Sonntag, 30.09.2012

Bundesliga - 6. Spieltag

Reus macht aus "Idioten" wieder "Helden"

Als Marco Reus in der 75. Minute den Platz verließ, jubelten ihm alle 80.645 Zuschauer im prall gefüllten Fußball-Tempel von Dortmund noch einmal begeistert zu. Auch die Anhänger des Gegners. Verantwortliche, Spieler und Fans des Doublesiegers Borussia Dortmund bekamen am Samstagabend beim 5:0 (2:0) gegen Borussia Mönchengladbach von diesem 23 Jahre alten Mann vorgeführt, was sie gewonnen und die Gladbacher verloren haben könnten: Einen kommenden Weltstar.

Marco Reus (M.) spielte gegen seine alten Gladbacher Kollegen groß auf
© Getty
Marco Reus (M.) spielte gegen seine alten Gladbacher Kollegen groß auf

"Man hat gesehen, zu was der Junge fähig und was für eine Granate er ist", sagte BVB-Innenverteidiger Neven Subotic, und Nationalspieler Marcel Schmelzer ergänzte: "Er ist ein Superspieler, das wussten wir von vornherein. Auch, dass er eine super Schusstechnik hat. Wir sind so froh, dass er bei uns ist."

Es gehört zum Alltag, leichtfertig mit Superlativen um sich zu werfen. Aber was Deutschlands Fußballer des Jahres gegen seine alten Kollegen darbot, wurde von den Beteiligten beider Lager nicht zu Unrecht mit dem Prädikat "Weltklasse" versehen.

Potenzial liegt in der Defensive

Reus-Kumpel Mario Götze bekam nach seiner Gala 2011 im Länderspiel Deutschlands gegen Brasilien (3:2) von Franz Beckenbauer den Vergleich mit Lionel Messi in den Rucksack, ein bisschen was vom genialen Argentinier hatte der Auftritt von Reus auch. Am Ende einer bis dahin ernüchternden Englischen Woche für den Meister mit sechs Gegentoren in den Spielen beim Hamburger SV (2:3) und Eintracht Frankfurt (3:3) brach der gebürtige Dortmunder den Bann, als er den Ball im Mittelfeld eroberte, den strauchelnden Alvaro Dominguez umkurvte und Nationalkeeper Marc-Andre ter Stegen tunnelte (35.).

Ganz im Stil von Messi, wenn es beim FC Barcelona mal nicht so läuft. Fünf Minuten vor seinem Abgang dann schießt er aus unmöglicher Position das 3:0. "Das war ein Schuss, den niemand erwartet, außer Marco Reus selbst", sagte der begeisterte BVB-Trainer Jürgen Klopp.

Der Ausnahmefußballer bestätigte zumindest, dass er das "im Training immer geübt hat. Endlich hat es geklappt." Reus spricht leise, seine Körpersprache vermittelt Demut und Bescheidenheit. Beim Verlassen des Platzes blickt er etwas schüchtern in das Rund und applaudiert selbst, aus Respekt vor den alten Kumpels verkniff er sich Veitstänze nach den Toren.

Reus ist ein Teamplayer

Der 17,1 Millionen teure Rückkehrer, so erschien es am Samstag, kann das Dortmunder Spiel auf eine andere Ebene heben. "Er war auch ein bisschen der Unterschied", sagte Subotic, der per Kopf das 2:0 (40.) erzielte. Der bärenstarke Ilkay Gündogan (79.) und Jakub Blaszczykowski (85.) machten den Kantersieg nach dem rauschenden Abgang ihres neuen Kollegen perfekt. Jürgen Klopp ist sicher, dass Reus bald das Dortmunder Spiel "gefressen" haben und "noch besser" werde. Vor allem defensiv. Mit "Siebenmeilenstiefeln" gehe es bei ihm in die richtige Richtung. "Da hat er noch mehr Potenzial als im Offensivbereich. Man stelle sich vor, er hätte da auch so viel Raum. Das wäre beängstigend", sagte Klopp.

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Reus ist ein Teamplayer. Bei seinem neuen Verein lobt er die Kritikfähigkeit. "Das Gute an der Truppe ist, dass wir analysieren, was wir für Fehler gemacht haben. Wir haben den BVB-Fußball gespielt, den die Fans gewohnt sind", sagte er. Nun machen die Medien laut Schmelzer die Dortmunder "Idioten" wieder zu "Helden".

Tippspiel

Die hatten wie in der vergangenen Saison auch einen Hänger. Als Dritter beläuft sich der Rückstand auf die bislang perfekten Bayern auf sieben Punkte. 2011 waren es nach sechs Spielen gar acht. Der Rückstand interessiert Klopp "null. Damals sind wir nicht verrückt geworden, jetzt auch nicht", sagte er. Wie Marco Reus freut sich Klopp nun auf die Champions League, wo man am Mittwoch beim englischen Meister Manchester City gastiert. "Das gibt schon Selbstvertrauen für das Spiel", sagte Reus zum 5:0 gegen seinen alten Klub.

Bereits zwölf Gegentore für Gladbach

Beim Vorjahresvierten ist das völlig zerstört. Nur ein Sieg in sechs Saisonspielen, sechs Punkte und zwölf Gegentore - in der gesamten vergangenen Spielzeit waren es 24. 30 Millionen Euro investierte Mönchengladbach in fünf Spieler, um den Abgang von Reus aufzufangen. Es funktioniert wenig bis nichts.

"Ein, zwei Spieler denken, wir können so einfach spielen und verteidigen und dass Verteidigen keine Pflichtsache ist. Wir spielen manchmal wie Junioren", schimpfte Trainer Lucien Favre. Auf die Ursachen wollte der Schweizer nicht eingehen, das würde zu lange dauern. Mit Blick auf den Abgang von Reus sagte er aber: "Es gibt eine Verbindung."

Dortmund - Gladbach: Daten zum Spiel


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