Bundesliga - 30. Spieltag

Hannover wird für Schalke zum Albtraum

Von Haruka Gruber / Stefan Moser
Samstag, 10.04.2010 | 17:34 Uhr
Schalke-Torhüter Neuer machte in Hannover kein gutes Spiel und musste vier Mal hinter sich greifen
© Getty
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Der FC Schalke 04 hat mit dem 2:4 (0:2) bei Hannover 96 einen erneuten Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft hinnehmen müssen.

Vor 49.000 Zuschauern in der ausverkauften AWD-Arena erzielte Hannovers Hanno Balitsch (80.) das entscheidende Tor. Zuvor trafen Heiko Westermann (per Eigentor, 17.) und Didier Ya Konan (29.) für Hannover. Ya Konan machte mit seinem zweiten Treffer alles klar (92.)

Auf Seiten der Schalker erzielten Edu (46.) und Ivan Rakitic (52.) die Treffer.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Hannover wesentlich offensiver als in Hamburg, für die verletzten Stajner und Andreasen spielen Kone und Elson. Bei Schalke ersetzt Zambrano den Grippe-geschwächten Rafinha, der zunächst auf der Bank sitzt. Außerdem beginnt Hao für Edu und Schmitz für den gesperrten Bordon.

17., 1:0, Westermann (ET): Was für ein krummes Ding! Elson haut einen Ball von der Mittellinie in den Strafraum. Der aufgerückte Schmiedebach ist halbrechts plötzlich 10 Meter vor dem Kasten frei, will den Ball quer legen - und trifft Westermann, der den Ball mit dem Knie vorbei an Neuer ins Tor abfälscht.

20.: Rakitic mit dem Freistoß von halblinks, Matip verlängert am Elfer und Kuranyi fährt das lange Bein am Fünfer aus. Er verpasst den Ball aber knapp.

22.: Elson von halblinks. Neuer unterschätzt die Hereingabe, Eggimann kommt am Fünfer dran, setzt den Kopfball aber oben aufs Tornetz.

29., 2:0, Ya Konan: Patzer von Neuer! Schmiedebach mit einem feinen Pässchen von der Mittellinie in die Gasse für Ya Konan. Der nimmt den Ball 20 Meter vor dem Tor sauber aus der Luft an. Schmitz will sich der Sache annehmen, doch Neuer stürmt unnötig aus dem 16er. Ya Konan reagiert geistesgegenwärtig - und schiebt dem Keeper die Kugel lässig durch die Hosenträger ins Tor.

30.: Magath reagiert sofort, bringt Edu für Matip und stellt auf ein flaches 4-4-2 mit Kuranyi und Edu als Stürmer um. Hao plötzlich rechts, Farfan links.

Halbzeit-Fazit: Schalke mit fast 60 Prozent Ballbesitz, aber ungewohnte Fehler in der Abwehr und von Neuer führten zum 0:2-Rückstand.

46., 2:1, Edu: Der wenige Sekunden zuvor eingewechselte Rafinha macht das Spiel schnell, spielt mit Dampf in die Spitze zu Kuranyi. Der leitet mit dem Rücken zum Tor direkt auf Edu weiter, der halbrechts plötzlich viel Platz hat. Mit links schnibbelt er den Ball aus zwölf Metern bärenstark ins lange Eck. Schöner Treffer!

52., 2:2, Rakitic: Eggimann rasiert Farfan im Strafraum, klarer Strafstoß. Rakitic verwandelt den Elfer sicher ins linke Eck. Sein fünfter Saisontreffer.

58.: Pfosten! Kone setzt sich halblinks gegen Höwedes und Westermann durch und schießt aus 15 Metern mit der Pike aufs kurze Eck. Neuer ist geschlagen, der Ball klatscht ans Alu.

73.: Farfan setzt sich auf links durch und bringt die Flanke an den Fünfer. Kuranyi steigt hoch, aber Haggui hängt ihm im Kreuz und stört ihn. Hätte Elfmeter geben müssen.

