Fussball

Schalke siegt und verweigert sich

SID
Trotz Rückstand kam Schalke zurück und besiegte den 1. FC Köln am Ende einen Tick zu hoch
© Getty

Der fünfte Sieg in Serie wurde erkämpft, die Bilanz aus zehn Spielen auf ausgezeichnete 25 Punkte aufpoliert, doch der FC Schalke 04 verweigert die Teilnahme am Titelrennen. Nach dem 4:1 beim 1. FC Köln fuhr Trainer Huub Stevens kurzfristig aus der Haut.

"Wir lassen uns nicht einreden, dass wir Mitfavorit sind", sagte der Niederländer. "Diese Mannschaft ist in der Entwicklung." Die Gelsenkirchener blieben in der Domstadt durch eine starken Auftritt in der zweiten Halbzeit auf Titelkurs, als punktgleicher Verfolger von Rekordmeister Bayern München und Titelverteidiger Borussia Dortmund, doch Manager Horst Heldt reagierte auf das Erreichen von 40 Punkten nach 19 Spielen mit Minimalismus. "Außer dem Nichtabstieg haben wir noch nichts erreicht."

Trotz großer Personalprobleme überzeugen die Königsblauen durch Kontinuität und Stabilität. Der Ex-Stuttgarter Ciprian Marcia, vorher nur als Teilzeitarbeiter eingesetzt, durfte zum ersten Mal von Beginn an spielen und führte mit seinen zwei ersten Bundesliga-Toren für den Pokalsieger (60., 72.) die Wende herbei.

Der frühere Aachener Marco Höger, zuvor meist als Verteidiger eingesetzt, trumpfte im defensiven Mittelfeld auf und erzielte in seiner Heimatstadt Köln seinen ersten Bundesliga-Treffer (82.) überhaupt. Torjäger Klaas-Jan Huntelaar rückte mit seinem 16. Saisontor, erzielt per Foulelfmeter (78.), in der Torjägerliste dem Münchner Mario Gomez auf die Fersen. Aber Stevens brummte dennoch. "Das war ganz schlecht, wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben", sagte er.

"Das war das typische FC-Köln-Syndrom"

Nach Lukas Podolskis 15. Saisontor (4.) bot das Geißbock-Team eine überzeugende Leistung - aber nur eine Stunde lang. Am Ende flüchteten die FC-Fans wieder einmal in Scharen aus dem Stadion, weil sie die dritte Niederlage hintereinander nicht verkrafteten. "Das war das typische FC-Köln-Syndrom. Nach dem Ausgleich fallen wir auseinander und werden in alle Einzelteile zerlegt", sagte Torwart Michael Rensing, der seinen Ruf als harter Kritiker der Mannschaftskollegen bestätigte, sich aber etwas zurücknahm. "Ich explodiere nicht, ich implodiere", erklärte er in einem Interview dem TV-Sender Sky. "Ich habe schon in der Vorbereitung gesagt, dass wir eine so harte Rückrunde erleben werden wie letztes Jahr."

Da musste bis zum Schluss gegen den Abstieg gekämpft werden. Gegen Schalke folgte der endgültige Knock-out, als der eingewechselte Miso Brecko nach einem Notbremse an Julian Draxler die Rote Karte sah (78.). Besorgt sind die Rheinländer auch deswegen, weil ihre Lebensversicherung Podolski die nächsten drei bis vier Wochen ausfallen wird.

Köln muss ohne Podolski bestehen

Beim 26-Jährigen ist die alte Bänderverletzung wieder aufgebrochen. Der Stürmerstar, der seine Teilnahme am DFB-Marketingtag in München am Sonntag absagte, hatte Ende Dezember beim Kick mit Kumpels einen Teilriss des Haltebandes im linken Fuß erlitten und große Teile der Vorbereitung verpasst. Nun muss der Fuß erneut eine Woche komplett ruhig gestellt werden, danach kann Podolski mit den Reha-Maßnahmen beginnen.

Auch ohne die ständigen Debatten, ob er bleibt oder geht, herrscht wieder Unruhe in Köln. "Ich weiß, dass es Theater geben kann, wenn wir verlieren", sagte Trainer Stale Solbakken am Tag vor dem Spiel, weil der FC dann wieder "mitten drin ist im Abstiegskampf".

Schalke hat laut Heldt mit diesem Schlamassel nichts mehr zu tun. Er beschäftigt sich nur im Stillen mit der Frage, was für die Mannschaft, wenn sie mit den in Köln verletzt fehlenden Benedikt Höwedes, Lewis Holty, Raul und Jefferson Farfan antreten würde, tatsächlich möglich ist in dieser Saison. Hochzufrieden wären er und Stevens, wenn im Mai ein Platz unter den besten vier Team herausspringen würde. Mit München und Dortmund will sich aber niemand messen. "Wir haben zwar nicht gezeigt, dass wir eine Spitzenmannschaft sind, aber eine Mannschaft. Wir haben gekämpft und Herz gezeigt", sagte Christoph Metzelder. Das Team wirkt indes so gefestigt, dass es die Champions-League-Qualifikation trotz der Tiefstapelei schaffen kann.

Köln - Schalke: Daten zum Spiel

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