Poldi trifft in Köln

Von Florian Bogner / Christian Günthner
Samstag, 13.09.2008 | 17:25 Uhr
Lukas, Podolski, Bayern
© Getty
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Der FC Bayern München hat sich auch am 4. Spieltag der Bundesliga beim 1. FC Köln schadlos gehalten und dank der Kaltschnäuzigkeit von Weltmeister Luca Toni mit 3:0 (0:0) gewonnen. Lukas Podolski sorgte vor "seinem" Publikum für den Schlusspunkt.

Vor 50.000 Zuschauern im Kölner RheinEnergieStadion war Toni mit zwei Treffern einmal mehr der Sieggarant für den deutschen Rekordmeister.

Das 1:0 erzielte der 31-Jährige nach einem Freistoß von Bastian Schweinsteiger (53.), beim 2:0 profitierte er von der guten Vorarbeit von Ze Roberto und des eingewechselten Podolski (60.). Das dritte Tor erzielte Podolski dann auf Vorarbeit von Toni (90.+1).

Klinsi freut sich mit Poldi

"Wir wussten, dass es gegen das Abwehrbollwerk sehr schwer werden würde. Wichtig war das erste Tor. Danach war es nur noch eine Frage der Zeit, wann das zweite fällt. Der Sieg ist auch in der Höhe absolut verdient. Es hätte auch 6:0 ausgehen können", meinte FCB-Coach Jürgen Klinsmann und freute sich mit Podolski:

"Es freut mich besonders, dass er hier vor dem Kölner Publikum getroffen hat. Sein Weg beim FC Bayern geht nach vorne."

Oddo feiert Debüt

Köln bot eine ordentliche Leistung, konnte die erneunt als Dreierkette formierte Bayern-Abwehr insgesamt aber kaum fordern. "Nur in der Schlussphase haben wir ein Bild abgegeben, das ich mir überhaupt nicht wünschte", sagte Chefcoach Christoph Daum. Bayern ließ in der Schlussphase einige Konterchancen liegen, hätte durchaus noch höher gewinnen können. Es war bereits der siebte Bundesliga-Sieg in Köln in Folge.

Bei den Gästen feierte Neuzugang Massimo Oddo im zweiten Durchgang sein Bundesliga-Debüt, konnte aber keine großen Akzente setzen. Mit acht Punkten aus vier Spielen schob sich der FC Bayern auf den zweiten Tabellenplatz vor und bleibt in Schlagdistanz zum neuen Spitzenreiter Hamburg.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Der FC Bayern wieder im 3-5-2, Kapitän van Bommel und Neuzugang Oddo überraschend nur auf der Bank. Neben ihnen: Podolski. Bei Köln spielt McKenna für Kapitän Özat, dessen Krankheitsbild immer noch Fragen aufwirft.

13.: Toni legt eine Freistoßflanke von Schweinsteiger am Fünfer quer, Antar klärt in höchster Not vor dem einschussbereiten Van Buyten.

20.: Lahm von links flach auf Schweinsteiger. Der leitet auf Ze Roberto weiter, dessen Schuss vom Elfmeterpunkt ist zu harmlos. Mondragon sicher.

36.: Petit schlenzt den Ball an den langen Pfosten, wo sich McKenna im Kopfballduell mit Lahm durchsetzt und in die Mitte legt. Demichelis rettet im letzten Moment mit der Fußspitze vor zwei Kölnern.

53., 0:1, Toni: Freistoß Schweinsteiger von rechts. Geromel erstmals einen Schritt zu langsam und schon ist Toni da und köpft aus vier Metern ein.

54.: Chihi prüft Rensing aus spitzem Winkel, der Kahn-Nachfolger pariert stark.

57.: Podolski wird für den abermals blassen Klose eingewechselt und wird vom Kölner Publikum mit Applaus begrüßt.

