Champions League: Playoffs, Hinspiel

Es geht auch ohne Özil

Von Florian Bogner / Felix Mattis
Mittwoch, 18.08.2010 | 22:43 Uhr
Sampdoria Genua konnte sich noch nie für die Champions League qualifizieren
© Getty
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Werder Bremen steht mit einem Bein in der Gruppenphase der Champions League, hat jedoch eine klare Vorentscheidung verpasst. Im Playoff-Hinspiel kamen die Hanseaten zu einem 3:1 (0:0)-Erfolg über den italienischen Vertreter Sampdoria Genua und haben damit fürs Rückspiel in sechs Tagen alle Trümpfe in der Hand.

Die Tore für Werder erzielten Clemens Fritz (51.), Torsten Frings (67., Elfmeter) und Claudio Pizarro (69.). Auf Seiten der Gäste flog Stefano Lucchini mit Gelb-Rot vom Platz (66.). Den für Sampdoria wichtigen Auswärtstreffer erzielte Giampaolo Pazzini (90.). Genua würde damit im Rückspiel ein 2:0-Sieg zum Weiterkommen reichen.

Nachbetrachtung:

Werder stand quasi schon sicher in der Gruppenphase, Pazzinis ebenso spätes wie unnötiges Tor lässt die Bremer jetzt doch wieder mit einem etwas mulmigeren Gefühl nach Genua reisen. Die Nachlässigkeiten gegen Ende der Partie stinkten Trainer Schaaf gewaltig. Andererseits hält der Gegentreffer auch die Konzentration hoch, was durchaus als kleines Glück im Unglück betrachtet werden kann.

Bis auf zwei, drei Szenen in der Defensive zeigte sich die Mannschaft aber schon in erstaunlich guter Verfassung. Im 4-4-2 mit Hunt als zentralem Spielgestalter in der Özil-Rolle liefen die Angriffe nach etwas Anlaufzeit sehr flüssig, in der Defensive räumten Frings und Bargfrede gut ab. Hunt verdiente sich für seine starke Leistung ein Extra-Lob.

Werder war dem Gegner in fast allen Belangen überlegen, was im Hinblick auf das Rückspiel die wohl erfreulichste Erkenntnis ist. Die Bremer zeigten sich in den entscheidenden Phasen routinierter und cleverer, Genua war die Unerfahrenheit auf internationalem Parkett einige Male doch anzumerken.

Beim Rückspiel Luigi Ferraris sollte eigentlich nichts mehr anbrennen. Die Personalplanungen liegen bis Dienstag - bis auf die Hängepartie mit Wesley - auf Eis. Manager Allofs wollte sich zu Spekulationen nicht groß äußern.

Reaktionen:

Thomas Schaaf (Werder Bremen): "Wir haben nach dem 2:0 gut weitergespielt und uns in der Phase sehr gut bewegt. Wir haben den Vorteil, in Überzahl zu sein, zunächst sehr gut genutzt und den Gegner laufen lassen. Leider haben wir das zum Ende hin nicht durchgezogen. Aber vielleicht hält uns das Gegentor auch wach, damit wir fürs Rückspiel wissen, dass man Leute wie Pazzini nicht freistehen lassen darf."

Torsten Frings (Werder Bremen): "Mit dem 3:0 wäre alles klar gewesen, so müssen wir aufpassen. Das müssen wir noch lernen. Aber ich denke, wir sind stark genug, um auch in Genua ein Tor zu schießen. Ich denke, dass wir nicht von Mesut Özil abhängig waren. Aaron Hunt und Marko Marin oder Marko Arnautovic können das auch spielen. Es muss kein Neuer kommen."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Schaaf setzt auf ein 4-3-1-2. Frings ist rechtzeitig fit geworden und spielt im Vergleich zum 4:0-Pokalsieg bei Rot Weiss Ahlen für den zu Real Madrid gewechselten Özil. Neuzugang Arnautovic sitzt ebenso wie Marin nur auf der Bank.

Samp-Coach Di Carlo lässt ein 4-4-1-1 spielen mit Cassano als Alleinunterhalter hinter Pazzini. Die einzigen Neuzugänge in der Startelf sind Keeper Curci (kam von Siena) und Volta, der zuletzt an Cesena ausgeliehen war.

4.: Freistoßtrick der Gäste. Der Ball kommt butterweich an den Elfmeterpunkt, dort steht Pazzini völlig frei. Kopfball - knapp vorbei.