80., 3:2, Balitsch: Was für ein Hammer! Konter für Hannover, Chahed marschiert über rechts und legt an den Sechzehner zurück. Baltisch nimmt den Ball und zimmert ihn humorlos unters Dach. Keine Chance für Neuer!

92., 4:2, Ya Konan: Hannover macht den Deckel drauf! Bruggink schickt Ya Konan auf die Reise. Wieder ist Neuer zu weit draußen, Ya Konan lässt ihn mit dem "Bauerntrick" aussteigen und schiebt aus 20 Metern ins leere Tor.

Fazit: Nach einer niveauarmen ersten Hälfte verlief die zweite Halbzeit höchst dramatisch. Erst kam Schalke zurück - nur um doch noch die entscheidenden Gegentreffer zu kassieren.

Der Star des Spiels: Hanno Balitsch. Der Rebell, der Quertreiber, der Angeschlagene, der Unzufriedene. Und gegen Schalke zu Beginn: der Reservespieler. Wurde dann aber doch für den verletzten Schmiedebach eingewechselt - und war der Garant für Hannovers Erfolg. Gab trotz Schalkes Aufholjagd nicht auf, ging in den Zweikämpfen voran und erzielte das schöne 3:2. Normal polarisiert Balitsch wie kaum ein Zweiter bei 96. Am Samstag gibt es ausnahmsweise keine geteilten Meinungen.

Die Gurke des Spiels: Manuel Neuer. Ohne die abgedroschene Diskussion um die Nummer eins im DFB-Tor bemühen zu wollen: Diese Leistung war kein Bewerbungsschreiben. Erst mit schlechtem Timing in der Strafraumbeherrschung, wenig später mit einem kapitalen Aussetzer vor dem 0:2. Wirkte insgesamt unsicher und verlieh der ungewohnt unsicheren Schalker Abwehr keinerlei Sicherheit. Übertreibt es mittlerweile beim Herauslaufen und riskiert schlichtweg zu viel. So wie beim 2:4.

Die Pfeife des Spiels: Peter Gagelmann. Hatte lange keine Probleme mit der Spielführung, auch die Elfmeterentscheidung zugunsten der Schalker war berechtigt. Hätte jedoch in der zweiten Hälfte erneut einen Strafstoß für S04 pfeifen müssen, als Haggui Kuranyi im Kopfballduell runterdrückte.

Die Lehren des Spiels: Es ist eine Tendenz, die sich in der Rückrunde so langsam zementiert: Schalke hat Probleme mit der Konzentration. Sei es wegen des Titelkampfs oder wegen der Belastung der letzten Wochen, erneut musste S04 erst in Rückstand liegen, bevor die Mannschaft aufwachte und zielstrebiger nach vorne spielte.

Was auffällt: Die Abwehr wirkt nicht mehr so unüberwindbar - womöglich auch wegen der fast schon exzessiven Umstellungen in der Viererkette. Schmitz hat hinten links die Sicherheit verloren, genauso Zambrano, der als Aushilfs-Rechtsverteidiger erneut eine Fehlbesetzung war. Zu allem Überfluss ließen sich die Innenverteidiger Höwedes und Westermann von Neuers Fehlern anstecken. Das 2:3 als Blaupause für die Unordnung bei Schalke.

Und offensiv? Die Umstellung auf ein flaches 4-4-2 half Farfan und Hao, ins Spiel zu kommen, dennoch fehlen von Standards und Flanken abgesehen nach wie vor die Mittel. Edus schönes 1:2 sollte nur eine Ausnahme sein.

Hannover hingegen krönte eine überraschend couragierte Leistung. Fußballerisch ist es weiterhin sehr dürftig, aber dass 96 nicht wie so oft in dieser Saison nach Schalkes 2:2 einbrach, sondern dagegenhielt und am Ende sogar weitere Tore erzielte, war den psychisch labilen Niedersachen nicht zuzutrauen. Ein Hoffnungsschimmer für den Abstiegskampf.

Hannover - Schalke: Daten zum Spiel

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