60., 0:2, Toni: Podolski schickt Ze Roberto steil, Geromel grätscht ins Leere. Ze Roberto legt quer auf Toni, der alleine vor Mondragon cool bleibt und links unten einschiebt. Drittes Saisontor.

84.: Podolski wird links steil geschickt, legt in die Mitte. Mondragon mit den Fingerspitzen dran, verhindert so den Hattrick von Toni, der den Ball an den Oberschenkel bekommt und deswegen neben das Tor setzt.

86.: Konter der Bayern, drei Mann frei vor Mondragon. Ze Roberto übersieht Podolski und Toni großzügig, umspielt den FC-Keeper und bringt das Kunststück fertig, das leere Tor zu verfehlen.

90.+1, 0:3, Podolski: Ze Roberto lang auf Toni. Der schiebt den Ball an Mondragon vorbei, Podolski drückt ihn letztendlich über die Linie. Wie erwartet kein Torjubel, Podolski bleibt liegen, das Kölner Publikum feiert "seinen" Prinzen.

So lief das Spiel: Sehr überschaubarer Beginn mit sehr defensiven Kölnern und nur zaghaften Offensivaktionen der Gäste. Erst nach gut 15 Minuten gelang es dem FC Bayern, den Ball besser laufen zu lassen und sich Chancen zu erarbeiten. Kölns Defensive stand jedoch sicher. Nach vorne operierte der FC fast nur mit langen Bällen auf Novakovic, mit der die Bayern-Dreierkette aber kaum Probleme hatte.

Der zweite Durchgang begann leidenschaftlicher, vor allem weil Köln mehr ins Spiel nach vorne investierte. Prompt fiel jedoch die Führung für die Gäste. Nach dem 2:0 kontrollierte Bayern das Geschehen unaufgeregt, Köln fehlten im Spiel nach vorne die Mittel. Am Schluss konterte der Meister den müden Aufsteiger aus und hätte sogar noch höher gewinnen können.

Der Star des Spiels: Luca Toni. 53 Minuten lang bei Geromel und Mohamad unglaublich gut aufgehoben. Dann passte Geromel einmal nicht auf und Toni traf. Beim 2:0 traf er fast schon gerdmülleresk. Seine Fähigkeit, immer am richtigen Fleck zu stehen, bringt gegnerische Fans zum Weinen.

Die Gurke des Spiels: Der Freistoß-Trick der Bayern in der 38. Minute. Ze Roberto führt aus, spielt kurz zu Schweinsteiger. Der stoppt den Ball nicht, sondern lässt ihn mit der Sohle nach hinten durch laufen. Problem 1: Daniel van Buyten, der dahinter eigentlich schießen sollte, pennte. Problem 2: Schweini legte viel zu kurz nach hinten. Problem 3: Die Kölner rochen den Braten. Ergebnis: Pressschlag zwischen van Buyten und dem rausgelaufenen Chihi plus schallendes Gelächter von den Rängen.

Die Lehren des Spiels: Bayerns 3-5-2 ist flexibler als man dachte - wenn es funktioniert. Bei Ballbesitz Köln ließen sich Lahm (links) und Lell (rechts) auf eine Höhe mit der Dreierkette fallen, Ze Roberto schob nach innen und räumte zusammen mit Ottl ab.

Das Problem daran: Bei Balleroberung stehen so zu viele Bayern hinter dem Ball, es dauert seine Zeit, bis die Außen wieder aufrücken. Schnell lässt sich damit kaum nach vorne spielen. Zudem ist das Spiel so für alle fünf Mittelfeldspieler extrem laufintensiv.

Köln muss man hingegen den Vorwurf machen, dass es viel zu eindimensional nach vorne spielt. Fast alle Zuspiele aus dem Mittelfeld kommen von Petit und werden irgendwie lang und diagonal auf Novakovic geschlagen. Damit ist gegen Weltklasseverteidiger vom Format eines Martin Demichelis nicht viel auszurichten.

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