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Vollrausch!

Mittwoch, 23.09.2015 | 10:27 Uhr
Robert Lewandowski gelang als 14. Spieler der Bundesligageschichte ein Fünferpack
© Getty
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Robert Lewandowski schreibt mit seinem Fünferpack beim 5:1-Sieg über den VfL Wolfsburg Geschichte. Der Pole ist der Hauptdarsteller eines neunminütigen Wahnsinns. Echte Erklärungen dafür hat keiner - nicht mal Trainer Pep Guardiola.

Erst schlug er die Hände über dem Kopf zusammen, dann faltete er sie vor dem Gesicht. Es schien so, als würde er beten. Pep Guardiola konnte nicht fassen, was er da gerade gesehen hatte. Fünf Tore hatte der eingewechselte Robert Lewandowski zwischen der 51. und 60. Minute erzielt.

"Ich verstehe es nicht", sagte der Trainer auch auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Er habe so etwas in seiner langen Karriere als Trainer und Spieler nicht erlebt und werde so etwas wohl auch nie wieder erleben. Es fehle ihm auch an den richtigen Worten, um diese Situation passend zu beschreiben.

Es war ja so, dass der FC Bayern zuvor 45 Minuten in überschaubarem Tempo ohne zwingende Torchancen hinter sich hatte. "Du spielst nicht gut und auf einmal machst du fünf Tore", sagte Guardiola.

Die Leistungsexplosion habe nichts mit seinen personellen Wechseln (Lewandowski für Thiago, Martinez für Bernat) und zahlreichen Umstellungen zu tun gehabt. "Der Grund für fünf Tore in neun Minuten ist die Emotionalität der Spieler."

Hattrick in drei Minuten und 22 Sekunden

In der Phase, in der Lewandowski den schnellsten Fünferpack der Bundesligageschichte erzielte, spielten der FC Bayern und der polnische Stürmer nicht nur wie im Rausch, sondern passend zum Oktoberfest im Vollrausch.

Weder Stadionsprecher Stephan Lehmann noch die Fans kamen mit dem Feiern der ganzen Tore richtig hinterher. Für seinen ersten Hattrick, natürlich den schnellsten in der Bundesligageschichte, brauchte Lewandowski gerade einmal drei Minuten und 22 Sekunden.

Der Pole war so schnell, dass Guardiola in dieser Zeit seine Maß Bier auf der Wiesn nicht einmal warm geworden wäre. Der Spanier hatte erst kürzlich auf einer Presskonferenz noch seine Probleme mit der Größe der Maßkrüge erklärt. Das Bier wäre nach ein paar Minuten schon immer warm und er möge es lieber in kleineren Gläsern und kalt.

Robert Lewandowskis Torschüsse beim 5:1 über den VfL Wolfsburg

Hecking: "Das darf nicht passieren"

Was Dieter Hecking über das Oktoberfest und das Bier dort denkt, ist nicht bekannt. Ihm war zwar nicht verborgen geblieben, dass der Ausnahmezustand der Theresienwiese kurzzeitig auch den Münchner Norden in Fröttmaning erreicht hatte. Hecking konzentrierte sich bei seiner Analyse aber mehr auf die Fehler seiner eigenen Mannschaft.

Nach dem Ausgleich habe man zu schnell das zweite Gegentor geschluckt. "Dann haben wir die Ordnung und die Sicherheit verloren", analysierte der Trainer und erinnerte an ein ähnliches Spiel in Sinsheim im März 2014, als der VfL 2:6 verlor und binnen sechs Minuten drei Gegentore kassierte.

Acht Spieler, die damals dabei waren, standen auch gegen den FC Bayern auf dem Platz. Hecking monierte also mit Recht einen ausgebliebenen Lerneffekt. Nicht nur einmal sagte er: "Bei aller Qualität von Lewandowski und dem FC Bayern, das darf nicht passieren. Fünf Tore in neun Minuten gehen einfach nicht."

Damit machte sich seine Mannschaft auch eine bis dahin sehr ordentliche Leistung kaputt. Die Defensive stand in Halbzeit eins sicher und nach einem gut ausgespielten Angriff lag der VfL in Führung. Wer weiß, was passiert wäre, wenn Joshua Guilavoguis Versuch aus über 50 Metern nach einem Ballverlust von Manuel Neuer ins Tor und nicht an den linken Außenpfosten gegangen wäre...

Keine rationalen Erklärungen

Aber so nah liegen die Extreme eines Tores von der Mittellinie und die Extreme einer Fünf-Tore-Ein-Mann-Dampfwalze an einem außergewöhnlichen Tag wie diesem dann zusammen.

Es ist kein Wunder, dass rationale Erklärungen für den Ablauf dieses Spiels eigentlich nicht vorhanden waren und sich die Beschreibungen in Superlativen, Lobhudeleien und ironischen Kommentaren über die zwei von Lewandowski ausgelassenen Möglichkeiten bewegten.

Was soll man auch anderes sagen über eine Leistung, die in der 52-jährigen Bundesligageschichte nur 14 Spielern gelang und das letzte Mal vor über 24 Jahren?

Und jetzt aufs Oktoberfest

Lewandowski beschrieb diesen Abend mit dem allgemein gebräuchlichen "Wahnsinn" und meinte, er habe einfach immer wieder aufs Tor geschossen und nicht weiter nachgedacht, was im Vollrausch bekanntermaßen auch gar nicht immer möglich ist.

Nach dem nächsten Spiel am Samstag in Mainz werde er die Mannschaft dann aufs Oktoberfest einladen. Viel Zeit für die von Guardiola ungeliebten Bierkrüge bleibt den Münchner aber vor einer weiteren Champions-League-Woche nicht. Den Rausch dürfen sich die Bayern weiterhin nur auf dem Platz gönnen.

Bayern - Wolfsburg: Daten zum Spiel

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