Sonntag, 30.09.2012

Bundesliga - 6. Spieltag

Sidney Sam versöhnt Völler mit zwei Toren

Erst vier Punkte für die Sünderkartei in Flensburg, dann drei Zähler für Bayer Leverkusen: Am Ende von turbulenten 24 Stunden hatten alle Sidney Sam wieder ins Herz geschlossen.

Sidney Sam (M.) bejubelt seinen Doppelpack gegen Fürth
© Getty
Sidney Sam (M.) bejubelt seinen Doppelpack gegen Fürth

Musste der frühere Junioren-Nationalspieler wegen seiner Promillefahrt und den ominösen Begleiterscheinungen noch am Freitag bei der sportlichen Leitung zum Rapport antreten, war Rudi Völler nach Sams Gala-Auftritt mit beiden Toren zum 2:0 (0:0) gegen Aufsteiger SpVgg Greuther Fürth wieder positiv gestimmt. "Diese Dinge muss man trennen. Ich freue mich für ihn. Er hat einen Fehler gemacht. Den hat er zugegeben", sagte der Sportchef und zeigte sich ganz versöhnlich.

Das hatte sich einen Tag zuvor noch anders angehört. Völler soll alles andere als "amused" gewesen sein, als er vom Prozess vor dem Düsseldorfer Amtsgericht gehört hatte. Am 1. Mai 2011 war Sam in eine Verkehrskontrolle in der Düsseldorfer Altstadt geraten. Ein Alkoholwert von 0,74 Prozent Promille war festgestellt worden. Sam hatte Einspruch eingelegt, es kam zum Prozess. Am Freitag dann das Urteil im vierten Anlauf: Ein Monat Fahrverbot und eine Geldstrafe in Höhe von rund 600 Euro.

Dreimal war der Gerichtstermin verschoben worden, weil Sam seine Teilnahme abgesagt hatte. Am Freitag fehlte der Außenstürmer erneut. Sein Anwalt begründete das Fernbleiben mit einem angeblichen Geheimtraining von Bayer, auch soll eine Trainerentlassung in Leverkusen bevorstehen. Die Richterin überzeugte das nicht und fällte das Urteil.

Geldstrafe vom Verein

"Wir wollen nicht die Moralapostel spielen, aber wir hätten es gerne gehabt, dass er sich uns öffnet. Das hat er auch verstanden. Wir hätten ihm auch gerne einen gescheiten Anwalt beiseite gestellt", ergänzte Völler. Noch am Samstagmorgen hatte Teamchef Sami Hyypiä bei seinem Vorgesetzten Völler angefragt, ob es in Ordnung sei, wenn er den 24-Jährigen in den Kader aufnehme.

Schließlich werden solche Dinge in England anders gehandhabt. "Der Verein toleriert das nicht. Es wird eine Geldstrafe geben, aber die Sanktionen sollen nicht den sportlichen Bereich betreffen", erklärte Bayer-Trainer Sascha Lewandowski.

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Das Trainerduo dürfte glücklich gewesen sein, so entschieden zu haben. Die Reaktion sei richtig gut gewesen, sagte Lewandowski. Wohl wahr, denn Sam drehte nach seiner Einwechslung zur Pause richtig auf und erzielte vor 25.798 Zuschauern gleich beide Treffer. "Ich freue mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte. Ich war eine lange Zeit weg, war lange verletzt. Ich habe auf meine Chance gewartet. Jetzt ist sie gekommen und ich habe zwei Tore erzielt", sagte der überglückliche Sam, der über seine Begegnung mit der Polizei nicht sprechen wollte. "Ich gebe immer alles für den Verein. Ich konzentriere mich voll auf den Fußball."

Fast zehn Monate ohne Torerfolg

Das war Sam in der vergangenen Saison kaum vergönnt gewesen, unter anderem wegen eines Muskelbündelrisses war er nahezu die gesamte Rückrunde zum Zuschauen verurteilt. Sein letztes Tor hatte er am 2. Dezember 2011 beim 2:0 gegen 1899 Hoffenheim erzielt. Insgesamt ist er nur auf 18 Spiele und vier Tore gekommen. Das las sich ein Jahr zuvor noch ganz anders. Nach seinem Wechsel zu Bayer war Sam (30 Spiele/7 Tore) durchgestartet und hatte bereits an die Tür zur Nationalelf geklopft. Aktuell geht es für ihn erst einmal darum, wieder bei Bayer Stammspieler zu werden.

"Ich brauche noch meine Spiele, um konditionell fitter zu werden", ergänzte Sam. Einsatzzeiten wird er bekommen, denn Bayer hat aufgrund der Europa-League-Teilnahme ein volles Programm. Am Donnerstag geht es bereits zu Rosenborg Trondheim. In Norwegen soll der Aufwärtstrend auch international bestätigt werden. Denn in der Bundesliga ist Bayer wieder auf Kurs. Nach den zwei Siegen gegen den FC Augsburg (3:1) und Fürth bewegen sich die Leverkusener mit zehn Punkten wieder in den höheren Tabellenregionen.

Davon kann bei den Fürthern nicht die Rede sein. Mit vier Punkten aus sechs Spielen blieb der Neuling im Gegensatz zu den Mitaufsteigern Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf bislang hinter den eigenen Ansprüchen zurück. "Wir müssen weiter hart arbeiten und die einfachen Fehler minimieren", forderte Trainer Mike Büskens.

Leverkusen - Fürth: Daten zum Spiel


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