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Russ-Patzer erschwert Ligaverbleib

Donnerstag, 19.05.2016 | 22:17 Uhr
Marco Russ (r.) unterlief beim 0:1 ein Eigentor
© getty
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Eintracht Frankfurt ist im Relegations-Hinspiel zur Bundesliga gegen den 1. FC Nürnberg nicht über ein 1:1 (0:1) hinausgekommen. Marco Russ war der tragische Held aus Sicht der Hessen.

Vor 51.500 Zuschauern in der ausverkauften Commerzbank-Arena brachte Marco Russ den Club in der 43. Minute durch ein Eigentor in Führung - ausgerechnet Russ, der nur einen Tag nach der Feststellung seiner schweren Tumor-Erkrankung in der Startelf stand.

Damit traf Nürnberg in den letzten 17 Pflichtspielen immer. Zuvor hätte der Eintracht ein Elfmeter zugesprochen werden müssen.

Nach der Pause erzielte Mijat Gacinovic den Ausgleich (65.). Russ sah seine zehnte Gelbe Karte der Saison und wird am Montag im Rückspiel (20.30 Uhr im LIVETICKER) in Nürnberg fehlen, wo die Eintracht auf jeden Fall ein Tor benötigt. Alex Meier kam erstmals seit dem 0:0 gegen Schalke am 23. Spieltag wieder zu einem Einsatz.

Die Reaktionen:

Niko Kovac (Trainer Frankfurt): "Wir waren dominant, konnten aber nichts daraus erzielen. Dann kam die 43. Minute. Das Ergebnis lässt für uns alles offen. Ich erwarte in Nürnberg einen Kampf bis zur letzten Minute."

Rene Weiler (Trainer Nürnberg): "Die Mannschaft hat heute sehr gut verteidigt und wenig zugelassen. Das 1:1 ist sicher ein gutes Resultat. Fürs Rückspiel bleibt aber alles offen."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Kovac nimmt im Vergleich zum 0:1 in Bremen vier Änderungen in seiner Startelf vor: Huszti, Meier, Gacinovic und Chandler spielen für Regäsel, Ignjoski, Ben-Hatira (alle Bank) und Djakpa (nicht im Kader).

Club-Trainer Weiler verändert seine Anfangsformation gegenüber dem Saisonfinale in Paderborn (1:0) ebenfalls auf vier Positionen: Margreitter, Kerk, Burgstaller und der zuletzt gelbgesperrte Behrens dürfen von Beginn an ran. Für Hovland, Möhwald, Gislason und Blum bleibt nur die Bank.

7.: Chandler bekommt die Kugel auf rechts neben dem Strafraum und chippt den Ball zu Aigner links im Strafraum. Der zieht sofort ab, aber Schäfer hat die Ecke zu - Eckball.

32.: Oczipka zieht mit Ball in den Strafraum und macht vor Margreitter einen Haken. Der Nürnberger trifft Frankfurts Außenverteidiger am Fuß, der geht zu Boden - eigentlich ein klarer Elfmeter. Siebert lässt weiterlaufen.

43., 0:1, Russ (ET): Kerk bringt einen Freistoß aus dem rechten Halbraum an den Fünfmeter-Raum, wo Russ von Mitspieler Hasebe bedrängt wird. Der Innenverteidiger will klären, drückt den Ball aber ins eigene Netz.

65., 1:1, Gacinovic: Huszti spielt den langen Ball auf den rechten Flügel zu Chandler. Der zieht in die Mitte und schließt ab. Sein missglückter Abschluss landet bei Gacinovic, der sich gegen Brecko etwas glücklich, aber viel zu einfach durchsetzt. Aus acht Metern stochert er den Ball ins Tor.

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77.: Nach einer Ecke kommt Gacinovic am langen Pfosten wieder frei zum Kopfball, weil er Brecko entwischt ist. Er drückt die Kugel aufs Tor - Schäfer hält den Ball.

Fazit: Glücklicher, aber enorm wichtiges Remis für Nürnberg. Die Eintracht hatte etwas Pech mit den Schiedsrichter-Entscheidungen und war in den entscheidenden Momenten zu ungenau.

Der Star des Spiels: Mijat Gacinovic. Rettete Frankfurt immerhin das Unentschieden für das Rückspiel - weil er sich ständig aufrieb, immer den Weg zum Tor suchte und die zweitmeisten Zweikämpfe (22) führte. Hätte sogar den Siegtreffer erzielen können. Auch stark: Oczipka.

Der Flop des Spiels: Alex Meier. War die große Hoffnung im Frankfurter Spiel, enttäuschte aber auf ganzer Linie. Wurde mit nur 17 Ballaktionen ausgewechselt, weil er überhaupt nicht auffiel und sich nicht ins Spiel einbrachte - was fast gar nicht möglich war, weil die Eintracht ausschließlich offensiv spielte.

Der Schiedsrichter: Daniel Siebert. Leistete sich gleich zu Beginn die eine oder andere gröbere Unsicherheit. Auch der Zweikampf zwischen Margreitter und Oczipka hätte zum Elfmeter für Frankfurt führen müssen (32.). Füllkrüg hätte sich nach seinem Zerren an Abrahams Trikot ebenfalls nicht beschweren dürfen, wenn Siebert (der wieder eine gute Sicht auf die Szene hatte) auf den Punkt gezeigt hätte. Insgesamt sehr schwammige Leistung des Unparteiischen.

Das fiel auf:

  • Von Verunsicherung war bei der Eintracht nach dem verpassten direkten Klassenerhalt zunächst gar nichts zu spüren. Kovacs Mannschaft rannte in hohem Tempo nach vorne. Speziell über die Außen Gacinovic und Aigner beziehungsweise die nachrückenden Oczipka und Chandler versuchte Frankfurt, die Ketten vom Club (der aus einer 4-4-2-Grundordnung heraus agierte) auseinanderzuziehen und damit Räume zu schaffen.
  • Auffällig war in der Anfangsphase auch die Frankfurter Wucht aus den Halbräumen. Gerade nach Flanken oder Ecken kamen Abraham, Meier und Co. immer wieder besser in die Zweikämpfe und per Kopf zum Abschluss.

  • Die Eintracht kontrollierte das Spiel zumeist geduldig im defensiven Zentrum, wobei die Abwehr-Viererkette bis zur Mittellinie aufrückte. Dort spielten sich die Gastgeber den Gegner zurecht und erkannten dann häufig sehr gute Möglichkeiten, das Tempo nach vorne zu verschärfen. Dann überbrückten Russ oder der sich immer wieder fallenlassende Hasebe Nürnbergs Mittelfeldreihe mit hohen Bällen auf die Außen, von wo aus der Weg zum Tor forciert wurde.
  • Nürnberg kam fast gar nicht aus der eigenen Hälfte. Bezeichnend, dass der Club ohne eigene Ballaktion im Frankfurter Strafraum in Führung ging. Das, was die Gäste nach vorne machten, hatte wenig Konzept, da sie prioritär darauf bedacht waren, sich durch Befreiungsschläge Luft zu verschaffen. Das spielte der Eintracht in ihrem Offensiv-Pressing deutlich in die Karten.
  • Das änderte sich nach der Pause nur wenig - begünstigt durch Frankfurts noch größeren Offensivdrang und das erhöhte Risiko. Dadurch bekamen die Gäste mehr Umschaltsituationen, die sie aber nur selten nach vorne ausspielten. Es zeigte sich aber deutlich, dass Frankfurt den Franken in Sachen Spielanlage und individuelle Qualität deutlich überlegen ist.

Frankfurt - Nürnberg: Die Statistik zum Spiel

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