Bundesliga - 34. Spieltag

Hannover schickt Bochum in die 2. Liga

Von Fatih Demireli / Haruka Gruber
Samstag, 08.05.2010 | 17:25 Uhr
Mike Hanke erzielte in Bochum sein zweites Saisontor
© Getty
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Der VfL Bochum steht als zweiter Absteiger der Bundesliga fest. Der VfL verlor im ausverkauften rewirpower-Stadion mit 0:3 (0:3) gegen Hannover 96 und muss zum sechsten Mal den bitteren Gang in die 2. Liga antreten. Hannover 96 feiert dagegen mit dem Sieg den Klassenerhalt.

Arnold Bruggink (9.) und Mike Hanke (23.) stellten in Bochum früh die Weichen für den Sieg der Niedersachsen. Sergio Pinto markierte nach einem stark gespielten Konter das 3:0 (44.). Der VfL Bochum, bei dem die erhoffte Wirkung des Trainerwechsels ausblieb, verabschiedete sich mit einer leblosen Vorstellung aus der Bundesliga.

Nach dem besiegelten Abstieg erhitzten sich die Emotionen in Bochum: Wütende Fans stürmen mit dem Schlusspfiff den Platz. Mehrere Dutzend zum Teil vermummte VfL-Anhänger kletterten über die Zäune und versuchten, auf das Spielfeld zu stürmen.

Dabei schleuderten sie Gegenstände, ein Ordner wurde von einem Plastikstuhl am Kopf getroffen und musste ärztlich behandelt werden. Mit Bochums Abwehrspieler Mergim Mavraj kam es ebenfalls zu einer Auseinandersetzung.

Auf den Rängen zündeten einige Zuschauer zudem T-Shirts an, die der VfL vor Spielbeginn kostenslos an die Besucher verteilte.

Im Gegensatz zu den Krawallen im Berliner Olympiastadion im Anschluss an das Bundesligaspiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Nürnberg Mitte März waren Ordner und Polizisten unmittelbar zur Stelle. Nur wenige Hooligans schafften es bis auf das Spielfeld, wo sie sofort gestellt und in Gewahrsam genommen wurden.

So diskutierten die mySPOX-User während den 90 Minuten!

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Zwei Änderungen beim VfL Bochum gegenüber dem 1:3 beim FC Bayern. Mavraj rückt für Concha in die Mannschaft, spielt gemeinsam mit Yahia in der Innenverteidigung. Marcel soll rechts hinten Concha vertreten. Außerdem erhält Hashemian im Sturm den Vorzug vor Dedic. Slomka vertraut der Elf, die gegen Mönchengladbach stark aufspielte.

9., 0:1, Bruggink: Balitsch mit einer eigentlich harmlosen Flanke von halblinks an den langen Pfosten. Bochum pennt, Bruggink steht völlig frei und trifft schön per Volley!

13.: Was eine Chance! Fuchs mit der Flanke von rechts, Fromlowitz verrechnet sich total, am langen Pfosten lauert Hashemian - und kommt trotz Bedrängnis mit dem Kopf sogar dran. Der Ball geht jedoch knapp am Tor vorbei.

23., 0:2, Hanke: Bochum benimmt sich in der Defensive wie eine E-Jugend-Mannschaft und kann den Ball nicht klären. Ausgerechnet von einem Bochumer landet der Ball bei Bruggink, der auf Hanke ablegt. Der Stürmer im Stile eines Torjägers, trifft trocken aus 13 Metern ins untere rechte Ecke. Die VfL-Abwehr steht Spalier. Heerwagen ohne Chance.

44, 0:3, Pinto: Bochum im Angriff, verliert jedoch den Ball und läuft in dämlicher Art und Weise in einen Konter von Hannover. Balitsch treibt den Ball vor und schickt im richtigen Moment Pinto, der locker Maric weg sprintet und gefühlvoll aus zwölf Metern von halblinks über Heerwagen hinweg schlenzt. Traumtor!

