Keine Tore im Spitzenspiel

Von Daniel Börlein / Andre Mader
Samstag, 17.10.2009 | 20:24 Uhr
Tunay Torun (r.) kam beim Hamburger SV früh für den verletzten Tolgay Arslan

Der Hamburger SV und Bayer Leverkusen haben sich im Spitzenspiel des 9. Spieltags in der ausverkauften Hamburger Arena mit 0:0 getrennt.

In einer Partie, in der es lange Zeit kaum Torchancen gab, rettete HSV-Keeper Frank Rost in der Schlussphase mit zwei starken Paraden das Unentschieden für die Gastgeber.

Durch das Remis bleibt Leverkusen von Trainer Jupp Heynckes Tabellenführer und ist nun bereits seit vier Partien ohne Gegentor. Der HSV belegt weiterhin Rang zwei.

"Meine Mannschaft hat sehr viel investiert. Wir haben sehr viel dafür getan, das Spiel gewinnen zu können. Aber uns haben die letzte Durchschlagkraft und die Qualität gefehlt", sagte Labbadia mit Blick auf die verletzungsbedingten Ausfälle seiner Stürmer Paolo Guerrero und Mladen Petric.

Heynckes war mit dem Ergebnis zufrieden, von seiner Mannschaft hätte er sich aber etwas mehr Offensivaktionen erhofft: "Wir haben unser Spielkonzept auf Abwehrorganisation angelegt, den Gegner nicht so aufkommen lassen. Aber ich hätte mir schon gewünscht, dass wir mutiger nach vorne spielen."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Beim HSV beginnt erstmals der junge Arslan im Angriff. Bei Leverkusen muss der zuletzt starke Kroos wieder auf die Bank. Renato Augusto ist dafür wieder dabei.

11.: Chance für den HSV durch Arslan. Trochowski spitzelt auf den 19-Jährigen durch und der schlenzt aus etwa 18 Metern am rechten Pfosten vorbei.

32.: Barnetta spielt Castro links im Sechzehner in den Lauf. Rost kommt raus, um den Winkel zu verkürzen und so versucht Castro den Lupfer. Ganz knapp am rechten Pfosten vorbei.

39.: Die Stürmerseuche beim HSV geht weiter. Der junge Arslan muss verletzt raus und wird gleich dick bandagiert. Torun ersetzt ihn.

Halbzeit-Fazit: Der HSV mit mehr Spielanteilen, Leverkusen mit der einzigen echten Torchance. Bislang ein taktisch geprägtes Spitzenspiel mit wenigen Highlights.

52.: Elia versucht es aus 22 Metern in halb-linker Position. Knapp am rechten Winkel vorbei.

79.: Ze Roberto schickt Aogo in den Sechzehner, der am Fünfer quer legt. Dort tritt erst Pitroipa am Ball vorbei und dann schießt Torun den einzigen Leverkusener an, der vor dem Tor steht. Riesenchance!

86.: Ecke für Bayer von der linken Seite durch Barnetta...fast das 1:0 für Bayer durch Hyypiä!!! Die Ecke von Barnetta kommt auf den kurzen Pfosten, wo sich der Finne gut durchsetzt und auf die kurze Ecke zielt. Rost pariert mit einem klasse Reflex!

89.: Barnetta spielt Demel schwindelig und bringt den Ball flach an den Elfer, wo sich Kießling gegen Mathijsen durchsetzt! Rost ist aber unten und pariert ganz stark.

Fazit: Ein insgesamt verdientes Remis. Hamburg hatte lange Zeit mehr vom Spiel, Leverkusen dafür vor allem am Ende die besseren Chancen.

Der Star des Spiels: Sami Hyypiä. Der Finne ist ohne Zweifel ein echter Top-Einkauf, in Hamburg wurde dies einmal mehr deutlich. Im Luftkampf war der Routinier nicht zu bezwingen, im Spielaufbau strahlte er eine enorme Ruhe aus, sein Stellungsspiel war schlichtweg weltklasse und seine Anwesenheit ließ die HSV-Angreifer Berg, Arslan und später Torun und Pitroipa schier erstarren.

Die Gurke des Spiels: Marcus Berg. Zugegeben: Gegen einen Hyypiä und ohne gute Anspiele hat man es als Angreifer schwer. Doch der Schwede ließ vor allem in Halbzeit eins die Bereitschaft vermissen, sich aktiv ins Spiel einzubringen. Nach der Pause war der HSV-Stürmer dann zwar deutlich engagierter, wirkte aber bei den wenigen gelungenen Ballstaffetten wie ein Fremdkörper.

Die Pfeife des Spiels: Florian Meyer. Ließ zu Beginn nicht viel laufen und nahm der Partie dadurch etwas den Spielfluß. Insgesamt aber ein souveräner und ruhiger Auftritt, bei dem Meyer immer wieder Fingerspitzengefühl bewies.

Die Lehren des Spiels: Bei Bayer war die Handschrift von Jupp Heynckes auch gegen den HSV deutlich erkennbar. Hurra-Fußball gibt es bei der Werkself nicht mehr. Ballkontrolle ist wichtig und vor allem die Sicherung des eigenen Tores, gerade wenn es gegen einen starken Gegner wie den HSV geht. So ließ Leverkusen auch gegen die Hanseaten nur eine echte Torchance zu.

Darunter leidet bisweilen allerdings die Offensive. Kießling und Derdiyok warteten meist vergeblich auf brauchbare Anspiele und nachrückende Mitspieler. Im Mittelfeld fehlte neben den starken Individualisten Renato Augusto und Tranquillo Barnetta ein Stratege, zumal Rolfes einen schwachen Tag erwischte.

Dennoch: Mit einem Punkt bei einem ernshaften Konkurrenten kann Bayer sicher ganz gut leben und hat sich mittlerweile durchaus zurecht in der Spitzengruppe festgesetzt.

Auch der HSV ist berechtigterweise oben dabei. Hinten wirkt das Duo Boateng/Mathijsen sattelfest, im Mittelfeld kurbeln Jarolim und Ze Roberto unermüdlich an, wenngleich der Brasilianer eine seiner schwächsten Leistungen im HSV-Trikot zeigte.

Worum man sich in Hamburg allerdings langsam Sorgen machen muss, ist die Verletzungsmisere im Sturm. Mit Youngster Tolgay Arslan erwischte es nach Petric und Guerrero bereits den dritten Angreifer. Und die, die noch da sind (Berg, Torun, Pitroipa) scheinen momentan noch nicht die Klasse für die Bundesliga-Spitze zu haben.

Hamburg - Leverkusen: Daten zum Spiel

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