Fussball

Zurück im Kreis der Großen

Von SPOX
Borussia Dortmund steht erstmals nach 15 Jahren wieder im Viertelfinale der Champions League
© getty

Borussia Dortmunds Einzug in die Runde der letzten Acht hat viele Gesichter - ganz besonders aber das von "Zugang" Felipe Santana. Die Gemütslage schwankt zwischen Zurückhaltung und gesundem Selbstbewusstsein.

Jürgen Klopp musste sich erst seinen Weg bahnen. Durch ein ganzes Knäuel an Mitarbeitern, die wild durcheinander irrten. Ganz am Ende wartete schon Zeljko Buvac. Klopp, dem Kleiderzwang der UEFA gemäß im Anzug unterwegs, fand sein Ziel und versank in den Armen seines Co-Trainers.

Jakub Blaszczykowski hatte soeben das 3:0 erzielt, die Entscheidung im Achtelfinal-Rückspiel gegen Schachtjor Donezk. Borussia Dortmund steht deshalb nach 15 Jahren wieder im Viertelfinale der Königsklasse.

Geheimfavorit ausgeschaltet

Es war ein großer Abend an der Strobelallee, da waren sich alle Beteiligten einig. Auch jene, die bereits den letzten vergleichbaren Erfolg in der Champions League mitgemacht hatten. Michael Zorc zum Beispiel, der dazwischen auch einige schwarze Stunden in der Königsklasse ertragen musste.

"Ich bin erleichtert, dass wir in die nächste Runde eingezogen sind", sagte der Sportdirektor. "Wir sind nach den beiden Spielen mehr als verdient weitergekommen." Und das gegen einen Geheimfavoriten.

Kehl bleibt zurückhaltend

Der Sieger des Duells werde es bis ins Finale schaffen, war sich Donezk' Trainer Mircea Lucescu vor dem Spiel sicher. Nun bleibt der BVB als Gewinner übrig - aber eben nicht zwangsläufig als einer der Favoriten. "Ich glaube weiter nicht, dass wir zu den Top-Favoriten gehören", beschwichtigt Kapitän Sebastian Kehl. "Wobei sich der Kreis natürlich immer enger schließt und so natürlich auch die Gier größer wird."

Dieser Drang nach neuen Erfolgen treibt die Borussia an. Die Art und Weise, wie der BVB die gewiss nicht ungefährlichen Ukrainer mit ihrer Brasilien-Fraktion in der Offensive fast 90 Minuten lang in Schach hielt und seinerseits ein unglaubliches Tempo an den Tag legte, war bemerkenswert.

Borussia Dortmund ist in dieser Champions-League-Saison ungeschlagen. Nur Juventus und Schalke 04 können das noch von sich behaupten. Allerdings stehen für beide noch die Rückspiele im Achtelfinale an. Der BVB ist da schon einen Schritt weiter.

Stolz auf die Spielweise

Mindestens genauso erfreut wie über den Einzug in die Runde der letzten Acht war man in Dortmund aber über die Spielwiese der Mannschaft. "Ich bin stolz, weil wir so gespielt haben, wie wir gespielt haben. Natürlich ist es toll, dass wir weitergekommen sind, aber schön war, dass wir unseren Fußball gespielt haben. Auf die Art und Weise, wie wir gewonnen haben, bin ich stolz", sagte Neven Subotic.

Der Serbe musste wie schon in den letzten beiden Partien auf seinen angestammten Nebenmann Mats Hummels verzichten. Der Nationalspieler war nach seiner auskurierten Grippe noch nicht wieder bei hundert Prozent und ließ deshalb Felipe Santana den Vortritt.

Der Neue trifft

Hummels' Fehlen war beim Pokalspiel bei den Bayern (0:1) als ein Schlüssel der Niederlage ausgemacht worden; Santana in besagten Partien nicht immer voll auf der Höhe.

Am Dienstag war das ganz anders. Morgens überzeugte Santana noch mit einer neuen, alten Frisur. Der Irokese musste einer gepflegten Glatze weichen. "Am Morgen habe ich mir gesagt, dass ich wieder der original Tele Santana sein will. Und das hat ja gut geklappt. Die anderen Jungs und der Trainer haben in der Kabine gescherzt: "'Oh, wir haben einen neuen Spieler.' Und der neue Spieler hat im ersten Spiel gleich ein Tor gemacht", erzählte Santana.

Die restlichen Alteingesessenen erwischten einen ebenfalls starken Tag, was Klopp von einem "perfekten Champions-League-Abend" schwärmen ließ. "Man hat nach der Pause gesehen, wie stark Schachtjor sein kann, wenn man sie lässt. Da haben wir einen kurzen Moment gebraucht, ansonsten war das über 80 Minuten ein unglaubliches Spiel von uns", lobte Klopp.

"Es ging um die Ehre"

Spätestens mit dem Einzug ins Viertelfinale hat sich Borussia Dortmund im Konzert der ganz Großen in Europa wieder zurückgemeldet. "Wir waren seit 15 Jahren nicht mehr im Viertelfinale. Es ging für uns um die Ehre. Finanziell geht's uns gut. Aber das Gefühl, ins Viertelfinale einzuziehen, ist durch nichts zu ersetzen", sagte Klub-Boss Hans-Joachim Watzke.

An der zurückhaltenden Strategie, mit der der BVB bisher ganz hervorragend gefahren ist, wird auch dieser zwischenzeitliche Erfolg nichts ändern. Obwohl sich Dortmund angesichts des Aus im DFB-Pokal und bei acht Punkten Vorsprung auf Platz vier in der Liga sehr stark auf die Champions League fokussieren kann.

"Ich glaube, es sind schon viele Mannschaften aus der Champions League geflogen, die bis dahin stark gespielt haben", warnt deshalb Klopp vor einer übertriebenen Erwartungshaltung an seine Mannschaft.

Gündogan gibt sich offensiv

Allerdings ist man im Ausland längst aufmerksam geworden auf den Dortmunder Fußball. "Ich glaube, dass Fußball-Europa gemerkt hat, dass hier in Dortmund etwas Tolles entstanden ist. Wir brauchen uns nicht vor großen Namen zu verstecken, das haben wir auch in der Gruppenphase gezeigt", traut sich Ilkay Gündogan deshalb schon ein wenig mehr aus der Reserve.

Bis zur Auslosung am 15. März kann sich der BVB in Ruhe zurücklehnen und alle möglichen Gegner anschauen. Unter Umständen ja auch einen der beiden anderen deutschen Vertreter oder - wie schon in der Gruppenphase - erneut Real Madrid.

Eine Präferenz gibt es nicht, zumindest offiziell. "Wir haben hoffentlich noch einen längeren Weg vor uns in der Champions League", sagt Neven Subotic. "Und wir wollen so lange wie möglich auf dieser Reise bleiben, dann sie ist wirklich schön. Es macht einfach Spaß, sich mit den Besten zu messen." Um am Ende vielleicht sogar selbst der Beste zu sein.

Borussia Dortmund - Schachtjor Donezk: Daten zum Spiel

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