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Samstag, 07.12.2013 | 22:15 Uhr
Franck Ribery war der überragende Bayern-Spieler in Bremen
© Getty
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Selbst der zweitbeste Klub der Bundesliga-Geschichte ist inzwischen Lichtjahre entfernt vom FC Bayern. Das 7:0 bei Werder Bremen war die nächste Machtdemonstration der Münchener und das in einer Phase, die nicht unproblematisch ist. Von diesen Problemen kann Bremen dagegen wohl nur träumen.

Es ist, wie es immer ist. Die Mannschaften betreten den Rasen, Ersatzspieler und Trainer folgen dahinter und bevor sich die Übungsleiter zu ihrer Bank begeben, reichen sie sich die Hand, um dem Gegenüber "Alles Gute" zu wünschen. Und so war es auch an diesem Bundesliga-Samstag.

Fraglich ist nur, ob es Robin Dutt dabei nicht etwas mulmig wurde? Ob er sich in diesen Augenblicken an 2012 erinnert hat? An Februar 2012, als er mit Bayer Leverkusen gegen den FC Barcelona mit 1:3 verloren hatte. An März 2012, als das Ergebnis im Camp Nou gar 1:7 lautete und eine der größten Demontagen einer deutschen Mannschaft im Europapokal zu Stande kam.

Denn des Gegners Trainer hieß damals Josep Guardiola, den Dutt nun am Samstag erneut die Hand reichte und ihm alles Gute wünschte. Sollten diesmal keine bösen Erinnerungen aufgekommen sein, keine Sorge, das nächste Mal sind sie ihm garantiert. Denn um 17.20 Uhr korrigierte sich Dutts persönliche Bilanz gegen Guardiola auf nunmehr drei Spiele, drei Niederlagen und 2:17 Tore.

Böse Erinnerungen für Dutt

Beim 0:7 im Weser-Stadion wirkte seine Mannschaft dabei eine Spur hilfloser als Leverkusen damals in zwei Champions-League-Duellen im Achtelfinale.

"Bayern hat uns weggehauen. Wir haben heute schön auf die Fresse bekommen", fasste Clemens Fritz treffend zusammen. Es war Bremens höchste Niederlage in der Bundesliga-Geschichte, 0:7 verlor man 1964 auch in Frankfurt und 1980 in München.

Dabei war man mal zwischendurch auf Augenhöhe, und das vor gar nicht allzu langer Zeit. Die Bayern kam ungern nach Bremen, weil Werder immer noch der Klub ist, der in der Bundesliga am öftesten gegen Bayern traf und gewann. Aber nicht erst seit Samstag ist der Zweite der ewigen Bundesliga-Tabelle Lichtjahre vom Spitzenreiter der ewigen Bundesliga-Tabelle entfernt.

Beinahe zweistellig

"Ich hatte heute Morgen schon ein ungutes Gefühl, als ich gehört habe, dass die Bayern vormittags noch um 11 Uhr eine Trainingseinheit angesetzt hatten", sagte Sportdirektor Thomas Eichin: "Das zeigt, dass sie das Spiel mit einer absoluten Ernsthaftigkeit angegangen sind. Die Bayern hatten eine unglaubliche Dominanz, die schon beeindruckend ist."

Von dieser Dominanz ließen sich die Bremer regelrecht erdrücken: Beim Stande von 0:3 stellte sich der Gastgeber, der sich im Vorfeld selbstbewusst gab, hinten rein, um größeren Schaden abzuwenden - doch nicht einmal das gelang. Hätten die Münchener etwas mehr Glück im Abschluss, wäre der erste zweistellige Bundesliga-Sieg seit 40 Jahren kein Akt der Unmöglichkeit gewesen.

"Es hat nach diesem Spiel keiner das Recht, davon zu sprechen, dass einer Leistung gebracht hat. Wir wissen, dass wir Bockmist veranstaltet haben", sagt Nils Petersen, der als Ex-Bayern-Spieler nach Schlusspfiff noch aufmunternde Umarmungen seiner früheren Kollegen bekam.

