Bundesliga - 28. Spieltag

Bayern verliert Fokus auf die Bundesliga

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Thomas Gaber
Samstag, 27.03.2010 | 22:16 Uhr
Lange Gesichter nach der ersten Heimpleite: Van Bommel, Schweinsteiger, Klose und Ribery (v.l.)
© Getty
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Der FC Bayern geht vor den Do-or-Die-Spielen gegen Manchester United und Schalke 04 auf dem Zahnfleisch. Franck Ribery und Arjen Robben fit zu kriegen, wird ein Wettlauf gegen die Zeit. Doch die Münchner machen sich Mut und haben noch ein Ass im Ärmel.

In der 43. Minute gab es vereinzelte Jubelschreie aus der Bayern-Kurve. Eigentlich zur Unzeit, schließlich hatte der VfB Stuttgart gerade eben den Ausgleich erzielt.

Christian Träschs Treffer war offenbar der entscheidende Impuls für Bayern-Trainer Louis van Gaal, seine besten Pferde im Stall auf die Weide zu schicken. Arjen Robben und Franck Ribery machten sich kurz vor der Pause auf den Weg in die Kabine.

Als Schiedsrichter Florian Meyer die zweite Halbzeit anpfiff, standen beide auf dem Platz. Volle Kraft voraus, am besten über die Flügel. Wenn er es nicht eh schon getan hat, sollte der VfB schnellstens sein Testament verfassen.

Robbens Einsatz gegen United unwahrscheinlich

Es kam anders. Der in der ersten Halbzeit indisponierte Khalid Boulahrouz stellte Ribery weitgehend kalt und Cristian Molinaro blüht erst richtig auf, wenn er einen vernünftigen Gegenspieler hat. "In der ersten Halbzeit wusste Cristian nicht, wo er hinlaufen soll. Als Robben kam, hatte er endlich einen Gegenspieler, auf den er sich einstellen konnte", sagte VfB-Torhüter Jens Lehmann.

Molinaro gehört zu einer seltenen Spezies. Die Zahl der machtlosen Linksverteidiger ist hoch, wenn sie sich auf Robben einlassen. "Khalid und Cristian haben das sehr gut gemacht und wurden von den defensiven Mittelfeldspielern auch gut unterstützt", sagte VfB-Coach Chrstian Gross.

Gute Gegenspieler sind das eine, fehlende geistige und körperliche Fitness das andere. Ribery schlägt sich seit Wochen mit einer hartnäckigen Sprunggelenksverletzung herum und Robben zwickte es vor dem Spiel in der linken Wade. Nach einem kurzen Sprint in der Schlussphase sackte er in sich zusammen und griff sich an eben jenes Körperteil.

Die Diagnose ist nicht tragisch, in Zeiten englischer Entscheidungswochen für die Bayern aber kaum zu ertragen: Zerrung in der Wade, Einsatz am Dienstag gegen Manchester United sehr unwahrscheinlich.

Bayern geht die Puste aus

Das Pokalspiel auf Schalke und die Partie gegen Stuttgart haben die Bayern viel Substanz gekostet. Die Münchner gehen schon nach dem ersten Drittel der sechs Highlights im Drei-Tage-Rhythmus auf dem Zahnfleisch. Der Spagat zwischen den Wettbewerben macht Probleme, der Fokus auf die Bundesliga ist verloren gegangen. Uli Hoeneß' warnende Worte, die Meisterschaft sei das Wichtigste, können da nichts ändern.

"Wir hatten die Kontrolle über das Spiel, aber uns hat am Ende die Frische und die Spritzigkeit gefehlt", sagte Kapitän Mark van Bommel. Auch van Gaal unkte, dass "das Schalke-Spiel Einfluss auf unsere Leistung gegen Stuttgart genommen hat".

Spieler wie Thomas Müller oder Holger Badstuber benötigen dringend eine Pause, das Programm lässt Experimente aber nicht zu. Manchester United steht für sich und Tabellenführer Schalke 04 hätte bei einem Sieg gegen Bayern schon fünf Punkte Vorsprung.

Durch die Kraftakte in den Pokalwettbewerben laufen die Bayern Gefahr, innerhalb kürzester Zeit die ganze Bundesligasaison wegzuwerfen. Aus den letzten sechs Spielen holten sie nur acht Punkte. Noch dazu betont van Gaal immer wieder, dass er seine verletzten Spieler und insbesondere Ribery in den Bundesligaspielen aufbauen muss. Dem Rhythmus der Mannschaft ist das abträglich.

Van Bommel macht Mut

Anfang der Woche hatten sich van Gaal und van Bommel noch darauf verlassen, Schalke und Leverkusen könnten mit dem Druck nicht umgehen. Königsblau lieferte in der BayArena den Gegenbeweis und setzt die Bayern gehörig unter Druck.

Niederlagen gegen Manchester und auf Schalke könnten den frühzeitigen K.o. in zwei Wettbewerben bedeuten. Ein möglicher Pokalsieg wäre für den ganzen Klub nur ein schwacher Trost.

Daran will und kann sich van Bommel nicht gewöhnen: "Wir haben gegen Frankfurt und Stuttgart verloren. Jetzt auch noch gegen Manchester zu verlieren, wäre schon sehr komisch."

Van Bommel macht sich und der Mannschaft Mut. "Die Champions League kann man nicht mit der Bundesliga vergleichen. Manchester wird ein ganz anderes Spiel. Florenz stand in unseren Achtelfinalspielen in der Serie A auf Platz zehn und war zwei Mal sehr stark."

Gomez will gegen Manchester spielen

Bis Dienstag müssen die Bayern Wunden lecken. Die anvisierte Wunderheilung von Robbens Wade begann unmittelbar nach dem Stuttgart-Spiel. Ribery bekommt weitere zwei Tage zur Regeneration. Martin Demichelis kam gegen den VfB zu einem Kurzeinsatz.

Auch aus dem Stürmer-Lager gibt es eine gute Nachricht. Mario Gomez hat seinen Muskelfaserriss auskuriert und wird am Sonntag erstmals wieder mit der Mannschaft trainieren. SPOX traf den Angreifer, als er seinen ehemaligen VfB-Kollegen vor dem Einsteigen in den Mannschaftsbus zum Sieg gratulierte. Auf die Frage, ob er am Dienstag spielt, antwortete Gomez mit einem klaren "Ja".

Ob der 24-Jährige schon für einen Startelf-Einsatz in Frage kommt, entscheidet van Gaal. Vielleicht hat der Coach gegen United ein glücklicheres Händchen. Die Maßnahme, Torschütze Ivica Olic statt des schwachen Miroslav Klose für Robben zu opfern, ging nicht auf.

Gegen United wird Glück den Bayern allein nicht reichen. Es bedarf einer außergewöhnlichen Leistung. Das ist den in den letzten Wochen nicht gelungen. Umso mehr brauchen die Münchner ihre Stars - in möglichst einwandfreiem Zustand. Die Zeit läuft.

Bayern - Stuttgart: Daten zum Spiel

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