Ewald Lienen über Olympiakos

"Kompakt und auf Konter aus"

Von Interview: Richard Rother
Dienstag, 11.12.2007 | 11:27 Uhr
Fußball, Champions League, Bremen, Olympiakos
© Getty
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München - Werder Bremen braucht am Abend bei Olympiakos Piräus einen Sieg, um ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen. Wie sind die Griechen einzuschätzen? SPOX.com fragte bei Ewald Lienen nach.

Deutsche Trainer stehen in Griechenland hoch im Kurs. Nicht nur das König Otto die Hellenen zum EM-Titel geführt hat. 

Seit der vergangenen Spielzeit ist auch Ewald Lienen, der Mann mit Block und Bleistift, im Schatten der Akropolis beschäftigt. In seiner ersten Saison gelang ihm mit seinem Klub Panionios Athen gleich die UEFA-Cup-Qualifikation.

Dass damit sehr viel Stress verbunden ist, merkte man Lienen im Interview mit SPOX.com an - nicht nur, weil er Minuten vor unserem Anruf auch noch eine Autopanne hatte.

Der 54-Jährige gab sich am Anfang stressbedingt etwas spröde, lief dann aber doch noch taktisch zu Hochformen auf.

Verfolgen Sie das spannende Finale um 20.45 Uhr im SPOX-LIVE-TICKER oder in der deutschen Konferenz nur mit Schalke und Werder bei Premiere und im Internet TV!

SPOX: Herr Lienen, Sie als Griechenland-Experte können uns doch bestimmt etwas über Olympiakos Piräus, dem Champions-League-Gegner von Werder Bremen, sagen.

Ewald Lienen: Klar, ich kenne Olympiakos ganz gut. Aber um eine detaillierte Analyse abzugeben, müsste ich mich erst genau damit befassen. Ich weiß nicht mal, wo die in der Champions League gerade stehen.

SPOX: Okay, dann konfrontiere ich Sie mal mit einer pauschalen Aussage: Guter Sturm, schwache Abwehr, überragendes Mittelfeld - kann man das so sagen?

Lienen: Nein, kann ich nicht nachvollziehen, wie kommt man auf so was?

SPOX: 25 Tore in der Liga kann sonst keiner aufweisen. Aber immerhin haben sie schon zehn Gegentore kassiert, Spitzenreiter AEK und der Tabellendritte Panathinaikos nur vier.

Lienen: Man kann eine Mannschaft doch nicht nach Abwehr, Mittelfeld und Sturm bewerten. Das ist eine ziemlich verkürzte Darstellung. Eine Mannschaft funktioniert als Ganzes oder sie funktioniert eben gar nicht.

SPOX: Piräus funktioniert also nur als Einheit?

Lienen: Wissen Sie, in Barcelona kann man dem Messi den Ball geben, der rennt los, spielt fünf Leute aus und haut das Ding rein. Alle anderen Mannschaften auf der Welt funktionieren anders. Olympiakos hat eine ordentlich besetzte Mannschaft, aber alle müssen zusammen verteidigen.

SPOX: Wer sind die Schlüsselspieler?

Lienen: Im Offensivbereich haben sie sich mit LuaLua und Kovacevic im Sommer gut verstärkt. Im Defensivbereich haben sie mit Torosidis und Zewlakow zwei Nationalspieler, mit Antzas einen ganz erfahrenen Mann und mit Cesar einen, der schon für Real gespielt hat. Und das Mittelfeld ist mit Djordjevic und Galletti sehr gut besetzt.

SPOX: Wenn man die Einzelspieler von Bremen und Piräus miteinander vergleicht...

Lienen: (geht empört dazwischen) So was mache ich nicht, das ist doch unseriös. Ich fange nicht an, zwei Spieler anderer Mannschaften zu vergleichen und mit Leistungen zu bewerten. Das wäre ehrenrührig.

