Hecking schimpft auf Fans

Von Jochen Tittmar
Freitag, 22.08.2008 | 22:30 Uhr
Hannover, Enke, Cottbus
© Getty
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Zwei Spiele, ein Punkt, null Tore - bei Hannover 96 macht sich schon nach nur 180 Saisonminuten Ernüchterung breit. Der ambitionierte Bundesligist kam gegen Energie Cottbus nur zu einem mageren 0:0.

Die 96er mussten für den schwachen Auftritt nachhaltige Missfallensbekundungen seiner Anhänger über sich ergehen lassen. Das brachte 96-Trainer Dieter Hecking in Rage.

"Wenn einige schon nach zwei Spielen die Geduld verlieren, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Man muss weiter auf diese Mannschaft setzen, sie braucht noch Zeit", schimpfte der ansonsten so besonnene Coach.

Die Ungeduld der Fans - immerhin 34.636 wollten die Partie der beiden Auftakt-Verlierer sehen - kommt allerdings nicht von ungefähr. Verpflichtungen wie Jan Schlaudraff (Bayern München), Mikael Forssell (Birmingham City) und Mario Eggimann (Karlsruher SC) lassen die Anhängerschaft sogar vom UEFA-Pokal träumen.

Zufriedenheit hingegen bei Energie - trotz der spielerisch doch dürftigen Vorstellung. "Auswärts einen Punkt zu holen, ist nicht schlecht", sagte Cottbus' Torwart Gerhard Tremmel. Trainer Bojan Prasnikar sah sich in seiner Abwehrbeton-Taktik erneut bestätigt: "Wir wollten ein anderes Gesicht zeigen als gegen Hoffenheim. Und das haben wir geschafft."

Der SPOX-Spielfilm:

12.: Riesenchance für Hannover. Hanke legt am Fünfer quer auf Bruggink, doch der rutscht aus und bringt kein Druck hinter den Ball.

16.: Hannover wackelt. Vasiljevic taucht frei vor Enke auf. Der Nationaltorwart entschärft die Situation aber gekonnt.

32.: Zuckerpass von Bruggink auf Schlaudraff. Doch auf dem rutschigen Geläuf ist der Drehschuss zu unplatziert.

70.: Symptomatisch für das Niveau: Ismael spielt hinten einen Fehlpass ins Nichts und beschwert sich bei seinen Mitspielern.

84.: Ziebig holt sich nach einem taktischen Foul an Cherundolo die zweite Gelbe Karte ab.

88.: Konter für Cottbus: Iliev zieht aufs kurze Eck, doch Enke bleibt lange stehen und entschärft das Ding.

90.: Balitsch kommt frei zum Kopfball, doch Tremmel pariert sicher.

So lief das Spiel: Hannover in der ersten Viertelstunde klar spielbestimmend mit gutem Spiel gegen den Ball, Cottbus zu zögerlich und ungenau im Aufbau. Mitte der ersten Hälfte brach der Kombinationsfluss bei 96 ab.

In der Folge viel Leerlauf und uneffektives Ballgeschiebe auf beiden Seiten. Energie stand kompakt, die Niedersachsen fanden die Lücke nicht. Bei den wenigen Cottbuser Angriffen strahlte die 96-Defensive um Ismael wenig Sicherheit aus.

Der zweite Durchgang brachte kaum Besserung: Kaum Torszenen, wenig Spielfluss, keine Ideen. Energie zwar mit mehr Präsenz im Spiel nach vorne, die Angriffe wurden aber nicht sauber zu Ende gespielt.

Der Star des Spiels: Schiedsrichter Peter Sippel. Leistete sich im Gespann mit seinen Assistenten zwar einen kapitalen Bock, als Vasiljevic gute zwei Meter im Abseits stehend weiterspielen durfte.

Im Vergleich zu beiden Mannschaften dennoch mit der deutlich niedrigeren Fehlerquote und einer ansonsten tadellosen Leistung. 

Die Gurke des Spiels: Das Spiel selbst. Für zwei Teams, die jeweils mit einer 0:3-Niederlage in die Saison gestartet waren, war das viel zu wenig. Esprit, Spielwitz, Torchancen - Fehlanzeige. Auf beiden Seiten wartet noch viel Arbeit auf die Trainer.

Die Lehren des Spiels: Hannovers gesamtes Spiel gestaltete sich viel zu pomadig. Cottbus zeigte sein bekanntes Auswärtsgesicht: kompakt in der Defensive und auf Konter lauern. 

Das Pressing, das 96 in der Anfangsphase aufzog, wäre über die gesamte Spieldistanz gesehen der Schlüssel zum Erfolg gewesen.

Bei Cottbus zeigte die Installierung von Vasiljevic als Spielmacher für Skela keine Wirkung. Auf der Gegenseite hingen die 96-Stürmer in der Luft, da das Mittelfeld um Bruggink und Huszti keine Lücke im Bollwerk fand.

Die Einwechslung von Forssell und die Umstellung auf 4-3-3 bewirkte wenig, weil sich die drei Spitzen eher auf den Füßen standen, als sich gegenseitig zu ergänzen. Das Spiel über die Außen stellten die Hausherren im zweiten Durchgang fast vollständig ein. Von einer Fußball-Philosophie war dementsprechend nichts zu erkennen.

Tippen Sie den 2. Spieltag!

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