Mittwoch, 12.05.2010

Mats Hummels exklusiv

"Mein Ehrgeiz ist noch größer geworden"

Er galt als Geheimtipp für die Südafrika-Reise, für viele sogar als möglicher Stammspieler in der deutschen Innenverteidigung - jetzt muss sich Mats Hummels mit dem Trostpflaster des Malta-Testspiels (Do., ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) begnügen. Der Dortmunder nimmt die erste große Enttäuschung seiner noch jungen Karriere aber als Ansporn und gibt sich im Interview mit SPOX erfrischend selbstkritisch.

Mats Hummels wurde mit der deutschen U 21 letztes Jahr Europameister
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Mats Hummels wurde mit der deutschen U 21 letztes Jahr Europameister

exklusivSeine zweite "richtige" Saison brachte Mats Hummels bei Borussia Dortmund den endgültigen Durchbruch in der Bundesliga und spülte den 21-Jährigen beinahe noch in Joachim Löws vorläufigen WM-Kader.

Dass es für den Ex-Bayern letztlich doch nicht ganz gereicht hat, ist für viele Experten unverständlich - Hummels selbst geht mit der Enttäuschung aber ungewöhnlich selbstkritisch um.

Im SPOX-Interview spricht Dortmunds Shootingstar über geplatzte Träume, vollendete Tatsachen und das diffuse Gefühl zwischen der Vorfreude auf das erste A-Länderspiel und der Enttäuschung über die Nichtberücksichtigung für die WM.

SPOX: Herr Hummels, wie sieht Ihr Saisonfazit aus?

Mats Hummels: Im Großen und Ganzen positiv, sowohl für die Mannschaft als auch für mich persönlich. Trotzdem haben die letzten Spiele bei mir den Eindruck hinterlassen, dass ich doch nicht ganz zufrieden bin mit dem Jahr.

SPOX: Wegen der verpassten Qualifikation für die Champions League?

Hummels: Ich hätte in den letzten drei Spielen gerne mehr dazu beigetragen. Nur hat das nicht so geklappt, wie ich mir selbst das vorgestellt hatte.

SPOX: Was hat letztlich gefehlt, um doch noch auf Platz drei zu springen?

Hummels: In den letzten vier, fünf Spielen haben wir weniger Leistung gebracht als davor. Das muss man so klar sagen. Das lag zum einen daran, dass einzelne Spieler - und darunter sehe ich auch mich selbst - ein paar schwächere Tage erwischt haben. Wir haben gegen Hoffenheim und Wolfsburg unheimlich viele Chancen liegen lassen und nur remis gespielt, obwohl wir mit mehr Konzentration hätten gewinnen können. Die Niederlagen in Mainz und Freiburg waren auch unnötig.

"Manche werden schnell nach kurzer Zeit zur Nationalmannschaft berufen und manche müssen sich vergleichbar lange gedulden. Wir hatten jetzt das Pech, zur zweiten Gruppe zu gehören." Mats Hummels

SPOX: Hat man der Mannschaft in der entscheidenden Phase doch die fehlende Routine angemerkt?

Hummels: Das mit der angeblichen Unerfahrenheit ist so eine Sache - ein bisschen könnte uns das aber wirklich betroffen haben. Bremen hat gegen Köln zum Beispiel auch nur durch einen Handelfmeter in der Nachspielzeit gewonnen, trotzdem hat man gemerkt, dass sie in den entscheidenden Spielen am Ende voll da waren. Deshalb sind sie verdient auf dem dritten Platz gelandet. Bei uns war es so, dass einige auf dem Zahnfleisch gingen. Nuri Sahin hat mit einer Spezialmaske gespielt, Kevin Großkreutz schleppt seit Wochen eine Knieverletzung mit sich rum, ich bin nach dem Kieferbruch auch erst wieder fit geworden. Mohamed Zidan hat sich schwer verletzt, Sven Bender konnte nicht mehr spielen. Das Riesen-Glück hatten wir in der Endphase nicht unbedingt.

SPOX: Enttäuscht waren Sie sicherlich auch über Ihre Nichtberücksichtigung für den vorläufigen WM-Kader.

