Die Party-Crasher

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Florian Bogner
Samstag, 21.08.2010 | 13:10 Uhr
Wie beim Ballett: Bayerns Mark van Bommel (l.) und der Wolfsburger Josue
© Getty
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Der FC Bayern kann mit dem Ergebnis zum Saisonauftakt zufrieden sein und auch der VfL Wolfsburg deutete an, dass mit ihm im neuen Spieljahr zu rechnen ist. Das Spiel trat jedoch angesichts zweier kleiner Stinkstiefel in den Hintergrund.

Auf dem Bayern-Spielberichtsbogen fehlte einer. Nummer 6, Demichelis. Statt mit dem FC Bayern zum ersten Saisonspiel auf den Rasen zu laufen oder zumindest auf der Bank zu sitzen, zog der Argentinier den Platz auf der heimischen Couch vor.

Trainer Louis van Gaal hatte Demichelis unter der Woche erklärt, dass Holger Badstuber fortan in der Innenverteidigung gesetzt sei - der Argentinier müsse sich mit Daniel van Buyten um den anderen Platz zanken und der Belgier habe erstmal die Nase vorne.

Für Demichelis, den WM-Teilnehmer, offenbar ein Affront - er bat van Gaal, ihn für das Wolfsburg-Spiel nicht in den Kader aufzunehmen.

Rummenigge will kein Risiko gehen

Während sich der Coach, Sportdirektor Christian Nerlinger und Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge am Abend mühten, den Vorfall runterzuspielen und die offizielle Sprachregelung in Richtung "er ist eben ein stolzer Argentinier" zu verändern, plauderte dieser unverhohlen mit der "Bild"-Zeitung und sprach davon, dass für ihn ein "Zyklus zu Ende" gehe: "Es für beide Seiten besser, wenn wir getrennte Wege gehen."

Die Bayern-Saison ist also noch nicht mal 100 Minuten alt, da muckt mit Demichelis schon der erste unzufriedene Spieler auf. Einfach gehen lassen kann der FC Bayern ihn nicht - es gibt keinen Ersatz.

"Es wird weiter gehen mit ihm - wir können uns nicht erlauben, nur mit zwei Innenverteidigern in die Saison zu gehen. Breno kommt frühestens in sechs bis acht Wochen fit zurück. Das Risiko gehe ich nicht", stellte Boss Rummenigge klar.

Schweinsteiger: "Schade, dass er sich so verhält"

Das Echo aus der Mannschaft zum Demichelis-Fall? Geteilt. Bastian Schweinsteiger sagte: "Es ist ein bisschen schade, dass er sich so verhält." Kapitän van Bommel warnte indes davor, jemanden vorschnell zu verurteilen - er selbst hatte von der ganzen Sache noch gar nichts mitbekommen.

"Man kann es auch positiv sehen, dass er nicht auf der Bank sitzen will", sagte der Niederländer diplomatisch. Nur einmal kurz fiel er aus der Rolle. Auf die Frage, ob er denn denke, dass die Zeichen nun auf Trennung stehen, meinte er: "Klar, das denke ich auch." Sowohl Rummenigge als auch Schweinsteiger und van Bommel kündigten Gespräche mit dem stolzen Argentinier an.

Misimovic sportlich unverzichtbar

Auch auf Seiten der Verlierer gab es an diesem Abend mehr Kummer als durch Schweinsteigers spätes 2:1 (91.) ausgelöst. Der abwanderungswillige Zvjezdan Misimovic wurde von Trainer Steve McClaren im Spiel gegen seinen Ex-Klub erst zur zweiten Halbzeit gebracht, angeblich hatte der Bosnier Trainingsrückstand.

Endlich im Spiel, drehte Misimovic dann das bis dahin fade und ängstliche Spiel der Wölfe auf Links und hätte beinahe im Alleingang für den Sieg gesorgt - allein seine schwache Chancenverwertung und Bayern-Keeper Jörg Butt hatten was dagegen.

Dennoch: Misimovic stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass der VfL sportlich auf ihn nicht verzichten kann. "Alle haben gesehen, was Misimovic für uns bedeutet. Er ist ein unglaublich wichtiger Spieler für uns", hielt Teamkollege Edin Dzeko ein flammendes Plädoyer für seinen Kumpel.

Gefährliches Spiel von Dieter Hoeneß

Dieter Hoeneß geht in den letzten Wochen nun mal ein gefährliches Spiel ein. Erst rief er Misimovic zur Räson und legte dessen Wechselwünsche mit einem Machtwort ad acta, nur um dann ungeniert mit Juventus Turins Diego zu flirten. Klar, dass Misimovic in diesem Fall empfindlich reagiert.

Dass Hoeneß dann, zu Misimovic befragt, sagt: "Das kennen wir von Zwetschge auch so ein bisschen in der Transferzeit", macht die Sache nicht unbedingt besser.

Misimovic machte nach dem Spiel in punkto Körpersprache und Gestik jedenfalls keinen Hehl daraus, keine Sekunde länger als nötig in einem VfL-Trainingsanzug stecken zu wollen.

"Ich weiß ja nicht einmal, was morgen ist"

Ob er denn nun seinen Vertrag beim VfL erfüllen werde, wurde der starr dreinblickende Bosnier gefragt. "Dazu sage ich lieber gar nichts."

Ob er denn zumindest in der nächsten Woche noch für Wolfsburg spielen werde? "Ich weiß ja nicht einmal, was morgen ist. Wie soll ich da wissen, was übermorgen passiert?"

Immerhin wusste der 28-Jährige, dass er am Sonntag frei hat. "Nach Berlin oder Hamburg" wolle er fahren, sagte Misimovic. Einfach mal raus. Vielleicht auch nach Gelsenkirchen? Zu weit, sagte er mit einem verschmitzten Grinsen.

Bayern - Wolfsburg: Daten zum Spiel

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