Halbzeit-Fazit: Der VfL desaströs in der Abwehr, Hannover extrem nervenstark und abgezockt vor dem Tor.

53.: Hannover mit der Doppel- oder Triplechance. Bochum kriegt den Ball nicht aus der Gefahrenzone, 96 jedoch kann mehrere Einschussmöglichkeiten hintereinander nicht nutzen.

55.: Nächster Hochkaräter für Hannover: Bruggink per Ecke von links, Eggimann geht entschlossen zum Ball, aber Heerwagen pariert gut.

60.: Das gibt's ja nicht: Eine Chance für den VfL! Mavraj legt mit dem Ball am Fuß einen Sprint hin und zieht aus halblinks einfach mal ab. Fromlowitz lenkt den Schuss ins kurze Eck in die Torauslinie.

Fazit: Das war's! Hannover gewinnt mit 3:0 und hält die Klasse. Gastgeber Bochum ist nach einer katastrophalen Vorstellung hingegen abgestiegen.

Der Star des Spiels: Karim Haggui. Offensiv war Bruggink mit einem Tor und einer Vorlage der überragende Mann. Eine bärenstarke Vorstellung bot aber auch Haggui in der Innenverteidigung. Der Tunesier räumte in der Defensive mit Bravour ab, war bei den Bochumer Angriffen vor allem vor der Pause immer mit der richtigen Idee, eine Situation zu klären, zur Stelle.

Die Gurke des Spiels: Milos Maric. Sollte gemeinsam mit Azaouagh im Zentrum die Fäden im Mittelfeld ziehen, doch Maric, der den defensiven Part übernahm, stand neben sich und ließ vor allem Arnold Bruggink viel Raum zur Entfaltung.

Die Pfeife des Spiels: Manuel Gräfe. Behielt beim Abstiegsendspiel kühlen Kopf und ließ die Emotionen nie hoch kochen. Allerdings machten auch beide Mannschaften es dem Berliner sehr leicht und lieferten sich ein faires Duell. Strittig war lediglich die Szene in der 27. Minute, als Haggui Maltritz zu Fall brachte. Ein Elfmeter wäre drin gewesen, Gräfes Pfiff blieb aus.

Die Lehren des Spiels: Mit der Benennung von Dariusz Wosz als neuen Trainer des VfL wollten die Verantwortlichen noch einmal ein Signal setzen. Wosz arbeitete in der Vorbereitung zu den Spielen in München und gegen Hannover mehr an der Psyche als an Taktik und Physis. Gebracht hat es nichts.

Bochum zeigte sich zwar gegen Hannover bemüht, aber für ein Abstiegsfinale vor dem eigenen Publikum war das zu wenig. Das frühe 0:1 brachte die Gastgeber aus dem Konzept und Trainer Wosz, der eigentlich Euphorie auslösen sollte, saß knieend und kopfschüttelnd an der Seitenlinie. Nicht das beste Signal. Jetzt wird der Verein für den Wiederaufbau einen neuen Coach suchen.

Ein ganz anderes Bild gab Hannover ab: Den Schwung vom 6:1 gegen Mönchengladbach retteten die Niedersachsen nach Bochum und zeigten sich im Gegensatz zum VfL selbstbewusst.

Trainer Mirko Slomka, dessen Verbleib trotz des Klassenerhalts nicht sicher ist, hat zum Saisonfinale die richtige Mischung aus Defensive und Offensive gefunden. Die Maßnahme, Hanno Balitsch auf die linke Seite zu stellen, ging genauso auf wie das Vertrauen in Mike Hanke, der seine beiden Saisontore an den letzten beiden Spieltagen erzielte.

Slomka studierte mit seiner Mannschaft in der Woche, wie sie in den verschiedenen Situationen zu reagieren hat. Das 3:0 war keine Offensivgala, aber genau das war das Erfolgrezept. Anders beim VfL: Teilweise wussten die Spieler wie schon unter Heiko Herrlich nicht, welche Rolle sie im taktischen Schema übernehmen sollen.

Bochum - Hannover: Daten zum Spiel

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