Hummels: Ich wäre schon sehr gerne dabei gewesen. Ich habe oft von Forderungen gelesen, wonach ich sogar ein Kandidat für die erste Elf sei. Soweit wollte ich noch gar nicht gehen. Aber dann gar nicht im Kader zu stehen, obwohl viele einen sogar in der Startelf sehen - da ist es doch selbstverständlich, wenn man nicht ganz zufrieden ist.

SPOX: Haben Sie vorher vom Bundestrainer Bescheid bekommen oder es erst am Fernseher erfahren?

Hummels: Ich habe am Dienstag oder Mittwoch einen Anruf von Hansi Flick erhalten, der mich darüber informiert hat, dass ich für das Malta-Spiel eingeladen werde. Da wusste ich schon ziemlich eindeutig, dass ich für den eigentlichen Kader nicht nominiert werden würde. Das konnte ich mir dann schon zusammenreimen.

SPOX: Hat man die Entscheidung begründet oder Sie vor vollendete Tatsachen gestellt?

Hummels: "Vollendete Tatsachen" klingt zwar zu hart, aber man kann es so nennen.

SPOX: Wie sieht Ihre Gefühlslage zwischen Vorfreude auf das erste A-Länderspiel und verpasster WM-Teilnahme aus?

Hummels: Ich musste mir erst zwei Tage Zeit lassen, um mich dazu zu äußern. Ich hoffe natürlich, dass ich mein erstes Spiel machen darf und als versöhnlichen Abschluss für mich selbst ein besseres Spiel zeigen kann als zuletzt. Aber dass trotzdem ein nicht geringer Anteil an Enttäuschung dabei ist, weil es nicht für den Kader gereicht hat, ist klar. Obwohl Joachim Löw jetzt ja doch noch einen jungen Innenverteidiger mitgenommen hat.

SPOX: Waren Sie überrascht, dass weder Sie noch Benedikt Höwedes nachher auf der Liste standen?

Hummels: Ein wenig kam es auf jeden Fall so bei mir an. Ich spiele schon eine gewisse Zeit in der Bundesliga und in der U 21, Benni ebenfalls, und wir haben in der Regel immer unsere Leistung gebracht. Manche werden schnell nach kurzer Zeit zur Nationalmannschaft berufen und manche müssen sich vergleichbar lange gedulden. Wir hatten jetzt das Pech, zur zweiten Gruppe zu gehören. Mein Ehrgeiz, mich in der nächsten Saison wieder zu steigern, ist dadurch allerdings nur noch größer geworden.

