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SCP schenkt Schalke Dreier

Von Benedikt Treuer
Samstag, 16.05.2015 | 17:18 Uhr
Jefferson Farfan war noch einer der engagiertesten Schalker
© Getty
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Der FC Schalke 04 hat sein Heimspiel am 33. Spieltag der Bundesliga gegen den SC Paderborn mit 1:0 (0:0) gewonnen. Das Tor des Tages erzielte ausgerechnet Paderborns Uwe Hünemeier ins eigene Tor (89.).

Vor 61.973 Zuschauern in der Veltins-Arena hatte Moritz Stoppelkamp in einer starken ersten Halbzeit des SC Paderborn die größte Möglichkeit, als er den Ball frei stehend über das Tor drosch (43.). Die Schalker Nordkurve protestierte gegen die jüngsten Leistungen des Teams, indem die Fans die gesamten ersten 45 Minuten schwiegen. Dazu gab es immer wieder höhnischen Applaus.

Nach der Pause hatte Paderborn weiterhin die besseren Chancen. Am Ende traf ausgerechnet SCP-Kapitän Uwe Hünemeier zum 1:0 für Schalke ins eigene Netz (89.). Daniel Brückner (Paderborn) sah seine fünfte Gelbe Karte der Saison und wird somit am letzten Spieltag gegen Stuttgart fehlen. Benedikt Höwedes musste verletzt ausgewechselt werden.

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Während Schalke damit zumindest die Qualifikation zur Europa League sicher hat, rutscht der SCP auf den letzten Tabellenplatz ab und hat nur noch mit einem Heimsieg gegen Stuttgart eine Chance auf den Klassenverbleib.

Eine schlechte Nachricht folgte für die Knappen nach dem Spiel: Weltmeister Benedikt Höwedes zog sich eine Sprunggelenkverletzung zu. Der Abwehrspiele wurde zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. "Die Syndesmose scheint in Mitleidenschaft gezogen zu sein", sagte Sportvorstand Horst Heldt.

Die Reaktionen:

Roberto Di Matteo (Trainer Schalke): "Wir haben ein schwieriges Umfeld vorgefunden. Das hat uns ein bisschen bedrückt. Wir waren sehr verkrampft und haben nicht viele Spielzüge zusammengebracht. In der zweiten Halbzeit war es deutlich besser. Am Ende hatten wir Glück, dass wir das Spiel gewonnen haben."

Andre Breitenreiter (Trainer Paderborn): "Wir waren dominant, spielfreudig, mutig und haben zahlreiche Chancen herausgespielt, aber leider nicht genutzt. Die Enttäuschung ist groß, wir hätten klarer Sieger sein müssen. Wir haben noch ein Heimspiel. Mit einem Sieg wollen wir es möglich machen, die Relegation noch zu erreichen."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Nach der 0:2-Pleite in Köln rappelte es auf Schalke gewaltig. Boateng und Sam wurden freigestellt, Höger vorübergehend aus dem Kader suspendiert. Entsprechend stellt Robert Di Matteo um: Für Höger rutscht Matip wieder in die Abwehr-Viererkette, Meyer übernimmt Boatengs Part hinter den Spitzen. Doch damit nicht genug: Auch Goretzka, Draxler, Sane und Neustädter sitzen diesmal nur auf der Bank. Mit Farfan, Huntelaar (Rückkehr nach Gelbsperre), Kolasinac und Kirchhoff bekommt das Mittelfeld einen komplett neuen Anstrich verpasst.

Auch Andre Breitenreiter nimmt gegenüber dem 1:3 gegen Wolfsburg Veränderungen vor. Strohdiek ersetzt in der Innenverteidigung wieder Rafa Lopez, Koc und Lakic laufen zudem anstelle von Kachunga und Vucinovic auf.

7.: Stoppelkamp setzt sich auf dem linken Flügel gegen Höwedes durch, zieht in die Mitte und hält aus 20 Metern einfach mal drauf. Fährmann muss sich beim Schuss auf das lange Eck gewaltig strecken, um noch an den Ball zu kommen.

16.: Huntelaar setzt sich auf rechts gegen zwei Mann durch und spielt den kurzen Pass zu Meyer. Der sieht den links startenden Choupo-Moting und chippt stark in den Strafraum. Choupo-Moting kommt halblinks an den Ball, läuft auf Kruse zu, trifft aus spitzem Winkel aber nur das Außennetz.

30.: Vrancic treibt den Ball durchs Mittelfeld und steckt zu Rupp durch, der aus gut 18 Metern abschließen kann. Matip fälscht den Ball leicht ab, die Kugel senkt sich ganz knapp neben den linken Pfosten. Fährmann wäre machtlos gewesen. Knapp!

32.: Die Riesenchance für Paderborn! Nach einem Eckball von der linken Seite kommt Bakolorz in der Mitte herangeflogen. Per Flugkopfball bringt er den Ball aus sechs Metern aber zu zentral auf das Tor, sodass Fährmann irgendwie noch das Leder zur linken Seite abwehrt!

43.: Größer wird die Chance kaum werden! Paderborn kontert und steht nur noch vor der Schalker Viererkette. Fährmann kann den Ball beim Rauslaufen nicht festmachen. Rupp bekommt den Ball am Sechzehner, sieht sich dem leeren Tor gegenüber. Er legt quer auf Stoppelkamp, der gegen Matip und Nastasic auf der Linie aber zu hohes Risiko geht und den Ball rechts über das Tor drischt.

