Bundesliga - 23. Spieltag

Van Gaal: "...sonst würden wir Meister werden"

Von Thomas Gaber / Daniel Reimann
Samstag, 19.02.2011 | 23:18 Uhr
Arjen Robben (M.) bereitete das achte Saisontor von Thomas Müller (r.) vor
© Getty
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Der FC Bayern hat die Generalprobe für das Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals bei Inter Mailand erfolgreich absolviert. Bei Mainz 05 gewannen die Münchner am 23. Bundesliga-Spieltag mit (1:0) und vergrößerten den Abstand zu den Mainzern auf fünf Punkte.

Bastian Schweinsteiger (8.), Thomas Müller (50.) und Mario Gomez (77.) erzielten die Tore für den FC Bayern, Sami Allagui (84.) traf für Mainz.

Reaktionen:

Louis van Gaal (Trainer FC Bayern): "Wir bekommen immer mehr Selbstvertrauen, weil wir viele Spiele gewinnen. Wir haben aus den letzten 16 Spielen 34 Punkte geholt - das ist sehr viel. Aber wir müssen das beibehalten: Das nächste Spiel ist zu Hause gegen Dortmund - das müssen wir auch wieder gewinnen! Wir haben viel Druck, weil wir in den ersten sieben Saisonspielen zu wenig Punkte geholt haben - sonst würden wir normalerweise wieder Meister werden!"

Zur Verletzung von Thomas Kraft: "Ich denke, dass sein Einsatz in Mailand kein Problem sein wird. Er ist unsere Nummer eins, nicht Jörg Butt."

Zum Comeback von Toni Kroos: "Toni hat noch nicht so häufig wieder mit der Mannschaft trainiert. Er hat aber gleich voll ins Spiel gefunden. Er ist auf vielen Positionen einsetzbar, am stärksten sehe ich ihn im defensiven Mittelfeld. Egal wo - für mich ist er ein Stammspieler. Aber in Mailand wird es noch nicht für 90 Minuten reichen."

Zur Auswechslung von Holger Badstuber: "Er hatte eine Gelbe Karte gesehen. Ich wollte kein Risiko eingehen. Außerdem konnte ich so sehen, wie sich Luiz Gustavo als Verteidiger macht. Holger ist in der Innenverteidigung aber meine Nummer eins."

Thomas Tuchel (Trainer Mainz): "Man kann Tore bekommen gegen Bayern München, das ist kein Problem. Man braucht aber kein Kopfballtor zu bekommen, indem Arjen Robben im 16-Meterraum ein Kopfballduell gewinnt, weil ich nicht in der Lage bin, mich zu orientieren. Darüber bin ich ehrlich gesagt stinksauer und das ist nicht zu akzeptieren."

Thomas Müller: "Wir haben zu viele einfache Ballverluste in der Vorwärtsbewegung gehabt. Da müssen wir einfach cleverer den Ball in den Reihen halten. Ansonsten haben wir die Konter gut ausgefahren und deshalb verdient gewonnen. Wenn Robben und Ribery fit sind, können wir ganz anders spielen. Dann haben wir eine ganz andere Qualität."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Trainer Tuchel setzt auf Offensive. Im 4-4-2 spielen Risse (rechts) und Schürrle (links) hinter der Doppelspitze Allagui/Sliskovic. Für den 19-jährigen Kroaten ist es der erste Bundesliga-Einsatz von Beginn an. Fuchs rückt auf die rechte Abwehrseite, links soll Zabavnik die Kreise von Robben stören. Jünger war eine Mainzer Startelf in der Bundesliga noch nie.

Die Bayern beginnen in der gleichen Aufstellung wie beim 4:0 gegen Hoffenheim. Kroos steht erstmals in der Rückrunde wieder im Kader.

9., 0:1, Schweinsteiger: Schnell ausgeführte Ecke von Ribery. Doppelpass mit Pranjic auf links, dann flankt der Franzose lang an den Fünfer. Robben legt per Kopf quer, Müller irrt umher und Schweinsteiger nickt problemlos aus zwei Metern ein. Schweinsteigers 1. Kopfballtor in der Bundesliga überhaupt!

10.: Robben hängt auf links Fuchs und Kirchhoff ab und legt den Ball von der Grundlinie zurück an den Elferpunkt. Müller mit links hat freie Bahn - weit drüber!

27.: Allagui schickt Schürrle mit einem Heber von rechts in die Gasse. Gustavo pennt und lässt den Mainzer laufen. Der lupft den Ball über Kraft hinweg - haarscharf links am Tor vorbei.

42.: Allagui wird über rechts geschickt und hat alle Zeit der Welt. In der Mitte löst sich Schürrle und bekommt den Querpass. Drehung und Abschluss rechts vom Fünfereck - Kraft taucht ab und rettet klasse!

