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Joker Kravets entscheidet irre Partie

Samstag, 30.01.2016 | 20:15 Uhr
Die Stuttgarter Spieler feiern den Treffer zum erlösenden 1:0
© Getty
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Der VfB Stuttgart hat den Hamburger SV am 19. Spieltag mit 2:1 (0:0) geschlagen. In einem aufregenden Match mit insgesamt 37 Torschüssen traf der eingewechselte Artem Kravets erst kurz vor Schluss zum Sieg.

45.000 Zuschauer in der Mercedes-Benz-Arena sahen eine ereignisreiche erste Halbzeit, in der der VfB Stuttgart eine Reihe bester Torgelegenheiten liegen ließ.

Nachdem die Schwaben auch im zweiten Durchgang an ihrer Chancenverwertung und Rene Adler zu verzweifeln drohten, traf Aaron Hunt zum erlösenden 1:0 (66.) in das eigene Tor.

Als Stuttgart auf den zweiten Treffer drängte, kam der HSV durch den eingewechselten Artjoms Rudnevs zum überraschenden Ausgleich (75.). Rudnevs traf letztmals am 23. November 2014 gegen Werder Bremen.

Den Schlusspunkt setzte dann der ebenfalls eingewechselte Neuzugang Artem Kravets mit seinem Treffer zum 2:1 in der 88. Minute.

Die Stuttgarter feiern ihren dritten Sieg in Folge und holten damit in den sechs BL-Spielen unter Jürgen Kramny mehr Punkte (11) als in den 13 Partien unter Vorgänger Alexander Zorniger (10). Ganz anders der HSV: Aus den letzten fünf Partien sprang nur ein Punkt gegen den VfL Wolfsburg heraus.

Außerdem setzt sich der VfB durch den Sieg etwas von den Abstiegsrängen ab, der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nun zwei Punkte. Hamburg muss sich hingegen nach unten orientieren. Nach zwei Niederlagen zu Beginn der Rückrunde ist der VfB nur noch einen Zähler entfernt.

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Die Reaktionen:

Jürgen Kramny (Trainer VfB Stuttgart): "Wir haben es in die richtige Richtung gedreht, auch durch die Wechsel. Wir haben gegen jede Mannschaft eine Chance, das Spiel zu gewinnen. Wir bleiben dran. Aber wir müssen uns zunächst hinten raus befreien."

Bruno Labbadia (Trainer Hamburger SV): "Es war kein unverdienter Sieg von Stuttgart. Wir haben Stuttgart zu oft eingeladen, daran müssen wir arbeiten. Wir kennen unsere Situation, Angst spielt keine Rolle."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Änderungen in den Anfangsformationen der beiden Trainer sucht man vergeblich. Kramny setzt auf die Elf, die am vergangenen Wochenende 3:1 in Köln gewann, Labbadia vertraut der Mannschaft aus dem 1:2 gegen den FC Bayern.

Werner ist im Alter von 19 Jahren, 10 Monaten und 24 Tagen der jüngste Spieler aller Zeiten, der die 80 Bundesligaspiele-Marke knackt. Damit lässt er Draxler hinter sich, der bei seinem 80. Einsatz im Oberhaus 19 Jahre, 11 Monate und 25 Tage alt war. Großkreutz feiert sein Heim-Debüt im Trikot des VfB.

3.: Nach Pass von Gentner kann Didavi den Ball von links hereingeben. Die Kugel rutscht zum zweiten Pfosten durch, wo Gentner aus sehr spitzem Winkel ins leere Tor einschieben will, der Versuch verkommt aber zu einem Rückpass.

18.: Didavi erreicht erneut einen eher zufällig in seine Richtung geschlagenen Ball und legt schön für Gentner auf. Der Kapitän taucht frei vor Adler auf, doch wieder wird der Winkel spitz. Der Schuss geht knapp am langen Pfosten vorbei.

37.: Erste gute HSV-Chance! Schwaab unterschätzt einen langen Pass von Ostrzolek, sodass Lasogga den Ball erreicht. Tyton steht zu weit vor seinem Kasten, Lasogga lupft technisch gut, sein Versuch landet aber auf dem Tornetz.

38.: Rupp zieht in Richtung Strafraum und setzt rechts von ihm Werner, der nicht im Abseits steht, in Szene. Der Youngster zieht ab, sein Schuss rauscht haarscharf am langen Pfosten vorbei.

47.: Sofort die nächste Riesenchance für die Schwaben. Werner taucht nach Vorarbeit von Rupp frei vor Adler auf, kann den Keeper aber nicht überwinden.

