Markus Babbel: "Ich spüre das Vertrauen"

SID
Mittwoch, 21.10.2009 | 15:20 Uhr
Die ratlose Machtzentrale der Stuttgarter: Trainer Markus Babbel (l.) und Manager Horst Heldt
© Getty
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Der VfB spielt gegen Sevilla gut, verliert aber trotzdem deutlich. Bald könnten die Gesetze des Geschäfts greifen und Trainer Babbel vor dem Aus stehen, doch in Stuttgart hält vor allem Manager Heldt weiter zu ihm. Bei den Fans ist auch ein Sündenbock ausgemacht - Rückkehrer Alex Hleb.

Wenn ein Trainer öffentlich mit den Namen möglicher Nachfolger konfrontiert wird, sind seine Tage als Coach meist gezählt. Auch bei Markus Babbel tickt die Uhr.

Doch obwohl der Trainer des VfB Stuttgart nach dem 1:3 (0:1) in der Champions League gegen den FC Sevilla direkt nach Marcel Koller, Bernd Schuster und sogar Jürgen Klinsmann gefragt wurde, behauptete er: "Ich spüre das Vertrauen des Vereins."

Gegen Sevilla deutlich verbessert

Zumindest bis zum Samstag, wenn der VfB zu Babbels 'Endspiel´ bei Hannover 96 antritt. Bei einer weiteren Niederlage, der dann vierten in Folge, wäre Babbel kaum noch zu halten.

Zwar präsentierte sich seine Mannschaft gegen den spanischen Spitzenklub Sevilla erneut deutlich verbessert - doch der Einzug ins Achtelfinale ist mit zwei Punkten nach drei Spielen stark gefährdet, ebenso das Saisonziel Europacup nach dem schlechtesten Start in der Fußball-Bundesliga seit dem Abstieg 1975.

"Babbel ist der richtige Trainer"

Sportvorstand Horst Heldt mühte sich trotzdem zu später Stunde tapfer, die Krisenstimmung wegzureden. "Markus Babbel ist genau der richtige Trainer für den VfB. Wir führen die Trainerdiskussion nach wie vor nicht. Und die Namen, die da genannt werden, interessieren mich auch nicht", sagte er.

Stattdessen versuchte Heldt, der Pleite Positives abzugewinnen. Doch so sehr er die Leistung lobte, so sehr er hervorhob, wie 'unnnötig´ und 'bitter´ diese Niederlage war, so klar war ihm, dass sie für den VfB "einer Katastrophe" gleichkam.

In Sevilla müssen Punkte her

Weil der rumänische Meister Unirea Urziceni gleichzeitig 4:1 (1:1) bei den Glasgow Rangers gewann, "müssen wir jetzt in Sevilla dringend punkten, wenn wir überhaupt noch eine Chance auf Rang zwei haben wollen", betonte Heldt.

Am 4. November reisen die Schwaben nach Andalusien, danach stehen noch die Begegnungen bei den Rangers (24. November) und gegen Urziceni (9. Dezember) an. Ob Babbel dann noch dabei ist, ist fraglicher denn je.

"Es kotzt mich einfach an, dass wir verlieren", klagte Babbel nach dem phasenweise guten Auftritt gegen die clevereren Spanier, für die Sebastien Squillaci (23./72.) und Jesus Navas (55.) trafen.

"Breite Brust in Hannover"

Elsons Freistoßtor (74.) läutete zwar noch einmal eine Drangperiode des VfB ein, Sevilla gewann letztlich aber verdient. "Wir haben die Leidenschaft gezeigt, die von uns verlangt wird. Deshalb fahren wir optimistisch und mit breiter Brust nach Hannover", sagte Kapitän Thomas Hitzlsperger, den Babbel erst nach 69 Minuten einwechselte.

Angesichts der zahlreichen individuellen Fehler, die sich wie ein roter Faden durch die Saison ziehen und Stuttgart auch gegen Sevilla um ein besseres Resultat brachten, schwant zumindest Heldt für die Reise nach Niedersachsen Böses.

Hleb ist der Sündenbock bei den Fans

"Es wird sich schon wieder einer finden, der bei einer Standardsituation pennt", sagte er. Gegen Sevilla schliefen vor dem 0:1 der ansonsten verbesserte Regisseur Alex Hleb und Khalid Boulahrouz den Schlaf der Gerechten, beim 0:2 patzte Torwart Jens Lehmann, beim 0:3 wieder Boulahrouz.

Doch vor allem Hleb bekam die Wut der Fans bei seiner Auswechslung in Form von Pfiffen zu spüren. "Ist mir scheißegal", sagte er zum Liebesentzug des Publikums, das dem Rest des Teams applaudierte. Schließlich hatte sich der VfB ja bemüht.

"Jetzt darf sich keiner verpissen"

"Aber dann fehlt uns eben in entscheidenden Situationen die Konzentration", sagte Heldt. Und die Klasse? "Vielleicht auch die Klasse", ergänzte er. Babbel aber glaubt weiter an das Potenzial seiner Truppe.

"Ich bin sehr zuversichtlich für Hannover. Wir dürfen keinen Zentimeter nachlassen, müssen dort genau so auftreten. Ich werde mit der Fahne in der Hand vorangehen - und erwarte, dass die Mannschaft mir folgt und sich keiner verpisst", sagte er.

Denn im Misserfolgsfall muss er die Fahne mit dem VfB-Wappen wohl endgültig aus der Hand legen.

VfB Stuttgart - FC Sevilla: Die Statistik

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