46.: Kraft muss raus. Bei einem Zusammenprall mit Sliskovic Mitte der ersten Halbzeit verletzte sich der Bayern-Keeper am Kopf und muss leicht benommen vom Feld. So kommt Butt zu seinem ersten Einsatz in der Rückrunde.

50., 0:2, Müller: Super Schweinsteiger-Pass in die Gasse zu Gomez. Dessen Querpass von rechts blockt Kirchhoff, jedoch vor die Füße von Robben. Hübscher Heber an den Fünfer, wo Müller per Volley im Fallen ins rechte Eck trifft.

60.: Robben führt zentral in der Mainzer Hälfte den Ball und spielt einen Zuckerpass in die Gasse. Gomez frei vor Müller, doch er setzt die Kugel an den linken Pfosten!

77., 0:3, Gomez: Schneller Konter der Bayern. Ribery gibt links raus zu Müller, der im Strafraum nochmal querlegt. Gomez steht da, wo ein Torjäger stehen muss und staubt aus vier Metern ab. Saisontor Nummer 18.

84., 1:3, Allagui: Flanke Fuchs von links, in der Mitte steigt Allagui hoch. Gegenspieler Pranjic bemüht sich erst gar nicht, ihn am Abschluss zu hindern. Butt ist noch dran, doch die Kugel schlägt im linken Eck ein.

Fazit: Die Bayern gewinnen in einem sehr guten Bundesligaspiel verdient in Mainz, weil sie ihre Chancen besser ausnutzten als die Mainzer.

Der Star des Spiels: Bastian Schweinsteiger. Der Nationalspieler zeigte mit Nachdruck, dass er auf die Doppel-Sechs gehört. Schweinsteiger war Schaltstation im Zentrum, verteilte die Bälle mit starken Diagonalbällen auf Ribery oder Robben und erzielte sein 3. Saisontor. Müllers 2:0 leitete er mit einem Traumpass auf Gomez ein.

Der Flop des Spiels: Radoslav Zabavnik. Der Slowake kam als gelernter Innenverteidiger mit den Außenpositionen (erst links dann rechts) nicht zurecht. Er rückte oft zu weit nach innen und machte dort auch noch die entscheidenden Fehler. Zabavnik verlor Schweinsteiger vor dem 0:1 aus den Augen und kam beim 0:2 zu spät im Duell mit Müller.

Der Schiedsrichter: Knut Kircher hatte die weitgehend faire Partie gut im Griff, die Gelbe Karte gegen Holtby nach einem harmlosen Foul an Ribery war aber überzogen. Kirchers Assistenten lagen bei allen kniffligen Abseitsentscheidungen richtig.

Analyse: Im Hinspiel zogen die Spitzen Szalai und Allagui mit ihren ständigen Attacken auf die Innenverteidiger den Bayern den Zahn. Tuchel wendete die gleiche Taktik an und baute deshalb mit Siskovic einen zweiten Stürmer neben Allagui ein, der die gleiche Statur wie der verletzte Szalai hat.

Allerdings ließen sich die Bayern gar nicht erst unter Druck setzen, sondern übernahmen schnell die Spielkontrolle. Viel lief über den eifrigen Ribery über links. Mainz war nach dem frühen Rückstand geschockt und leistete sich viele leichte Ballverluste in der Vorwärtsbewegung. Allerdings ließen die Bayern erneut einige gute Torchancen liegen.

Weil Fuchs auf der ungewohnten rechten Abwehrseite Probleme mit Ribery hatte, stellte Tuchel nach 20 Minuten um. Fuchs spielte fortan links, Zabavnik übernahm die rechte Seite.

Nach Schürrles Chance (27.) waren die Mainzer am Drücker. Die Bayern verloren die Ordnung in der Defensive, worauf van Gaal Gustavo ins defensive Mittelfeld zog und Pranjic links in die Viererkette. Die Lücken in der Abwehr konnten so aber nicht geschlossen werden, weil insbesondere Badstuber und Tymoschtschuk den Abstand nicht hielten.

Beide Mannschaften spielten auch in der zweiten Halbzeit nach vorne, das frühe Tor schossen erneut die Bayern. Mainz steckte nicht auf, allein Schürrle gab zehn Torschüsse ab.

Die Bayern waren die effektivere Mannschaft und nutzten die Fehler des Gegners deutlich besser aus. Die Offensive funktioniert, die Defensive hat weiterhin erhöhten Nachholbedarf. Kurios: Van Gaal probierte mit Badstuber, Tymoschtschuk, Gustavo und in den Schlussminuten auch Breno insgesamt vier Innenverteidiger aus.

Mainz - Bayern: Daten zum Spiel

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