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Der VfB nach dem Mainz-Sieg

Mit Fliegen gegen das Murmeltier

Samstag, 09.05.2015 | 23:13 Uhr
Filip Kostic (l.) erzielte in der 80. Minute das erlösende 2:0
© Getty
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Dem VfB Stuttgart gelingt mit dem 2:0 gegen Mainz ein überlebenswichtiger Dreier im Abstiegskampf - und das souverän wie selten in dieser Saison. Zwei Rückkehrer und die starken Flügel machen Hoffnung, dennoch täuscht das Ergebnis über einen Fakt hinweg.

Als der VfB Stuttgart in der 66. Minute im so richtungsweisenden Spiel gegen Mainz die Führung erzielte, war Erleichterung auf der Tribüne zu spüren. Erleichterung - Punkt. Keine Felsbrocken waren zu hören, erst recht keine Felsketten. Das wäre in anderen Stadion vermutlich anders. Ein Führungstreffer in einer derart späten Phase des Spiels hätte hier und da ekstatische Zustände ausgelöst. Nicht so im Schwabenland.

Denn dort sind die Fans bei derartigen Führungen vorsichtig geworden. Zu oft gab's beim VfB das immer gleiche Szenario. Im letzten Spiel gegen Schalke. Im vorletzten Spiel gegen Freiburg. Und in unzähligen Partien in der zurückliegenden Saison. Immer wieder grüßte das Murmeltier. Mit einer komfortablen Führung kuschelten sich die Schwaben in die Endphase des Spiels und zitterten dann plötzlich ohne Grund.

Der immer gleiche Ablauf schien sich vor allem in der letzten Saison in den Kopf gebrannt zu haben, sodass die Spieler trotz der Führung gar selbst nicht an einen Sieg glaubten. Oft gaben individuelle Fehler den Ausschlag, hin und wieder auch kollektives Versagen. Meist half es auch nicht, dass der VfB das komplette Spiel zuvor dominiert hatte.

Taktischer Kniff von Stevens

Gegen Mainz lief vieles ähnlich. Wieder führten die Stuttgarter. Wieder hatten sie bis weit in die Schlussphase das Heft in der Hand. Wieder ließen sie kaum Chancen zu. Doch das späte Gegentor blieb aus, da die Defensive eine selten gesehene Souveränität an den Tag legte.

"Heute haben wir es endlich geschafft, den Sack zuzumachen. Es war wichtig, dass wir Druck auf die Mannschaften vor uns ausüben. Wir haben es nach wie vor in der eigenen Hand", sagte Kapitän Christian Gentner nach der Partie.

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Die Schwaben gingen etwas ungewohnt mit Serey Die als einzigem Sechser in die Partie. Stevens zog Gentner weiter nach vorne und wollte mit einem auf den ersten Blick offensiveren 4-1-4-1 das Spiel der Mainzer zerstören. Der Plan ging auf. Didavi und Gentner attackierten Geis und Baumgartlinger im Mittelfeld früh und unterbanden so das Aufbauspiel der Mainzer erfolgreich.

Schaffte es Mainz dennoch, die offensive Viererreihe zu durchbrechen, räumte Serey Die dahinter meist alles weg. So kam es, dass das der VfB über 57 Prozent der Zweikämpfe für sich entschied. Eine Statistik, in der die Schwaben in dieser Saison ligaweit auf dem vorletzten Platz liegen. Echte Mainzer Torchancen gab es nicht.

Fünf Heimspiele ohne Niederlage

"Wir haben in letzter Zeit so viele Spiele einfach hergeschenkt. Deshalb war das heute umso wichtiger. Aber wir sind noch nicht am Ziel. In der nächsten Woche gibt es hier Abstiegskampf pur. Wir wollen genau so auftreten wie heute", so Keeper Sven Ulreich, der die Leistung der Defensive unterstrich: "Es war der Schlüssel zum Sieg, dass wir heute kein Tor kassiert haben".

