Vier-Tore-Cacau schießt sich Richtung WM

SID
Samstag, 20.02.2010 | 19:51 Uhr
Cacau markierte gegen Köln seine Treffer drei bis sechs
© Getty
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Nach den besten 90 Minuten seiner Karriere lief Cacau zu den Fans, schleuderte das Trikot mit der magischen 18 in die Menge und trat Minuten später mit einem breitem Grinsen vor die Kameras.

"Ich habe mich auf das Spiel gefreut", sagte der 28 Jahre alte Nationalspieler nach dem 5:1 (3:1) des VfB Stuttgart beim 1. FC Köln. Das muss so gewesen sein.

Vier Tore erzielte der gebürtige Brasilianer und lieferte vier starke Argumente für Bundestrainer Jochim Löw, ihn mit zur WM nach Südafrika zu nehmen.

Innerhalb von 26 Minuten brachte er die Schwaben vor 45.500 Zuschauern mit einem Hattrick (13., 31. und 38.) vorentscheidend in Front und setzte nach dem 4:1 von Pawel Pogrebnjak (69.) noch einen drauf (74.).

Flick auf der Tribüne

Gesehen hat es auf der Tribüne auch Löw-Assistent Hansi Flick. "Ich muss auf dem Platz meine Leistung bringen, um meine Chancen zu wahren. Alles andere kommt dann von allein", sagte der Matchwinner auf Fragen nach der WM. Drei Wochen hatte der Stürmer vor seinem Rekordtag wegen einer Verletzung gefehlt.

Doch am Samstag agierte er wie einer, der nie eine Pause hatte. Das erste Tor war ein Abstauber, das zweite (Cacau: "Hat mir am besten gefallen") ein herrlicher Schlenzer aus 17 Metern, das dritte wieder ein Abstauber und das vierte ein trockener Flachschuss - die Saisontreffer drei bis sechs.

Zweiter Vierer-Pack

"Er war heute die bessere Nummer zehn", sagte VfB-Coach Christian Gross mit Blick auf Lukas Podolski. Der Kölner Publikumsliebling hat in der laufenden Spielzeit erst einmal getroffen und ist nun schon seit 1301 Minuten ohne Torerfolg. Doch anstatt den Augenblick voll auszukosten, ist bei Cacau Bescheidenheit großgeschrieben.

Der tiefgläubige Christ weiß immer, wem er derartige Kunststücke zu verdanken hat. "Das kommt von Jesus, er gibt mir die Kraft", sagte der zweifache Familienvater. Dass er zu derartigen Leistungen fähig ist, zeigte er bereits. Am 8. August 2004 gelangen ihm für Stuttgart beim 4:2 gegen Mainz 05 schon einmal vier Tore.

Von der Samba-Band in die Bundesliga

Auch ist Claudemir Jeronimo Baretto, der seit dem 2. Februar 2009 deutscher Staatsbürger ist, in der Lage, Widerstände zu überwinden. Als er vor zehn Jahren am Flughafen in München ankam, hatte er erst mal keine Perspektive und tourte mit einer Samba-Band.

Grasshopper Zürich oder Bayern München hielten ihn für untauglich, Cacau kickte bei Freizeitturnieren mit, ehe er 2000 beim Fünftligisten Türk Gücü unterkam.

Im November 2001 gab er schließlich sein Bundesliga-Debüt für den 1. FC Nürnberg. Im Sommer 2006 unterschrieb Cacau beim VfB dann einen Vier-Jahresvertrag und befindet sich derzeit in Verhandlungen über ein erneutes Engagement.

Jetzt steht Barca im Vordergrund

Seit Samstag hat er Asse im Ärmel. "Wir wissen um die Qualität von Cacau, er weiß um die Qualität des VfB. Es hängt nicht alles von einem Tor ab", sagte Manager Horst Heldt mit einem Schmunzeln zu den Verhandlungen. Und Cacau erklärte dazu: "Ich habe schon gesagt, dass ich in Stuttgart bleiben möchte. Aber es muss alles passen."

Dann richtete sich der Blick auf Dienstag, zum Spiel des Jahres, dem ersten Achtelfinale gegen Champions-League-Sieger FC Barcelona. "Wir wollen für eine Überraschung sorgen, deswegen freue ich mich auf das Spiel", sagte Cacau.

Lehmann spricht Podolski Mut zu

Die Worte Champions League hatte Lukas Podolski vor der Saison auch mal in den Mund genommen, allerdings als Fernziel.

Davon ist Köln meilenweit entfernt - und Prinz Poldi zumindest zahlenmäßig auch von einer WM-Nominierung. Der ehemalige Nationaltorwart und Kollege Jens Lehmann, in Köln in Bestform, jedenfalls sprach dem lahmenden Stürmer aber Mut zu: "Lukas war nicht so schlecht. Für Poldi spricht, dass er Linksfuß ist. Cacau kommt mehr aus der Tiefe."

Köln - Stuttgart: Daten zum Spiel

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