Dutts Pläne gehen nicht auf

Der Angreifer spielte erstmals in dieser Saison gemeinsam mit Franco di Santo, dazu gesellten sich Aaron Hunt und Eljero Elia in die Offensive. Dutt, so schien es, hat sich vor allem das Gastspiel von Hertha BSC in München als Vorbild genommen.

Jos Luhukay schickte vor wenigen Wochen ebenfalls eine offensive Truppe gegen die Bayern aufs Feld. Doch sie verstand es, richtig umzuschalten, gepflegt aufzubauen und dem Pressing der Münchener meistens zu entkommen. Bremen war anfangs zwar zweikampfstark, verlor aber gefühlt jeden zweiten Ball im Aufbau und sorgte so selbst für bayerische Torchancen.

Am Ende hatte der FC Bayern mehr Tore (sieben) als Bremen Torschüsse (sechs). Ein Armutszeugnis für Werder, das mit der Devise in die Saison startete, defensiv endlich wieder solide zu stehen, nachdem man in der Vorsaison mit 66 Gegentoren die zweitschlechteste Abwehr der Liga stellte. Nach dem 15. Spieltag hat Bremen schon wieder 34 Gegentore.

Pep hat die Ehre

Wenn man dem FC Bayern beim höchsten Sieg im 25. Mal Spiel unter Pep Guardiola etwas vorwerfen kann, dann dass es nicht noch mehr Gegentore für Werder gab. Doch für Kritik war nach diesem gelungenen Samstagnachmittag keinem zu Mute und selbst der immer wachsame Trainer war auf Harmonie getrimmt: "Ich muss meinen Spielern großen Dank sagen, sie haben ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht. Heute war es eine Ehre, hier Trainer zu sein."

Ehre, wem Ehre gebührt. Der Bayern-Trainer hat sich in keiner Phase der Saison darüber beschwert, wie viele Ausfälle zu verkraften er hatte. Und dennoch verriet er im Vorfeld des Bremen-Spiels "etwas Sorgen" um seine Truppe.

In Bremen fehlten mit Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Arjen Robben wieder drei Eckpfeiler, auf Javi Martinez und Dante verzichtete Pep gar freiwillig und dennoch flutscht es, weil der Bayern-Motor unabhängig von Personalien funktioniert.

"Egal wer spielt, spielt gut. Das ist unglaublich", lobte Uli Hoeneß. Franck Ribery spielte nach Wochen erstmals wieder von Beginn an und trat so auf, als wäre er nie weg gewesen. Zwei Tore, zwei Vorlagen und sonst viele Schandtaten, die Bremens Hintermannschaft zur Verzweiflung brachten.

Kroos wieder das Herzstück

Mit einer wuchtigen Hereingabe, die Assani Lukimya zum 50. Werder-Eigentor in der Bundesliga-Historie verwertete, fand er den Dosenöffner Danach war kein Halten mehr. "Sobald wir in Führung gehen, geht die Batterie richtig los. Man kann als Bayern-Fan und Präsident das Spiel sehr genießen", sagte Uli Hoeneß. Bayerns Batterien sind derzeit komplett aufgeladen - besonders die von Ribery.

"Franck hatte Lust und das hat man gesehen", lobte Toni Kroos, der in der ständigen Personalrochade eine der wenigen Konstanten bei den Bayern ist. Gemeinsam mit Thiago Alcantara war er wieder das Herzstück im Mittelfeld: Im ersten Durchgang vermehrt Seite an Seite, nach der Pause ließ sich Thiago etwas mehr zurückfallen um als einziger Sechser das Spiel vor sich zu haben.

Am Ende probierte Pep sogar mal, wie eine Doppelspitze funktioniert und schickte Claudio Pizarro an die Seite von Mario Mandzukic.

Alles Maßnahmen, auf die der Gegner keine Antworten hatte. Situationen, an die sich Dutt bestimmt gut erinnern kann. An Februar und März 2012.

Bremen - Bayern: Daten zum Spiel

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