48.: Ein Kostic-Schuss wird zu einer Hereingabe, die zu Großkreutz durchrutscht. Aus kurzer Distanz schießt der Verteidiger aber einen Mann auf der Linie an. Den Nachschuss von Rupp pariert Adler. Unglaublich.

64.: Freistoß Didavi, 24 Meter halbrechte Position. Der Zehner bringt den Ball mit viel Schnitt zum Tor, Adler muss lange warten und rettet dann klasse mit dem Fuß.

66., 1:0, Hunt (ET): Und jetzt doch! Didavi köpft eine Kostic-Ecke auf den langen Pfosten. Dort will Hunt das Leder noch von der Linie kratzen, trifft aber erst seinen eigenen Keeper und eiert den Ball dann über die Linie.

75., 1:1, Rudnevs: Ostrzolek wird von Großkreutz auf links nicht richtig angegriffen und schlägt den Ball ins Zentrum. Dort erreicht Rudnevs die Kugel vor Niedermeier und bringt sie per Flugkopfball im Kasten unter.

80.: Niedermeier bekommt eine Rudnevs-Hereingabe nicht entschärft, Ilicevic schließt frei vor Tyton ab und der Pole wehrt die Kugel neben das Tor ab.

82.: Ostrzolek flankt von links in die Mitte, wo Lasogga den Ball annehmen, sich drehen und abschließen kann. Das Leder rauscht um Haaresbreite am rechten Pfosten vorbei.

88., 2:1, Kravets: Der gerade eingewechselte Maxim kommt über rechts und findet mit einer perfekten Flanke den anderen Joker, Kravets, der die Kugel mit einem wuchtigen Kopfball in die Maschen köpft.

Fazit: Dank Kravets rauscht der VfB nur haarscharf an einer mittelschweren Blamage vorbei. Die desolate Chancenverwertung wäre Stuttgart fast zum Verhängnis geworden. So ein mehr als verdienter Sieg.

Der Star des Spiels: Daniel Didavi. Ständiger Antreiber und an fast jeder Offensiv-Aktion Stuttgarts beteiligt. Gab die meisten Torschüsse aller Feldspieler ab, zwang Adler mehrfach zu guten Paraden und erzwang die längst fällige Führung.

Der Flop des Spiels: Timo Werner. Hatte zum Zeitpunkt seiner Auswechslung die wenigsten Ballaktionen aller Feldspieler und verlor fast 77 Prozent seiner Zweikämpfe. Vor allem aber sein Umgang mit Großchancen war grob fahrlässig. Hätte mindestens zwei Tore erzielen müssen, scheiterte mehrfach kläglich. In der laufenden Saison verwertete Werner nur vier seiner 15 Großchancen.

Der Schiedsrichter: Günter Perl. Unauffällige, fehlerfreie Leistung. Richtig, in der 56. Minute nicht auf Elfmeter zu entscheiden, nachdem Schwaab den Ball vermeintlich mit dem Oberarm spielte.

Das fiel auf:

  • Stuttgart agierte im gewohnt defensiven 4-2-3-1, Gentner pendelte dabei immer wieder zwischen den Linien. Der Ballvortrag des HSV wurde erst ab der Mittellinie energisch attackiert, gleichzeitig stand die eigene Viererkette sehr hoch, wodurch der VfB im Zentrum immer Überzahl hatte und den Gästen überhaupt keine Räume bot.
  • Obwohl die Hamburger auf die erwartete Grundausrichtung des Gegners vorbereitet waren, ließen sie sich das Spiel der Schwaben aufzwängen. Hamburg schob teils fahrlässig hinten raus, stand dann in der Rückwärtsbewegung zu oft Eins-gegen-eins und konnte die schnellen VfB-Angreifer nicht mehr halten.
  • Dazu unterliefen den Gästen viel zu viele leichtfertige Ballverluste, die Stuttgart zum Kontern einluden. Auch die zweiten Bälle landeten regelmäßig beim Gegner. Einzig die katastrophale Chancenverwertung Stuttgarts verhinderte einen Rückstand zur Pause.
  • Nach der Pause wurde die Abschluss-Schwäche des VfB fast schon zum Running Gag. Zwischen der 46. und 48. Minute verpasste Stuttgart gleich drei Hundertprozentige und hielt den HSV so weiter im Spiel.
  • Als Hunt den Bann durch sein Eigentor endlich brach, drückte Stuttgart auf den entscheidenden Treffer, wurde dann aber vom nun deutlich aktiveren HSV übertölpelt. Rudnevs brachte aus dem Nichts das Remis, Lasogga und Ilicevic sogar fast den Rückstand. Während der Schluss-Viertelstunde gab es so fast im Minutentakt Chancen auf beiden Seiten.

Stuttgart - Hamburg: Die Statistik zum Spiel

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