Samstag, 18.12.2010

Bundesliga - 17. Spieltag

Raul und Schalke: Mit alter Stärke zu alten Zielen

Mit einem Dreierpack hat Raul Vizemeister Schalke 04 einen versöhnlichen Abschluss einer eigentlich verkorksten Hinrunde beschert - und gleichzeitig die Hoffnung genährt, doch noch alte Ziele zu erreichen.

Raul (l.) erzielte gegen Köln seinen zweiten Dreierpack für Schalke
© Getty
Raul (l.) erzielte gegen Köln seinen zweiten Dreierpack für Schalke

Den Ball unter dem Arm, ein Lächeln auf den Lippen - Raul war mit sich und der Welt zufrieden. Selbst der strenge deutsche Winter verdarb dem Spanier nach einem Dreierpack zum versöhnlichen Hinrundenabschluss für Schalke 04 nicht die Stimmung.

"Meine Familie liebt den Schnee", erzählte der Weltstar nach dem 3:0 (1:0) gegen den 1. FC Köln und fasste sein erstes halbes Jahr in Deutschland zusammen: "Ich habe viele neue Erfahrungen gemacht. Es funktioniert gut."

"Es geht in die richtige Richtung"

Neu sind der Schnee und die Gegner - altbekannt seine Tore. Mit den Saisontreffern sieben bis neun in der Bundesliga rundete der 33-Jährige in großem Stil ein Halbjahr ab, das ganz schlecht begonnen und grandios geendet hatte. "Ich bin nicht nur sehr glücklich wegen der drei Tore, sondern auch, weil wir in den letzten Spielen viel Selbstbewusstsein gewonnen haben", sagte Raul nach dem fünften Heimsieg in Serie.

Jetzt, da der Winter zur Pause zwingt, spielen der Königliche und die Königsblauen endlich den Fußball, den sie als Titelanwärter eigentlich von Beginn an spielen wollten.

Doch der Weltstar aus Madrid brauchte ebenso seine Eingewöhnungszeit wie der Rest der komplett umgekrempelten Mannschaft - länger, als auch Felix Magath erwartet hatte. "Es hat ein bisschen gedauert", sagte der Trainer und Manager, "aber die Entwicklung ging in die richtige Richtung".

21 Punkte hinter Dortmund

Nach fünf Siegen in den letzten sieben Bundesliga-Spielen und dem souveränen Einzug ins Achtelfinale der Champions League sind Raul und Co. aber noch längst nicht da, wo sie Magath haben wollte.

Als Tabellenzehnter muss der Vizemeister überwintern - 21 Punkte hinter dem Erzrivalen Borussia Dortmund an der Spitze, weit von einem Champions-League-Platz entfernt.

Dennoch sind die alten Ziele nach der Aufholjagd der letzten Wochen wieder in Sicht. "In der Rückrunde können wir wieder einen Platz im europäischen Wettbewerb angehen", verkündete Magath und prophezeite, dass sich der Fehlstart aus dem Sommer nicht wiederholen werde.

"Natürlich kommen auch noch mal wieder schwächere Spiele. Aber die Mannschaft ist stabiler geworden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir noch einmal eine Phase wie zum Saisonstart erleben werden."

"Raul ist unser wichtigster Mann"

Die Schalker Stärke hat viel mit Raul zu tun. Nach großen Anpassungsschwierigkeiten fand die Real-Legende erst spät zu alter Form und Torgefahr. Doch dann richtig: Mit zwei Kopfbällen (30. und 87.) und einem Linksschuss (50.) wiederholte der Spanier gegen Köln seinen Dreierpack vom 4:0 gegen Werder Bremen.

Vor vier Wochen hatte er dreimal mit rechts getroffen und den Ball als Souvenir eingepackt. Jetzt nahm er wieder einen mit nach Hause - und das Wissen, dass er nun richtig angekommen ist.

"Er ist natürlich unser wichtigster Mann", sagte Magath über seinen Königstransfer, "nicht nur im Spiel, sondern im gesamten Zusammenleben der Mannschaft. Er wird von allen akzeptiert und gesucht."

Dass Raul aber seine Torjägerqualitäten zeigte, bedurfte erster Kritik. Erst als Magath nach immer lauterem Murren der Fans und der Medien seinen Star freundlich bat, sich weniger im Mittelfeld aufzureiben und öfter den Weg vors Tor zu suchen, platzte der Knoten.

Schaefer: Wurde "phasenweise überrollt"

Auch dem Team half ein Negativerlebnis. "Die 0:5-Klatsche in Kaiserslautern hat den letzten Tick gegeben", sagte Magath: "Danach hat sich die Mannschaft zusammengesetzt und sich ausgetauscht. Da ist sie zu einer Einheit geworden."

Eine Einheit, gegen die Köln nur eine halbe Stunde lang eine Chance hatte. Nachdem Christopher Schorch mit einem katastrophalen Abspiel am eigenen Strafraum das erste Gegentor eingeleitet hatte, war der erste FC-Sieg auf Schalke seit 17 Jahren außer Reichweite.

"Phasenweise überrollt" fühlte sich Trainer Frank Schaefer von den Gastgebern, vor deren individueller Qualität er den Hut ziehen müsse: "Am Ende waren wir chancenlos."

Ohne die verletzten Stürmer Lukas Podolski und Milivoje Novakovic endete der Aufschwung der vergangenen Wochen abrupt. Und der Blick auf die Tabelle zeigt, dass in der Rückrunde der Kampf ums nackte Überleben weitergeht - mit 15 Punkten überwintert der FC in der Abstiegszone.

Schalke - Köln: Daten zum Spiel


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