Fussball

Souveräner Bayern-Sieg in Bochum

Von Daniel Börlein/Andreas Allmaier
Stansilav Sestak kommt gegen Philipp Lahm einen Schritt zu spät
© Getty

Der FC Bayern München hat seine Pflichtaufgabe beim VfL Bochum souverän erfüllt und die Gastgeber mit 3:0 (1:0) bezwungen.

Im ausverkauften Bochumer Stadion erzielten Ze Roberto (32.), Philipp Lahm (60.) und Martin Demichelis (90.) die Treffer für den Rekordmeister, der damit den ersten Auswärtssieg seit November 2008 landete.

In Halbzeit eins taten sich die Münchner gegen defensiv eingestellte Bochumer noch schwer, nach dem Platzverweis für Marc Pfertzel (48.) nutzten die Bayern die sich bietenden Räume besser und vergaben am Ende einen höheren Sieg.

Durch den Dreier bleibt der FCB weiterhin auf dem zweiten Platz, der VfL rangiert nun auf Platz 15.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Bei den Bayern fehlen weiterhin Ribery, Toni, Borowski und Altintop. Dafür rückt Ze Roberto auf den linken Flügel und Demichelis ins defensive Mittelfeld. Rechts verteidigt Lell statt Oddo. Der VfL muss auf Klimowicz verzichten, für den Argentinier beginnt Mieciel. In der Innenverteidigung gibt Fabian sein Startelf-Debüt.

13.: Sestak bringt den Ball zu Dabrowski, der sich durch die Abwehr tankt und plötzlich alleine vor Rensing zum Schuss kommt - doch der Bayern-Keeper kommt heraus und hält den Ball klasse mit der Brust.

31.: Es geht nicht weiter bei Miroslav Klose! Der Stürmer humpelt mit zwei Betreuern in die Katakomben. Klinsmann bringt Sosa.

32., 0:1, Ze Roberto: Pfertzel verliert das Kopfballduell im Strafraum gegen van Buyten. Ze Roberto kommt aus 14 Metern zum Schuss, trifft den Ball voll und zimmert die Kugel ins rechte Eck. Nichts zu halten für Keeper Fernandes.

48.: Rote Karte für Pfertzel! Der Bochumer bringt Sosa im Strafraum zu Fall. Notbremse und Elfmeter! Den Strafstoß setzt Podolski allerdings halbhoch links neben das Tor.

50.: Die Bayern nicht geschockt, legen gleich nach. Sosa zieht aus 15 Metern ab, Fernandes klärt den tückischen Aufsetzer zur Ecke.

60., 0:2, Lahm: Schweinsteiger mit einem feinen Pass in den Strafraum, Lahm zieht zur Mitte und netzt aus 12 Metern rechts unten ein.

67.: Podolski zieht von der Strafraumgrenze einfach mal ab. Gefährliches Ding, doch der Ball streicht haarscharf am rechten Pfosten vorbei.

72.: Demichelis bedient Sosa, der zieht aus elf Metern ab und verfehlt das Tor nur knapp. Der Ball geht am linken Pfosten vorbei ins Toraus.

90.: 0:3, Demichelis: Fünf Bayern gegen drei Bochumer: Lahm spielt links raus auf Podolski, der bedient Demichelis in der Mitte und der Argentinier schießt unbedrängt ein.

So lief das Spiel: Sehr gemächlicher Beginn beider Teams, kaum Tempo im Spiel. Bochum erwartete die Bayern erst ab der Mittellinie, attackierte dann aber sehr aggressiv. Der Rekordmeister schob die Kugel in der eigenen Hälfte hin und her, weil sich vorne kaum Anspielstationen boten. Dennoch Bayern mit den weitaus größeren Spielanteilen. Die Führung fiel dennoch aus dem Nichts. Erst danach bot der FCB bessere Ballpassagen. Insgesamt aber eine alles andere als unterhaltsame erste Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das relativ schnell. Pfertzel foulte den durchgebrochenen Sosa und sah dafür die Rote Karte.

Podolski vergab den folgenden Elfmeter zwar, doch fortan lief der Ball bei den Bayern weitaus flüssiger, wodurch sich die Münchner zahlreiche Torchancen erspielten. Der VfL wehrte sich in der Schlussphase kaum noch und konnte am Ende froh sein, dass die Niederlage nicht noch deutlicher ausfiel.

Der Star des Spiels: Ze Roberto. Der Brasilianer erzielte seinen vierten Saisontreffer. Schon im Hinspiel gegen Bochum hatte Ze Roberto doppelt getroffen. War überdies der agilste Bayern-Spieler. Versuchte häufig, das in der ersten Halbzeit lahme Tempo im Spiel der Münchner zu erhöhen und sorgte durch viele Positionswechsel im Mittelfeld für die eine oder andere Lücke im Bochumer Bollwerk.

Die Gurke des Spiels: Stanislav Sestak, stellvertretend für die Bochumer Offensive. Der Slowake versprühte wie die komplette Abteilung Attacke des VfL null Torgefahr und machte es der in der Vergangenheit ja nicht immer sattelfesten Bayern-Abwehr doch sehr leicht.

Die Lehren des Spiels: Nach den beiden Leckerbissen gegen Hannover und Lissabon zuletzt bot der FC Bayern gegen den VfL zumindest eine Halbzeit lang doch eher biedere Hausmannskost. Allerdings muss das in einem Spiel bei einem Abstiegskandidaten nach einer englischen Woche auch mal erlaubt sein. Und so kontrollierte der Rekordmeister von Beginn an die Partie, ohne Risiko zu gehen, und schlug dann mit individueller Klasse zu. Nach der Pause steigerte sich der FCB deutlich und vergab in der Schlussphase gegen wehrlose Bochumer gar noch einen höheren Sieg.

Allerdings dürfen auch die Probleme der Bayern vor der Pause nicht unerwähnt bleiben. Die Klinsmann-Elf tut sich doch auffällig schwer, einen defensiv eingestellten Gegner auseinander zu spielen. Mit van Bommel und Demichelis in der Zentrale fehlt das Überraschungsmoment und das Tempo im Spiel in die Spitze. Schweinsteiger läuft sich zu häufig fest und drängt zudem meist in die Mitte.

Und die Stürmer? Die sind schlecht aufeinander abgestimmt. Bei einem derart defensiv eingestellten Gegner müssen die beiden Angreifer ständig kreuzen und abwechselnd kurz kommen bzw. in die Tiefe gehen. Bei Podolski und Klose war davon allerdings nur selten etwas zu sehen. So blieb oft nur Ze Roberto, der mit Ballsicherheit und Tempodribblings mal zwei, drei Mann auf sich zog und so Lücken schaffte.

Da sich die Bayern nach dem Platzverweis für Pfertzel doch deutlich steigerten, kann man über die Schwächen in Halbzeit eins allerdings locker hinwegschauen. Im zweiten Durchgang zeigten die Bayern, wozu sie im Stande sind, wenn sich Räume bieten. Die Kugel lief gut, phasenweise sogar ähnlich brillant wie gegen Sporting. Lediglich in Sachen Chancenverwertung konnte man nicht ans Lissabon-Spiel anknüpfen.

Bochum - Bayern: Alle Daten & Fakten

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