Freiburger Gelassenheit im Abstiegskampf

SID
Sonntag, 26.02.2012 | 13:09 Uhr
Trotz Stuttgart-Klatsche, Abstiegsangst scheint SCF-Coach Christian Streich nicht zu kennen
© Getty
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Dass sich der SC Freiburg doch noch etwas abhebt von den übrigen Bundesligastandorten, war am späten Samstagnachmittag in der Mercedes-Benz-Arena wieder einmal sehr gut zu beobachten. Mit lautstarkem Applaus verabschiedeten die mitgereisten Anhänger ihre Mannschaft nach der 1:4-Niederlage im baden-württembergischen Derby beim VfB Stuttgart.

Während bei anderen Klubs in ähnlich prekären Situationen schon mal die Busse vor der Abfahrt aus dem Stadion blockiert oder die Spieler lautstark mit unflätigen Kraftausdrücken angegangen werden, entzündeten die fußballbegeisterten Freiburger bengalisches Feuer.

Der drohende Abstieg aus der Beletage des deutschen Fußballs? Der scheint beim Tabellenletzten aus Südbaden kein großes Thema zu sein.

Gegen Bayern hui, gegen Stuttgart pfui

So gut gelaunt wie ihre Fans waren die Spieler dann doch nicht nach dem fünften Spiel ohne Sieg. Erst recht nach dem viel beachteten 0:0 zu Hause gegen den FC Bayern vorige Woche fanden die Profis am Samstagabend zum Teil drastische Worte, als sie nach der Niederlage, deren Höhe niemand so recht erklären konnte, mit gesenktem Haupt durch die Katakomben schlurften.

Cedrick Makiadi stellte angesichts der vielen individuellen Fehler gar das ganze Erstligaprojekt infrage. "Wenn wir unsere Defensive nicht schnell verbessern, können wir in der Bundesliga nicht bestehen. Wir müssen uns alle hinterfragen."

Den ersten beiden Gegentoren durch Martin Harnik (12.) und Shinji Okazaki (21) gingen zwei folgenschwere Unzulänglichkeiten des Linksverteidigers Jonathan Schmid voraus. Einmal reichte eine simple Kreuzbewegung, um ihn ins Leere laufen zu lasen.

Ein anderes Mal schätzte er die Flugbahn des Abschlags von Sven Ulreich falsch ein. "Das Resultat klingt klarer als es war", sagte SC-Torhüter Oliver Baumann. Auch die Statistik stützte seine These, die ordentlich aufspielenden Freiburger hatten nicht nur 51 Prozent Ballbesitz, sondern auch noch die meisten Eckbälle.

Und gegen den wenig gefestigte VfB-Devensivverbund um Kapitän Serdar Tasci und Georg Niedermeier ist das ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil.

Freiburg verpasst Ausgleich

Denn die Stuttgarter mussten zuletzt in Hannover drei Gegentore nach solchen ruhenden Bällen hinnehmen und auch Freiburg glückte im Anschluss an eine Ecke das 1:2 durch den Kopfball von Innenverteidiger Fallou Diagne (27.).

Und kurz nach dem Seitenwechsel hatte Jan Rosenthal die Riesenchance zum 2:2, als er aus drei Metern unbedrängt nur den Pfosten traf. "Die Reaktion der Stuttgarter Zuschauer und der Mannschaft hätte ich da mal sehen wollen", haderte der Freiburger Trainer Christian Streich.

Stattdessen musste der Fußballlehrer mit ansehen, wie der wenig dominante VfB Stuttgart durch Khalid Boulahrouz (63.) und Harnik (82.) zu weiteren Treffern kam und als Tabellenachter wieder ein wenig von der Teilnahme an der Europa League träumen darf.

Abstand zu Platz 15 für Durchhalteparolen zu gering

Richtig beunruhigt wirkt der Fußballlehrer Streich angesichts des letzten Tabellenplatzes aber nicht. Der Abstand zu Platz 15 ist mit drei Punkten auch noch zu gering, um die üblichen Durchhalteparolen herauszuholen. Andererseits ist Streich auch nicht der Typ, der sich gerne der simplen Fußballersprache bedient.

Elf Spiele bleiben dem 46-Jährige noch, um den Klassenverbleib zu schaffen. Aber ist das im Breisgau auch das oberste Ziel? Oder hat der VfB-Manager Fredi Bobic recht, indem er sagt, wenn die Freiburger in die zweite Liga absteigen, "ist das eh wurscht".

Dieser Gedanke drängt sich auf, wenn man die junge und unerfahrene Mannschaft sieht, in der zum Beispiel Immanuel Höhn oder Oliver Sorg im Dezember noch in der Regionalliga kickten. Proben sie schon während des laufenden Bundesligabetriebs für den Aufbau in der zweiten Liga?

Christian Streich, der frühere A-Jugendtrainer, sagt, die Zeit spiele in Freiburg keine Rolle. "Das entscheidende ist, dass sich die Spieler weiterentwickeln." So spricht niemand, für den der Klassenverbleib eine existenzielle Frage ist.

Stuttgart - Freiburg: Daten zum Spiel

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