Fussball

Bayer bleibt Bayer

Von Daniel Börlein/Andreas Lehner
Christoph Dabrowski (Nummer 5) brachte den VfL Bochum gegen Bayer mit 1:0 in Führung
© Getty

Bayer Leverkusen ist im Heimspiel gegen den VfL Bochum nicht über ein 1:1 (0:1) hinausgekommen und verliert somit weiter Boden im Kampf um einen UEFA-Cup-Platz.

Vor 26.000 Zuschauern in Düsseldorf brachte Christoph Dabrowski die Gäste mit seinem sechsten Saisontreffer in Führung (32.), ehe Patrick Helmes mit seinem 17. Tor den Ausgleich per Handelfmeter besorgte (66.).

Vorher hatte Verursacher Mergim Mavraj wegen des Handspiels die Gelb-Rote Karte erhalten. "Mergim hat bis dahin ein sehr gutes Spiel gemacht, kein Vorwurf an ihn", sagte Torschütze Dabrowski.

Völler "Ungenügende Chancenverwertung"

Während Bochum weiterhin auf den ersten Auswärtssieg der Saison wartet und auf dem 14. Platz bleibt, rutschte Leverkusen auf Rang sieben ab und liegt nun schon fünf Punkte hinter Platz fünf.

"Man hat schon gemerkt, dass der ein oder andere Spieler schwere Beine hatte, aber das darf keine Entschuldigung sein. Man kann es immer nur auf die Chancenwertung schieben: Die war heute ungenügend  - wir haben leider nur ein Tor gemacht und das war zu wenig", sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler nach der Partie.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Leverkusen beginnt mit der Elf, die den FC Bayern im DFB-Pokal phasenweise zerlegte. Beim VfL rückt Concha für Schröder ins Team. Klimowicz hat seine Sperre abgesessen.

24.: Traumhafter Pass von Renato Augusto auf Kießling. Der steigt zunächst etwas unbeholfen auf den Ball, lässt dann Mavraj ins Leere rutschen und hämmert das Ding aus 13 Metern knapp über die Latte.

32., 0:1, Dabrowski: Freistoß durch Fuchs von rechts mit Zug zum Tor. Dabrowski läuft Kießling und Kadlec weg und köpft aus fünf Metern ein. Sein sechstes Saisontor.

34.: Langer, diagonaler Freistoß von Castro in den Strafraum. Imhof verlängert vor dem Strafraum unglücklich. Der Ball landet bei Helmes, der verzieht aus fünf Metern. Kießling rutscht in der Mitte auch noch vorbei.

37.: Barnetta bringt die Ecke, am ersten Pfosten verlängern Kießling und Pfertzel in Personalunion. Rolfes kommt am langen Pfosten nicht richtig hinter den Ball und köpft die Kugel knapp vorbei.

41.: Freistoß für Bayer: Kadlec legt auf Helmes quer, der schießt Kießling im Strafraum ab. Von dort springt die Kugel zu Sinkiewicz, der aus acht Metern Fernandes anschießt. Den muss er machen.

60.: Fuchs setzt sich auf links gegen Castro durch und spielt den Ball flach zur Mitte. Am vorderen Fünfereck nimmt Epalle den Ball direkt, aber Adler taucht den Ball aus dem kurzen Eck.

64.: Mavraj blockt im Strafraum eine Flanke mit dem rechten Arm ab. Dafür gibt's Gelb-Rot und Elfmeter für Bayer.

66., 1:1, Helmes: Der Nationalspieler haut die Kugel rechts unten ins Eck. Fernandes fliegt nach links.

79.: Renato Augusto bringt die Ecke von rechts. Henrique stiehlt sich im Rücken von Fuchs weg, setzt den Kopfball aus sechs Metern aber hauchdünn neben den linken Pfosten.

83.: Castro mit einem langen Diagonalball in den Strafraum. Pfertzel springt unten durch, aber Fernandes taucht Henriques Kopfball aus dem linken Eck. Henrique bekommt auch den Abpraller, aber wieder ist Fernandes beim Schuss aus sechs Metern reaktionsschnell.

So lief das Spiel: Bochum begann mutig und attackierte Leverkusen früh. So brauchte Bayer eine Viertelstunde, um ins Spiel zu kommen und die Kontrolle zu übernehmen. Allerdings entwickelte sich erst Mitte der ersten Halbzeit ein ansehnliches Fußballspiel, in dem es die Gastgeber durch fahrlässige Chancenverwertung verpassten, die überraschende aber nicht unverdiente Bochumer Führung noch vor dem Seitenwechsel auszugleichen.

Nach der Pause übernahm Bayer schnell das Kommando, die besseren Möglichkeiten hatte zunächst aber der VfL. Nach der Gelb-Roten Karte und dem Ausgleich drängte Bayer vehement auf das 2:1, scheiterte allerdings am eigenen Unvermögen oder am überragenden Fernandes.

Der Star des Spiels: Daniel Fernandes. Bochums Schlussmann ist sicherlich einer der durchschnittlicheren Keeper in der Liga. Gegen Bayer war der Portugiese allerdings bärenstark. Vor allem gegen Sinkiewicz und Henrique rettete Fernandes den Gästen mit zwei Weltklasse-Paraden den einen Punkt.

Die Gurke des Spiels: Mergim Mavraj. Bochums Innenverteidiger machte keine schlechte Partie. Bis zu seinem Aussetzer in der 64. Minute. Völlig unnötig spielte Mavraj den Ball bei einem Kopfballduell mit Kießling mit der Hand. Helmes ließ sich dieses Geschenk nicht entgehen, und Mavraj kassierte zu allem Überfluß auch noch Gelb-Rot.

Die Lehren des Spiels: Leverkusen hat ein unglaubliches Potenzial, gezeigt zuletzt beim starken Auftritt gegen den FC Bayern. Leverkusen plagt sich allerdings auch mit einem Phlegma herum, das gegen Bochum nicht zum ersten Mal in dieser Saison zum Vorschein kam.

Für die Bayer-Elf unüblich überließ man den Bochumern zunächst das Geschehen, ließ sich von deren Forechecking beeindrucken und verzichtete selbst aufs Pressing. Einmal mehr gewann man den Eindruck, dass sich Leverkusen gegen kleine Teams nur schwer motivieren kann.

Erst nach dem Gegentreffer wachten die Gastgeber auf und spielten ihre Stärken (Ballkontrolle, Positionswechsel, Tempodribblings) besser aus, häufig allerdings viel zu uninspiriert, emtionslos und ohne den letzten Biss. So wird Bayer in dieser Saison kein Spitzenteam mehr.

Der VfL machte geschickt die Räume dicht und überraschte Bayer immer wieder mit aggressivem Pressing, so dass die Gastgeber lange brauchten, um den Ball nach vorne zu tragen. So kann es Bochum jedem Gegner schwer machen.

Die eigene Offensivabteilung strahlt allerdings viel zu wenig Torgefahr aus. Klimowicz musste früh raus, Kaloglu ist kein gleichwertiger Ersatz, so dass man meist auf Standards hoffen muss. Zudem gehen Marcel Koller nun langsam die Innenverteidiger aus. Neben den verletzten Maltritz und Yahia fehlt in der nächsten Woche auch der gesperrte Mavraj.

Leverkusen - Bochum: Daten & Fakten

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