Borussia Dortmund: 102 Jahre Blut, Schweiß & Tränen
Am 19.12 1909 wurde Borussia Dortmund im Hinterzimmer des Lokals "Zum Wildschütz" in der Dortmunder Nordstadt gegründet. Sportliche Heimat war das Stadion Rote Erde
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Der erste große Erfolg nach Einführung der Bundesliga war der DFB-Pokal-Sieg 1965. Aki Schmidt mit dem Pott und daneben Timo Konietzka, der das erste BL-Tor überhaupt schoss
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Nochmal Rote Erde: 30.000 Zuschauer fanden Platz. Lothar "Emma" Emmerich zieht ab, 1860-Kult-Keeper Petar "Radi" Radenkovic wirft sich wagemutig dazwischen
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Am letzten Spieltag der Saison 77/78 geht Dortmund gegen Gladbach 0:12 unter. Schiebung? Keeper Endrulat und Coach Otto "Torhagel" Rehhagel müssen gehen
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Burgsmüller ist mit 135 Toren in 224 Spielen bis heute der gefährlichste BVB-Spieler aller Zeiten. Daneben Rolli Rüssmann (l.) und Atli Evaldsson
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1986 steigt der BVB fast ein zweites Mal ab. Aber Kobra Jürgen Wegmann bewahrt den BVB in der Relegation gegen Fortuna Köln vor der 2. Liga
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Drei Jahre später: Nobbi Dickel (r.) bombt den BVB im DFB-Pokal-Finale gegen Bremen zum 4:1 und damit zum ersten Titel nach 23 Jahren
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Auch aus dem Finale: Susi Zorc grätscht gegen Werders Thomas Schaaf. Im Vordergrund Michael Lusch, der das 4:1 erzielte
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1991 kam General Ottmar Hitzfeld als Trainer - und mit ihm der Erfolg. Hitzfeld sollte zwei Meisterschaften und die Champions League gewinnen
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Aber noch gibt es nichts zu feiern: 1993 scheitert Dortmund im UEFA-Cup-Finale an Juventus (1:3, 0:3) mit Andy Möller - der auch noch selbst trifft
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Spiele gegen die Bayern sind seit jeher ein Highlight. Hier stoppt Ikone Murdo McLeod den Bayern Radmilo Mihajlovic
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Neben Hitzfeld der zweite Garant für den Erfolg: Matthis Sammer - der sich auch von einer klaffenden Wunde im August 1994 gegen Gladbach nicht stoppen ließ
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1995: Nach 32 Jahren ist die Meisterschale wieder in Dortmund! Und Heintje weint dazu
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Ein Jahr später holt sich Dortmund die nächste Meisterschaft. Chappi, Riedle, Möller und Knuuuuuut Reinhardt feiern mit Kassettenrekorder und Sektchen
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Nur drei Jahre nach dem CL-Sieg steht der BVB am Abgrund: Sammer und Altmeister Udo Lattek retten den Klub vor dem Abstieg in die 2. Liga
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Der Spott der gesamten Liga ließ nicht lange auf sich warten. Der BVB hatte sich verzockt und wäre beinahe daran zugrunde gegangen
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Auf die eigenen Fans dagegen kann sich Dortmund immer verlassen. Auf die Südtribüne passen 30.000 - Rekord in Europa
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Seit 100 Jahren der größte Rivale, aber auch eine Art Schicksalsgemeinschaft: Schalke 04. Oder, im Dortmund-Deutsch: Herne-West
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"Mein Herzschlag". Für die schwarz-gelben Fans mehr als nur ein Spruch. Auf die nächsten 100 Jahre - Happy Birthday, BVB
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SPOX: Wie läuft die Kommunikation zwischen einem Spieler und dem DFB-Stab eigentlich ab?

Hummels: Es wird direkt kommuniziert, der Verein aber auch mit eingeschaltet. Der DFB ist ja auch daran interessiert, dass die Vereine immer gleich Bescheid wissen.

SPOX: Das Trainerteam hat offenbar mehr als 100 Bundesligaspiele gesichtet - bekommt man ab und an auch mal Feedback?

Hummels: Man kann nicht jedem Spieler, den man sich angeschaut hat, gleich darüber Bescheid geben, was gut oder schlecht war. Da wird intern diskutiert. Es sei denn, es steht unmittelbar ein großes Ereignis an. Dann könnte ich mir vorstellen, dass es ein wenig anders läuft.

SPOX: Haben die Verantwortlichen mit Ihnen schon mal über Ihre definitive Position gesprochen? Sie können ja als Innenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld spielen.

Hummels: Darüber wurde mit mir bis jetzt kein Gespräch geführt. Ich weiß aber, dass ich nicht mit allen Spielen, die ich in dieser Saison im defensiven Mittelfeld gemacht habe, zufrieden sein kann. Ich weiß, was ich besser machen muss und würde gerne zeigen, dass ich es noch besser kann.

SPOX: Glauben Sie, dass Sie der Kieferbruch die WM-Teilnahme gekostet hat?

Hummels: Ich war ja nur vier Wochen verletzt. Ich war zwar damals in einer guten Verfassung, trotzdem glaube ich nicht, dass vier verpasste Spiele letztlich den Ausschlag gegeben haben.

SPOX: Vor Ihrem Debüt bei der U 21 vor drei Jahren haben Sie im Eifer des Gefechts den Text der Nationalhymne vergessen. Schauen Sie sich den Text vor Donnerstag vorsorglich nochmal an?

Hummels: Mittlerweile durfte ich ja schon ein paar Spiele mit der Hymne im Vorfeld machen. Das habe ich jetzt auf jeden Fall drin.

Mats Hummels im Steckbrief

Interview: Stefan Rommel

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