Fussball

Ein Tritt zu viel

Von Aus der Allianz Arena berichtet Andreas Lehner
Franck Riberys Tritt gegen Arturo Vidal blieb erst einmal ohne Folgen
© getty

Die Zweikämpfe zwischen Arturo Vidal und Franck Ribery sorgten für die hässlichen Momente des Champions-League-Viertelfinals zwischen dem FC Bayern und Juventus. Der Chilene fehlt im Rückspiel, Franck Ribery wird - Stand jetzt - wohl auflaufen dürfen - dank einer großen Portion Glück.

Die Fakten zuerst: Arturo Vidal hat seine dritte gelbe Karte gesehen in der laufenden Champions-League-Saison. Das bedeutet, dass er das Rückspiel gegen den FC Bayern verpassen wird. So lautet die Regel.

Das Erstaunliche daran ist, dass Vidal seine Verwarnung für ein Handspiel gesehen hat, obwohl er sich zuvor drei Fouls erlaubte, für die er ebenfalls eine Gelbe verdient gehabt hätte.

Vidal spielte so, wie es zu erwarten war: lauffreudig, aggressiv, intensiv, hart, immer an der Grenze. Keine schlechten Eigenschaften für einen Sechser oder Achter wie Vidal einer ist. Deshalb wollten die Bayern und ihr Trainer Jupp Heynckes den Chilenen 2011 auch unbedingt von Bayer Leverkusen an die Isar holen.

Angeblich hatte Vidal den Bayern auch schon eine Zusage gegeben, wechselte dann aber doch nach Turin. Damit zog er sich den Zorn von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zu, die ihm mangelndes Rückgrat und einen schlechten Charakter vorwarfen.

"Dieses Spiel ist für mich eine Gelegenheit zur Revanche", sagte Vidal auch deshalb im Vorfeld. "Ich darf nicht zu übermotiviert sein, sonst überdrehe ich und schade der Mannschaft."

Man kann nicht sagen, dass Vidal komplett überdreht hat. Durch seine vielen grenzwertigen Aktionen provozierte er aber ein Privatduell mit Franck Ribery. Der Franzose bekam mehrmals die wilde Entschlossenheit des Chilenen zu spüren und antwortete lange Zeit sportlich mit starken Tempodribblings.

Die Zuschauer hatten ihr Urteil trotzdem längst gefällt. Wer sich mit Hoeneß, Rummenigge und Ribery anlegt, der sollte sich warm anziehen. Vidal trieb allen Roten auf der Tribüne auch noch die Zornesröte ins Gesicht und wurde bei jeder sich bietenden Gelegenheit ausgepfiffen.

Am lautesten wurde es nach 83 Minuten, als ihm nach einem Zweikampf an der Seitenlinie Schauspielerei unterstellt wurde. Es sah auch etwas komisch aus, als sich Vidal erst vor Schmerzen krümmte und dann plötzlich doch wieder schimpfend auf den Platz hüpfte und bei Schiedsrichter Mark Clattenburg ein aus seiner Sicht schweres Vergehen anzeigte.

Die Zuschauer pfiffen noch lauter. Doch was im Stadion auf den ersten Blick nicht zu sehen war, offenbarte die Zeitlupe umso schonungsloser. Ribery ließ sich hinreißen, er trat Vidal mit voller Wucht und den Stollen voraus in die Wade.

Ribery hatte Glück, dass er für seinen Tritt nicht die rote Karte sah. Es erinnerte vieles an die Situation vor drei Jahren, als Ribery im Halbfinale gegen Olympique Lyon Rot sah und anschließend das Finale verpasste.

Ob Ribery eine nachträgliche Sperre zu befürchten hat, hängt in erster Linie davon ab, ob Schiedsrichter Clattenburg die Situation entweder nicht gesehen oder als nicht so schlimm bewertet hat. Die zweite Variante erscheint eher unwahrscheinlich.

Klar ist aber: Ribery hat in diesem Moment überdreht, im schlimmsten Fall schadet er damit sich selbst und seiner Mannschaft.

FC Bayern München - Juventus: Daten zum Spiel

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