55.: Bitter für Schalker! Der Capitano muss raus: Paderborns Brückner geht Höwedes bei einer Klärungsaktion von hinten unnötig hart an, sodass dieser raus muss. Barnetta kommt.

79.: Glanztat von Fährmann! Eine Paderborner Ecke von links landet über Umwege 20 Meter zentral vor dem Tor bei Kachunga. Der U21-Nationalspieler fackelt nicht lange, lässt seinen Gegenspieler stehen und schießt per Dropkick auf die rechte untere Ecke. Fährmann reagiert überragend.

89., 1:0, Hünemeier (ET): Unfassbar! Schalke schlägt doch noch zu. Barnetta schlägt aus dem Mittelfeld einen langen Ball in den Paderborner Strafraum, wo nach einem Eckball nach wie vor alle Mann versammelt sind. Huntelaar geht ins Duell mit Hünemeier , der den Ball aus sieben Metern unhaltbar mit dem Hinterkopf ins linke untere Eck verlängert.

Fazit: Unglücklicher hätte es für Paderborn nicht laufen können. Die Gäste dominierten über weite Strecken und hatten riesige Chancen auf die Führung - dass Hünemeier ins eigene Tor traf, war für Schalke sehr glücklich. Paderborn hätte mindestens einen Punkt verdient gehabt.

Der Star des Spiels: Julian Draxler. Mit seiner Hereinnahme kam wenigstens etwas Schwung ins Schalker Spiel. Gewann immerhin fast 60 Prozent seiner Zweikämpfe und strahlte viel mehr Präsenz aus als Choupo-Moting und Kirchhoff zusammen. Glänzte dazu mit zwei guten Vorbereitungen. Beim SCP stark: Stoppelkamp und Vrancic.

Der Flop des Spiels: Jan Kirchhoff. Gebrauchter Tag für die Bayern-Leihe. Kirchhoff gewann nicht einmal jeden dritten Zweikampf und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Schalke in der ersten Halbzeit gegen den Ball teilweise vogelwild umherlief. Bekam das Zentrum mit Aogo überhaupt nicht verdichtet. Wurde zur Pause ausgewechselt.

Der Schiedsrichter: Bastian Dankert. Hatte einen verhältnismäßig dankbaren Nachmittag, was vor allem dem vermeintlichen Schalker Entschluss geschuldet war, Zweikämpfe wenn möglich zu meiden. Erst nach der Pause wurde es etwas ruppiger. Die Gelben Karten gegen Brückner und Farfan waren aber nachvollziehbar.

Das fiel auf:

  • Paderborn wurde seiner vermeintlichen Außenseiter-Rolle in der Anfangsphase nicht annähernd gerecht: Breitenreiters Elf schob früh raus und stellte die Schalker Räume zu. Auch im eigenen Ballbesitz wirkte der SCP selbstsicher und bestimmend. Selbst in der Zeit, in der Lakic verletzungsbedingt behandelt werden musste, kontrollierten die Gäste Ball und Gegner.
  • Trotz sechs Umstellungen in der Anfangsformation unterschied sich der Schalker Esprit nicht von dem der Vorwoche. Das Team wirkte im ersten Durchgang verunsichert, was durch den schweigenden und pfeifenden Unmut der Fans verstärkt wurde. Immer wieder zögerten die Gastgeber beim Rausschieben und vor schnellem Umschalten. Es wirkte, als wollte man um jeden Preis eigene Fehler vermeiden - was zu Lasten der Angriffsbemühungen fiel.
  • Paderborn überraschte in der ersten Hälfte in allen Belangen. Sowohl das schnelle Kontern über Stoppelkamp und Koc, als auch der ruhige Ballbesitz mit geordnetem Aufbau über Bakalorz und Vrancic lief gut an. Schalke bekam indes nur selten Druck auf die ballführenden Spieler, was auch der großen Laufleistung der Gäste geschuldet war.
  • Schalkes Motivation war zwar zu erkennen, jedoch wussten die Spieler diese überhaupt nicht einzusetzen: Paderborn drückte zeitweise gewaltig, die Knappen rannten nur hinterher und suchten selten die Zweikämpfe. Die Abstimmung im Defensivverhalten passte nur selten. Rückte ein Verteidiger aus der Viererkette auf den angreifenden SCP-Stürmer, verpasste es der Rest des Defensiv-Verbunds mehrfach, abzukippen und den Rückraum zu verdichten. Genau diese Räume fanden die Gäste dann häufig.
  • Schon in der ersten Halbzeit drückte sich Paderborns Überlegenheit auch in Zahlen aus: 14:6 Torschüsse und 5:3 Ecken standen für die Gäste zu Buche. Di Matteo brachte daraufhin Draxler und Goretzka für Kirchhoff und Choupo-Moting. Deren Hereinnahme tat dem Schalker Spiel gut: Mehr Ruhe am Ball und mehr Kreativität und Tempo nach vorne sorgten dafür, dass der SCP nach der Pause nicht mehr so gewähren durfte wie im ersten Durchgang.
  • Das Tempo flachte nach der Pause komplett ab. Beide Teams standen besser gegen den Ball, gingen aber auch kaum mehr Risiko. Während dem SCP die Kräfte ausgingen, fiel Schalke nach vorne weiterhin nichts ein.

Schalke - Paderborn: Die Statistik zum Spiel

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