DFB-Team: Steffen Freund exklusiv

Freund: "3:1 für Deutschland"

Von Interview: Torsten Adams
Mittwoch, 19.11.2008 | 09:55 Uhr
Steffen Freund im Kreis der Nationalelf. Von 1995 bis 1998 bestritt er 21 Spiele fürs DFB-Team
© Getty
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Der Abschluss des Länderspieljahres der deutschen Nationalmannschaft hält das Duell mit dem ewigen Rivalen England bereit (20.30 Uhr im SPOX-TICKER). Mit den Fans beider Lager freut sich auch Europameister Steffen Freund auf den Vergleich in Berlin. Im SPOX-Interview spricht der Ex-Premier-League-Akteur über die Verletzungsmisere der Engländer, deutsche Neulinge und Fabio Capello.

SPOX: Welcher Stellenwert wird dem Spiel in England beigemessen?

Steffen Freund: Das sieht ähnlich aus wie in Deutschland. Die Leute freuen sich immer auf so einen Klassiker. Es ist etwas besonderes, weil es ein Prestigeduell mit einer 100-jährigen Tradition ist.

SPOX: Joachim Löw hat angekündigt, ausgiebig testen zu wollen. Wie sieht es bei Englands Coach Fabio Capello aus?

Freund: Auch England wird trotz der vielen Ausfälle viel versuchen. Um den erfahrenen Mittelfeldstrategen Michael Carrick wird aber so oder so eine sehr starke Mannschaft auflaufen.

SPOX: Carrick wird im direkten Duell auf Jermaine Jones treffen. Jener Jones, der im Sommer damit kokettiert hatte, dass mit Manchester United ausgerechnet Carricks Klub an ihm interessiert gewesen sei. Hat Jones die Klasse eines Carrick?

Freund: Ich finde, dass es ein schönes Duell ist, auch wenn beide Spieler eher defensive Mittelfeldspieler sind. Wenn Jones davon träumt, in England zu spielen, ist das legitim. Viel höher als bei Liverpool, ManUnited, Arsenal oder Chelsea kannst du auf Vereinsebene nicht spielen. Bevor so ein Wechsel in Frage kommt, muss er aber erst einmal seine Leistung auf Schalke stabilisieren.

SPOX: Genau genommen hat Jones in der Nationalmannschaft mit Ballack, Frings, Hitzlsperger und Rolfes vier Spieler auf seiner Position vor sich. Hat er überhaupt eine Chance auf weitere Spiele, wenn die genannten Akteure fit sind?

Freund: Ich denke schon, dass Jones in der DFB-Elf eine Zukunft hat. Ich beobachte ihn ja schon länger und er spielt bei Schalke seit einem Jahr konstant gut. Mit Ballack und Frings hat er zwei erfahrene Spieler vor sich, aber Hitzlsperger und Rolfes haben ähnliche Zukunftsaussichten wie Jones. Ich finde, dass es sehr gut passt, dass er jetzt spielt und Löw ihm damit die Chance gibt, sich gegen England auf hohem Niveau zu beweisen.

SPOX: Wie Sie sagten, stellt England trotz der Ausfälle noch einen sehr guten Kader. Was erwarten Sie von Marcel Schäfers Debüt auf der linken Abwehrseite, der ja nach Theo Walcotts Verletzung auf den pfeilschnellen Shaun Wright-Phillips treffen dürfte?

Freund: Ich habe einen ganz guten Eindruck davon, wie gut Schäfer ist, weil ich zuletzt ein Praktikum in Wolfsburg gemacht habe. Er hat sich die Nominierung verdient und wenn er spielen sollte, ist es natürlich ein Traum, der für ihn in Erfüllung geht. Mit Wright-Phillips trifft er auf einen Spieler, der sehr wendig ist. Da muss er aufpassen und das Tempo aufnehmen. Nach den Eindrücken, die ich von ihm im Training gewinnen konnte, ist er dieser Aufgabe aber auf jeden Fall gewachsen.

SPOX: Wer wird im Angriff der Three Lions auf unsere Innenverteidigung treffen?

Freund: Darren Bent ist momentan bei Tottenham sehr gut drauf. Nachdem Dimitar Berbatow weg ist, blüht er richtig auf und startet durch. Ich kann mir gut vorstellen, dass Fabio Capello ihn bringt, auch weil er ihn noch gar nicht gesehen hat. Vom Typ her würde Peter Crouch zu ihm passen, ich kann mir aber auch vorstellen, dass er alle Stürmer eine Halbzeit lang spielen lässt.

Der Klassiker Deutschland gegen England: Jetzt auch unterwegs top-informiert sein!

SPOX: Auf Klubebene stürmen die englischen Teams mit der Unterstützung vieler Ausländer von Erfolg zu Erfolg. Die Nationalmannschaft hängt, was die Ergebnisse angeht, weit hinterher. Brauchen die Engländer immer einen kontinentalen Einfluss, wie jetzt durch Trainer Fabio Capello, um erfolgreich zu sein?

Freund: Von den Titeln her können sich die Engländer natürlich nicht mit den Deutschen messen, aber in den Spielen gegen Deutschland war in der jüngeren Vergangenheit immer einiges möglich. Ich denke, der Hauptgrund für das schlechte Abschneiden der Three Lions bei Turnieren ist die nicht vorhandene Winterpause und die hohe Belastung durch die vielen Spiele, die die englischen Profis im Laufe einer Saison absolvieren. Dadurch sind die Spieler bei großen Turnieren nicht in der körperlichen Verfassung, wie es bei den anderen Nationen der Fall ist. Natürlich ist der ausländische Einfluss da, aber die Qualität der Mannschaft an sich ist auch schon sehr hoch.

SPOX: Lassen Sie uns an Ihren Erfahrungen aus den Spielen gegen England teilhaben: Wie reagierten die Engländer beispielsweise auf das Aus im Elfmeterschießen 1996?

Freund: Ich erinnere mich vor allem an das Fair Play. Nach den Zeitungsmeldungen im Vorfeld des Halbfinales konnte man das ja eigentlich nicht unbedingt erwarten, aber es war schon sehr beeindruckend, wie fair sowohl die Spieler, als auch die Zuschauer mit unserem Erfolg umgegangen sind.

SPOX: Es ist also so, dass die Spieler die von den Medien aufgeheizte Stimmung gar nicht so wahrnehmen?

Freund: Vielleicht gehört die Berichterstattung der Presse einfach zu den deutsch-englischen Duellen dazu. Ich sehe das nicht so kritisch. Viel wichtiger ist doch, dass man als Spieler letztlich weiß, dass es doch nur ein Spiel ist. Ich finde es zumindest sehr bemerkenswert, dass uns die englischen Spieler auch nach den unglücklichen Niederlagen 1990 und 1996 beglückwünscht haben.

SPOX: Zum Schluss noch ein Tipp zum Spiel.

Freund: Ich erwarte eine offene Partie - dennoch lautet  mein Tipp 3:1 für Deutschland. Denn wir sind zu Hause Favorit und spielen vor ausverkauftem Haus in Berlin, wo immer eine spezielle Atmosphäre herrscht.

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