Bundesliga - 4. Spieltag

Bremen gelingt wichtiger Sieg in Berlin

Von Florian Bogner / Stefan Rommel
Sonntag, 30.08.2009 | 17:24 Uhr
Marko Marin (r., neben Arne Friedrich) war bester Bremer in Berlin
© Getty
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Werder Bremen hat am 4. Spieltag der Bundesliga seinen ersten Auswärtssieg gefeiert. Die Bremer siegten bei Hertha BSC mit 3:2 (0:0) und kletterten durch den Sieg in der Tabelle mit nunmehr sieben Punkten auf Rang drei.

Die Tore vor 48.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion erzielten Mesut Özil (57.), Tim Borowski (74.) und Naldo (83.) für die Gäste. Lukasz Pisczceks (77.) und Patrick Eberts (90.) Anschlusstreffer waren letztlich zu wenig.

Die Hertha hat den Start in die Saison dagegen vollkommen verpatzt und rutschte durch die dritte Niederlage in Folge in der Liga auf den 16. Platz ab.

Schaaf: "Können uns noch steigern"

"Wir haben gut gespielt und hätten in Führung gehen müssen", sagte Hertha-Trainer Favre: "Aber der letzte Pass ist nicht angekommen. Das 0:1 bei einem Konter hat uns weh getan."

Sein Gegenüber Thomas Schaaf meinte: "Wir hatten schon in der ersten Halbzeit eine gewisse Überlegenheit, wir waren nur zu wenig zielgerichtet. Ich bin froh über das Ergebnis. Wir haben eine gute Partie geliefert und können uns noch steigern."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Die Hertha im Vergleich zum Europa-League-Spiel gegen Bröndby ohne Domowtschijski, für den Nicu in die Mannschaft rückt.

Rotation bei den Gästen: Im Vergleich zum Aktobe-Spiel beginnen bei Werder Boenisch, Bargfrede und Marin für Pasanen, Niemeyer und Hunt.

10.: Nicu bekommt den Ball rechts im Sechzehner in den Lauf gespielt, zieht volley ab - Wiese pariert stark.

12.: Bargfrede ist in seinem ersten BL-Spiel von Beginn an gleich gut dabei. Distanzschuss aus 25 Metern: Drobny mit beiden Fäusten.

21.: Ebert lässt Borowski auf rechts aussteigen, flankt dann gefühlvoll an den Fünfer. Cicero fliegt heran, bremst aber mit dem Gesicht, ohne den Ball zu treffen.

26.: Konter der Bremer. Özil steht nach einer Flanke von rechts links frei im Sechzehner, bekommt aber null Druck hinter seine Volley-Direktabnahme. Drobny packt beim Aufsetzer sicher zu.

35.: Marin enteilt Janker auf links und zieht nach innen, auch Friedrich ist umspielt. Schuss aus 13 Metern gegen die Laufrichtung von Drobny, doch der entschärft den Ball stark mit den Zehennägeln des rechten Fußes.

47.: Von Bergen spitzelt den Ball an zwei Bremern vorbei und legt am Sechzehner quer auf Wichniarek. Der steht frei vor Wiese, umkurvt den Bremer Keeper und fällt. Kein Elfer, es riecht sehr streng nach einer Schwalbe.

53.: Nicu legt den Ball von rechts zurück auf Kacar an die Strafraumgrenze. Der zieht direkt ab, Wiese lenkt das Geschoss mit einer Glanzparade über die Latte.

57., 0:1, Özil: Die Hertha im Angriff, Wichniarek schießt Kacar den Ball an die Wade. Bremen schaltet blitzschnell um, über zwei Stationen leitet Marin den Ball Özil perfekt in den Lauf. Von Bergen kann nicht folgen, Özil trifft von halblinks mit links rechts unten.

66.: Ecke Bremen von links. Naldo steigt am Elfmeterpunkt hoch, köpft nach rechts. Boenischs Hüfte verfehlt den Ball kurz vor dem Tor nur um Zentimeter.

