Schalke zieht ins Achtelfinale ein

Befreiungsschlag mit Beigeschmack

Von Daniel Reimann
Donnerstag, 12.12.2013 | 09:39 Uhr
Auch nach dem Basel-Spiel vermied Horst Heldt (l.) ein klares Bekenntnis zu Jens Keller
© getty
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Schalkes Sieg gegen Basel ist auch Jens Kellers Sieg. Der S04-Trainer festigt seine Position und macht es den den Verantwortlichen schwer. Doch zahlreiche andere Brandherde trüben die Stimmung.

Es könnte alles so schön sein. Jens Keller erlebt seinen persönlichen Befreiungsschlag. Im ultimativen Endspiel, in dem eine Niederlage wohl seine sichere Entlassung bedeutet hätte. Doch Schalke siegte und Keller fiel hörbar ein Stein vom Herzen.

Die Erleichterung, die der angezählte S04-Coach verspürte, war in seinen Worten nach dem Spiel deutlich herauszuhören: "Keiner kann das nachvollziehen. Dieser enorme Druck, wie die Mannschaft und ich auf die Ohren bekommen haben. Deshalb freut mich das wahnsinnig, denn das hat uns keiner groß zugetraut", frohlockte er.

Besonders der letzte Satz birgt viel Wahres. Nur wenige hätten Königsblau und vor allem Keller nach dem blamablen Pokal-Aus und der bitteren Pleite gegen Gladbach noch das Erreichen des Achtelfinals zugetraut. Doch der Trainer scheint die Mannschaft noch zu erreichen: "Ich habe einfach mein Ding so weitergemacht wie das ganze Jahr schon. Ich habe die Mannschaft immer wieder stark geredet. Heute hat es Gott sei Dank funktioniert."

Es könnte alles so schön sein.

Guter Auftritt rückt in den Hintergrund

Doch es bleibt ein fader Beigeschmack - in vielerlei Hinsicht. Auf den ersten Blick vor allem die mangelhafte Schiedsrichterleistung, die für viele Diskussionen sorgte und noch sorgen wird. "Die Basler wurden klar benachteiligt", befand auch "Sky"-Experte Ottmar Hitzfeld.

Dabei waren zwei Entscheidungen von zentraler Bedeutung: Zunächst die Rote Karte an Ivan Ivanov, die man nicht zwingend hätte geben müssen, weil womöglich noch ein Basler hätte eingreifen können. Wenngleich der Verweis auf Adam Szalais Abseitsposition irrelevant ist, da der Ball von einem Gegenspieler kam, der bewusst dazwischen ging und die Richtung des Balles entscheidend änderte.

Während der Platzverweis kontrovers diskutiert wird, gibt es beim 2:0 durch Joel Matip keine zwei Meinungen. Dass der Assistent trotz optimaler Position und Blickrichtung nicht erkannte, dass insgesamt vier Schalker, darunter Matip, klar im Abseits standen, ist an Absurdität kaum zu überbieten.

Eigentlich zwei Geschenke für Königsblau. Doch die schwache Leistung des Referees lässt den starken Auftritt der Schalker komplett in den Hintergrund rücken. Dass das 1:0 schön herausgespielt und verdient war. Dass S04 bereits vor dem Platzverweis dominiert und sich hochkarätige Chancen erarbeitet hatte. Auch deshalb stellte Keller klar: "Ein 1:0 hätte uns auch gereicht."

Hinrunden-Aus für Draxler und Höwedes

Darüber hinaus bezahlten die bereits arg gebeutelten Knappen den Sieg mit zwei weiteren Verletzungen. Benedikt Höwedes und Julian Draxler fallen beide mit einem Muskelfaserriss für den Rest der Hinrunde aus.

Welche Bedeutung diese Verletzungen haben, wurde bei ihren Auswechslungen deutlich. Für Innenverteidiger Höwedes kam aus Mangel an Alternativen Stürmer Adam Szalai. Dafür rückte Kevin-Prince Boateng, der als vorderste Spitze begonnen hatte, direkt auf die Sechs und Matip ersetzte Höwedes in der Viererkette.

Auch für Draxler war kein adäquater Ersatzmann parat. Also brachte Keller Linksverteidiger Christian Fuchs, der in dieser Saison schon mehrmals notgedrungen als Linksaußen ausgeholfen hatte, in Sachen Torgefahr seinen Offensiv-Kollegen jedoch meilenweit nachsteht.

"Wir haben eines unserer Ziele erreicht"

Doch auch die Situation Kellers und die Diskussionen um seine Person hinterlassen einen faden Beigeschmack. Es hätte so einfach sein können: Keller scheidet aus, hätte damit zentrale Saisonziele in Champions-League und DFB-Pokal verpasst und seine Entlassung wäre mit einem zusätzlichen Blick auf die magere Bundesliga-Bilanz leicht zu rechtfertigen.

Doch Keller macht es den Schalke-Verantwortlichen schwer. Die Partie gegen Basel war sein letzter Strohhalm. Keller ergriff ihn. "Wir stehen im Achtelfinale der Champions League, wir haben eines unserer Ziele erreicht", konstatierte er.

Für die S04-Bosse wird die Situation dadurch nicht einfacher, sondern komplizierter. Auf der einen Seite steht die niederschmetternde Pokal-Pleite und eine bislang schwach Bundesliga-Saison. Auf der anderen Seite plötzlich das Achtelfinale in der Königsklasse und eine Mannschaft, die noch auf den Trainer zu hören scheint.

Heldt vermeidet Bekenntnis zum Trainer

Das "Dilemma" veranschaulichte Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies bereits vor dem Spiel gegenüber "Sky": "Ich kann Jens nichts vorwerfen", sagte er, um sogleich hinterherzuschieben: "Er ist falsch dargestellt in der öffentlichen Wahrnehmung und wird falsch wahrgenommen."

Doch die öffentliche Wahrnehmung wird genau durch solche Aussagen mitbeeinflusst. Wie schon nach dem Gladbach-Spiel, als Horst Heldt ein Bekenntnis zum Trainer um jeden Preis vermied und auf Fragen nach Kellers Zukunft lediglich auswich und relativierte.

"Das sind super Fragen. Klar, dass Sie die stellen müssen, aber ich werde sie nicht beantworten. Wir machen am Ende der Saison eine Analyse und schauen, wo wir stehen. Wir haben immer noch die Möglichkeit, in der Champions League weiterzukommen, und darauf konzentrieren wir uns", sagte Heldt am Samstag.

Doch auch nach dem Sieg in der Champions League klingen seine Worte nahezu identisch: "Wir haben immer gesagt: Wir werden nach dem letzten Bundesliga-Spiel der Hinrunde Bilanz ziehen und dann schauen wir weiter", so der Sportdirektor.

Keller hat es seinen Bossen schwerer gemacht, doch er scheint weiter angezählt - und bleibt dabei realistisch: "Ich habe bis Sonntag vielleicht Ruhe, dann geht's schon wieder weiter."

FC Schalke 04 - FC Basel: Zahlen zum Spiel

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