SPOX: Und wenn ich Sie jetzt frage, wer personell stärker ist?

Lienen: Eine detaillierte Analyse kann ich nicht bieten. Ich muss den ganzen Tag malochen und habe alle drei Tage ein Spiel.

SPOX: Gegen Olympiakos haben Sie ja auch gespielt. Ist 1:4 ausgegangen. Ihre Erkenntnisse daraus?

Lienen: (echauffiert) Wir haben gegen Olympiakos zwei Leute auf dem Platz gehabt, die einen Fehler nach dem anderen produziert haben. Wir waren in den letzten Monaten gleichwertig mit denen, aber haben im Spiel riesige Fehler gemacht.

SPOX: Darko Kovacevic, der auch gegen Panionios getroffen hat, ist den meisten in Deutschland ein Begriff. Bei Olympiakos kommt er aber nur als Joker zum Einsatz. Warum?

Lienen: Mit 35 Jahren wird er wohl nicht in jedem Spiel 90 Minuten gehen können. Er ist aber nach wie vor unglaublich stark und bringt sich schnell in torgefährliche Positionen. In Bremen ist er eingewechselt worden und hat das Spiel gedreht. Es ist besser, jemanden mit solchen Qualitäten einzuwechseln, wenn die anderen schon müde sind.

SPOX: Wie erwarten Sie Piräus gegen Bremen - taktisch gesehen? In der Champions League hat Lemonis auswärts immer mit einer Sturmspitze gespielt, daheim mit zwei Stürmern und zwei offensiven Außenspielern.

Lienen: Auf jeden Fall werden sie im Mittelfeld kompakt stehen. Wenn sie ihr 4-4-2 mit Raute spielen, müssen Galletti und Djordjevic bei Bremer Ballbesitz von der Seite unglaublich weit mit reinrücken, weil Bremen das gleiche System spielt und das ausgesprochen stark. Kann durchaus sein, dass Olympiakos auf Konter aus ist, ihnen reicht ja ein Unentschieden.

SPOX: Ist das nicht gefährlich?

Lienen: Klar - wenn man auf so was von vornherein aus ist, dann kann das auch leicht mal in die Hose gehen. Bremen ist ja bekannt dafür, dass die ganze Mannschaft mit ihrer Offensivstärke, mit den gefährlichen Außenverteidigern, viel Druck macht. Das Rautensystem impliziert ja, dass die Außenverteidiger viel Platz haben und viel nach vorne arbeiten können. Da die Raute ziemlich tief innen spielt, müssen die Außen sehr viel nach vorne machen. Und das ist eine große Aufgabe für Olympiakos, das erst mal zu verteidigen. Gerade Galletti und Djordjevic sind beides nicht gerade Abwehrwunder, die jetzt prädestiniert sind, zu verteidigen.

SPOX: Des Rätsels Lösung?

Lienen: Es kommt darauf an, was der Trainer sich vorstellt, aber es ist denkbar, dass sie ein 4-3-3 spielen und das Mittelfeld damit zusätzlich verstärken, weil die Außenstürmer mit nach hinten arbeiten. Ein 4-4-2 ist wirklich sehr riskant, denn da müsste ein Stürmer mit ins Mittelfeld zurückgehen, und das kann ich mir nicht vorstellen.

SPOX: Würden Sie sich zum Schluss noch zu einem Tipp hinreißen lassen?

Lienen: Olympiakos hat in der Liga ein paar Federn gelassen, aber in der Champions League bislang ausgezeichnete Leistung gebracht. Die haben auch bei Real toll gespielt. Ich will mich da nicht festlegen. Es wird auf jeden Fall ein offenes Spiel.

SPOX: Danke für das Gespräch. Damit entlasse ich Sie in den wohlverdienten Feierabend.

Lienen: Bitte. Den Feierabend gibt's nicht. Ich muss weiterarbeiten - wir haben morgen schon unser nächstes Spiel.

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