74., 0:2, Borowski: Fritz links raus auf Marin, der direkt in die Mitte. Friedrich hat den Fuß dazwischen, Drobny verhindert mit der Fußspitze gerade so das Eigentor, aber Borowski lauert dahinter und drückt den Ball mehr oder weniger unfreiwillig über die Linie.

77., 1:2, Pisczcek: Kacar kommt aus 25 Metern angestürmt, spielt Doppelpass mit Mertesackers Hacken und rückt weiter bis an die Grundlinie vor. Vander kommt etwas tranig raus, Kacar legt in die Mitte und Piszczek stochert den Ball aus einem Meter über die Linie.

83., 1:3, Naldo: Konter Bremen. Özil behält rechts die Übersicht und legt links auf den langen Brasilianer, den keiner auf der Rechnung hatte. Überlegen rechts unten eingeschoben.

90., 2:3, Ebert: Satter Schuss aus 25 Metern. Vander ist noch dran, lenkt den Ball aber nur noch an den Innenpfosten. Von dort trudelt er ins Tor.

Der Star des Spiels: Marko Marin. Der Zugang aus Mönchengladbach hatte einen schwierigen Start in Bremen. Nach drei eher glücklosen Vorstellungen zu Beginn stand der Startplatz des Nationalspielers angeblich schon auf der Kippe. Seitdem zeigte sich Marin deutlich verbessert und lieferte in Berlin seine bisher beste Vorstellung ab. Von allen Defensivaufgaben befreit, wirbelte Marin die Berliner Defensive einige Male gehörig durcheinander und bereitete beide Tore mustergültig vor. Ein nettes Bewerbungsschreiben für die anstehenden Länderspiele...

Die Gurke des Spiels: Artur Wichniarek. Der Pole knüpft offenbar nahtlos an seine unglücklichen Vorstellungen im Hertha-Dress an. Wichniarek setzte sich gegen Mertesacker und Naldo nie in Szene und verdaddelte seine einzige echte Chance beim Stand von 0:0, indem er nicht zielstrebig den Torabschluss suchte, sondern im Eins-gegen-eins mit Wiese zu einer formvollendeten Schwalbe ansetzte.

Die Pfeife des Spiels: Thorsten Kinhöfer hatte einige knifflige Szenen zu bewerten und lag dabei jedes Mal goldrichtig. In der Summe hatte es den Anschein, dass die kleinen Situationen etwas zu Lasten Berlins gingen, im Großen und Ganzen aber ein souveräner Auftritt Kinhöfers.

Die Lehren des Spiels: Das Momentum der vergangenen Saison ist endgültig weg. Berlin macht zu viele Fehler und ist in den entscheidenden Spielsituationen diesen einen Tick zu unentschlossen, um eine Partie an sich zu reißen - was gegen Bremen durchaus möglich gewesen wäre.

Trainer Lucien Favre steht seine schwierigste Saison bevor, dem Spielplan des Schweizers gehen die Protagonisten ab. Oder, um es wie Arne Friedrich zu halten: "Es fehlt an Qualität." Ein überragender Gojko Kacar alleine reicht nicht, um dem Mittelmaß zu entfliehen.

Fast zum Beweis dafür, dass Bremen nicht von der ehemaligen Lichtgestalt Diego abhängig ist, änderte Trainer Thomas Schaaf bereits zum dritten Mal in dieser Saison sein Spielsystem. Jahrelang gehörte die Raute zum Werder-Spiel wie ein frisches Beck's zu Bremen. Und plötzlich zaubert Coach Thomas Schaaf gleich mehrere Spielausrichtungen aus dem Ärmel.

Nach dem eingespielten 4-4-2 mit zwei Sechsern zu Saisonbeginn versuchte sich Schaaf in Berlin mit einem sehr unkonventionellen und schwer zu greifenden 4-3-2-1 mit Pizarro als einziger echter Spitze.

Dafür stießen wahlweise Marin, Özil, Borowski oder Bargfrede immer wieder mit in die Tiefe. Aus einem recht statischen wurde ein sehr flexibles Bremer Spiel, das der an und für sich gut sortierten Berliner Defensive vor allem in der ersten Halbzeit einige Male Kopfzerbrechen bereitete.

Hertha - Bremen: Daten und Fakten

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