Dass bei den Schwaben hinten die Null stand, ist Balsam auf die geschundene Seele. So gab es in den letzten sieben Spielen fast 2,5 Gegentore im Schnitt. Auch die enorme Heimschwäche scheint man in den Griff bekommen zu haben.

Didavi erweckt Hoffnung

Zwar liegen die Stuttgarter in der Heimtabelle weiter auf dem letzten Platz, doch in den letzten fünf Spielen gab's zu Hause elf Punkte und keine Niederlage. Dass am nächsten Spieltag der ebenfalls abstiegsbedrohte HSV ins Schwabenland reisen muss, ist für den VfB wie gemalt.

Während in der Defensive die Rückkehr von Rüdiger für Stabilität sorgte, hat Stevens mit Daniel Didavi vorne nun ein altbekanntes Spielzeug zurück. Bereits in der letzten Saison kehrte der 25-Jährige nach langer Verletzungspause in der Endphase der Saison zum Team und trug mit seiner technischen Finesse zum Klassenerhalt bei.

Auch im Endspurt der aktuellen Runde könnte Didavi zu einem wichtigen Spieler werden. Der gebürtige Schwabe, der seit dem sechsten Spieltag keine Partie mehr über 90 Minuten bestritt, bringt eine ungewohnte Flexibilität ins Stuttgarter Offensivspiel.

Flügelspiel als Trumpf

In der Zentrale zieht er immer wieder mehrere Spieler auf sich und verschafft den beiden Außen Harnik und Kostic somit Freiräume. Vor allem Letzterer kostete dies gegen Mainz erneut aus. Der Serbe, der seit Wochen in Topform ist, ging ein ums andere Mal außen durch und schlug insgesamt 16 (!) Flanken in die Mitte.

Weit weg sind inzwischen die Stuttgarter Spiele, in denen mit Hlousek und Klein zwei Außenverteidiger auf den offensiven Flügelpositionen spielten und eigentlich keine Gefahr ausstrahlten. Beim VfB brennen die Flügel wieder.

Der wichtige Dreier legt jedoch den Deckmantel über die Entstehung. Zwar war der VfB über außen meist brandgefährlich, mit den Chancen ging Stuttgart jedoch weiterhin fahrlässig um. Zahlreiche Hochkaräter wurden erneut vergeben. Bezeichnend, dass das 1:0 der Schwaben nach einem schweren Torwartfehler von Loris Karius entstand.

Ungewohnte Souveränität

Zudem fiel das Tor in einer Phase, in der Mainz es gerade geschafft hatte, dem VfB etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen. Nach der Systemumstellung auf ein 4-4-2, in dem Didavi eng in die Mangel genommen wurde, lief bei den Stuttgartern nicht mehr viel zusammen.

Auch beim zweiten Tor hätte das Timing der Schwaben kaum besser sein können. Just in jener Zeit, in der der VfB chronisch zu schwimmen begann, schlug es zum zweiten Mal im Mainzer Gehäuse ein. Im Anschluss spielte man die Partie mit einer selten gesehenen Souveränität nach Hause.

Auch Martin Harnik war nach der Partie die Erleichterung förmlich anzumerken. Am Mikrofon bei Sky sprach er über die Bedeutung des Sieges, konnte sich jedoch einen Seitenhieb in Richtung des Trainers nicht verkneifen.

"Der Trainer ging mir die ganze Zeit auf den Sack und hat mich gefragt, ob es noch geht. Dann habe ich siebenmal gesagt, dass es noch geht", so Harnik, der auch eine ganz neue Erklärung für die neue Souveränität der Stuttgarter im letzten Spielabschnitt fand: "Das Einzige womit ich heute Probleme hatte, das waren die Fliegen. Ich glaube, dass ich sieben Fliegen verschluckt habe. Das war am Ende nochmal ein Eiweißschub."

Stuttgart - Mainz: Daten zum Spiel

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