28.: Fritz schickt Pizarro rechts in den Strafraum. Dessen Schuss wird von Lucchini abgefälscht. Almeida kommt am zweiten Pfosten zum Kopfball - auf die Latte.

51., 1:0, Fritz: Hunts Flanke von rechts wird geblockt, Tissones Befreiungsversuch landet jedoch genau bei Fritz. Der hat Platz und zimmert den Ball aus 22 Metern mit links in den linken Giebel. Traumtor.

58.: Pazzini bekommt den Ball links im Strafraum, schlägt noch einen Haken und schließt dann ab. Wiese ist geschlagen, aber der Pfosten rettet.

66., Gelb-Rot für Lucchini: Ecke Werder von links. Vier Mann gehen zum Ball, dahinter am Elfmeterpunkt hält Lucchini Prödl fest. Schiri Lannoy zeigt auf den Punkt und Lucchini Gelb-Rot.

67., 2:0, Frings (Elfmeter): Frings tritt den fälligen Elfer. Kurze Verzögerung im Anlauf, Schuss halbhoch links. Curci ist dran, kriegt ihn aber nicht mehr um den Pfosten.

69., 3:0, Pizarro: Doppelpass zwischen Bremens Stürmern, Almeida legt den Ball mit der Hacke in den Lauf von Pizarro. Der geht in den Strafraum und schließt ab, Stankevicius fälscht seinen Torschuss unhaltbar ins eigene Tor ab.

90., 3:1, Pazzini: Typisch Werder. Stankevicius darf rechts dribbeln, Borowski greift nicht an. Flanke an den Fünfer. Mertesacker steht miserabel zum Ball, Pazzini köpft ein.

Fazit: Werder bringt sich durch Nachlässigkeiten um ein besseres Ergebnis. Sampdoria 20 Minuten gut, dann grausam, am Ende versöhnt.

Der Star des Spiels: Clemens Fritz. Defensiv stand der Ex-Nationalspieler (mit einer Ausnahme bei Pazzinis Pfostenschuss) sicher und schaltete sich oft ins Offensivspiel ein. Fritz scheint topfit in die Saison zu gehen und mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen ausgestattet zu sein. Sein Tor sperrte die Tür zur Champions League auf - Werder muss nur noch durch gehen.

Die Gurke des Spiels: Antonio Cassano. Der Junge hat zwischen Weltklasse und Kreisklasse alles in petto, diesmal war es eher zweiteres. Cassano verlor nahezu jeden Zweikampf und gab keinen Torschuss ab. Dazu mit den wenigsten Kilometern nach Keeper Curci. Zwei gute Zuspiele - das war zu wenig.

Die Pfeife des Spiels: Stephane Lannoy (Frankreich). Mitunter ein wenig kleinlich, pfiff bei mehreren Situationen zu früh ab. Dafür lagen seine Assistenten bei Abseitsentscheidungen stets richtig. Der Elfmeterpfiff löste bei Genua zwar Entsetzen aus, war aber regeltechnisch korrekt, ebenso das anschließende Gelb-Rot.

Analyse: Werder begann nervös und war in der Anfangsviertelstunde zweimal defensiv ungeordnet. Sampdoria testete früh aus, was geht, ließ Werder dann aber nach gut 20 Minuten ins Spiel kommen. Danach waren die Hausherren klar überlegen und hatten deutlich mehr Ballbesitz (65 Prozent bis zur Pause).

Frings trieb das Spiel der Bremer an, Genua bekam den Raum zwischen eigenem Sechzehner und Mittelkreis nicht unter Kontrolle. Vor beiden Toren war bis zur Halbzeit allerdings tote Hose. Das änderte sich nach dem Pausentee, weil Werder mehr investierte, Samp hingegen nur noch auf Konter lauerte. Fritz brach den Bann, Lucchinis Zupfer gegen Prödl den Gästen vollends das Genick.

Nach dem 3:0 hätte Werder einen lauschigen Abend haben können. Die Betonung liegt auf "hätte" - die Gastgeber verstanden es einmal mehr, den dezimierten Gegner durch eigene Lässigkeiten zurück ins Spiel zu lassen.

Die Konsequenz: Pazzini erzielte kurz vor Abpfiff den Anschlusstreffer, der Werder noch schmerzen könnte.

Spielplan: Champions-League-Qualifikation

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