rücken zum Tor und wollte den Ball stoppen. Aber Manuel ist vorher schon losgelaufen, fing den Ball ab und leitet mit einem seiner weiten Abwürfe sofort den Konter ein. Er hat in der Szene hervorragend antizipiert und auch ein bisschen spekuliert. So etwas fällt nicht vielen auf, die meisten erkennen die Szene nicht - ich fand sie überragend. Eine super Szene.

SPOX: Aber auch gefährlich, weil er spekulieren musste.

Köpke: Das ist sein Spiel, das natürlich auch Risiken birgt. Wenn man zehn Mal so einen Ball abfängt und beim elften Mal zu spät kommt, dann ist es so, dann muss man damit auch leben.

Er steckt das alles so souverän weg. Vielleicht bringt ihn die Zeit bei den Bayern noch ein bisschen weiter nach vorne. Aber er wird seinen Weg so oder so weitergehen, dafür ist er zu ehrgeizig.

 

Andreas Köpke über Manuel Neuer

SPOX: Bleiben die gezielten, weiten Abwürfe von Manuel Neuer eine Art Alleinstellungsmerkmal?

Köpke: Es gibt auch andere Torhüter, die das versuchen und die nicht viel kürzer werfen als er. Das muss natürlich auch mit der Spielausrichtung zusammenpassen. Vor der Zeit von Felix Magath auf Schalke waren diese weiten Abwürfe von Manuel noch viel häufiger zu sehen, weil Schalke so spielen wollte. Dabei sind die Präzision und der Zug, mit dem der Ball geworfen wird, beeindruckend. Die Bälle fliegen dem Stürmer nicht im hohen Bogen zu, sondern beschreiben eine relativ flache Flugbahn. So lässt sich das Zuspiel leichter verarbeiten. Diese Abwürfe sind Manuels Markenzeichen.

SPOX: Wird das vermehrt auch eins von vielen Stilmitteln im Nationalteam sein?

Köpke: Wir versuchen ja schon schnellstmöglich umzuschalten um möglichst die entstandenen Freiräume zu nutzen. Der weite Abwurf wird ab und an praktiziert. Aber man muss da schon auch dosiert mit arbeiten. Nur weit abzuwerfen, weil es die Zuschauer gerne sehen, bringt auch nichts. Und man muss vorher ja auch erstmal den geeigneten Empfänger finden, der so in den Raum startet, dass sich daraus ein erfolgreicher Angriff entwickeln kann.

SPOX: Stellen Sie die Nationaltorhüter beim Spielaufbau auch ganz speziell auf die Grundformation und Spielausrichtung des Gegners ein?

Köpke: Wir richten uns da nach Stärke-und-Schwächen-Analysen über den jeweiligen Gegner. Zu viel Risiko bringt nichts. Es ist immer situationsbedingt, der Torwart muss selbst erkennen und abschätzen, wann die Möglichkeit gegeben ist, auch mal einen Pass ins Mittelfeld zu spielen, ohne ein zu hohes Risiko einzugehen. Wenn der Gegner auch den Torwart früh unter Druck setzt, ist es natürlich schwieriger einen gezielten Pass zu spielen.

SPOX: Der enorme Fundus an jungen deutschen Torhütern ist für Sie als Bundestorwarttrainer sicherlich eine schöne Sache. Vielleicht aber auch ein komisches Gefühl, weil Sie genau wissen, dass nur drei nominiert werden dürfen und der eine oder andere Spitzentorhüter vielleicht nie den Weg ins Nationalteam finden wird?

Köpke: Im Moment gibt es überhaupt keinen Grund, an unseren drei Torhütern zu zweifeln oder etwas zu verändern. Wir sind mit ihnen sehr zufrieden. Das ist ein Fakt. Sie sind auch noch jung, im besten Alter. Deshalb gibt es keine Gedankenspiele in eine andere Richtung. Aber: Es kann schnell viel passieren und deshalb müssen wir auch gewappnet sein.

SPOX: Das heißt?

Köpke: Unsere Torhüter habe ich schon oft genug gesehen. Deshalb werde ich in der kommenden Saison verstärkt die Spieler beobachten, die für den Fall der Fälle geeignet wären.

SPOX: Welchen Torhüter haben Sie da speziell im Blick?

Köpke: Es sind die, die jetzt schon eine tolle Saison gespielt haben. Oliver Baumann, Kevin Trapp, Marc-Andre ter Stegen, der nach ein paar Spielen schon die Relegation gemeistert hat. Mehr Druck kann man nicht haben! Auch Ron-Robert Zieler, der die komplette Rückrunde gespielt hat. Man muss aber auch sehen, dass alle diese Spieler erst sehr wenige Bundesligaeinsätze hinter sich haben. Deshalb tue ich mich immer schwer damit, sie sofort mit der Nationalmannschaft in Verbindung zu bringen. Damit tut man den Spielern auch keinen Gefallen. Denn hoch kommt man durch gewisse Umstände oft sehr schnell, aber diese Leistungen müssen auf diesem hohen Niveau auch konstant abgerufen werden. Insgesamt haben wir - sehr traditionell in Deutschland - auf der Position keine Probleme.

SPOX: Welche Erwartungen haben Sie an Manuel Neuer bei den Bayern?

Köpke: Für uns hat sich ja nichts geändert durch den Wechsel.

SPOX: Für den Spieler schon.

Köpke: Ein neuer, größerer Verein, mehr Aufmerksamkeit. Aber Manuel geht mit diesen Dingen souverän um. Auch mit der Plakat-Aktion. Er steckt das alles so souverän weg. Vielleicht bringt ihn die Zeit bei den Bayern noch ein bisschen weiter nach vorne. Aber er wird seinen Weg so oder so weitergehen, dafür ist er zu ehrgeizig. Er will Titel gewinnen, das treibt ihn an. Uns kann das nur zugute kommen.

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Im Interview mit SPOX sprach er über die Entwicklungen des modernen Torwartspiels, Manuel Neuers Wechsel zum FC Bayern und die aufstrebende Garde junger, deutscher Torhüter.

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