Bundesliga - 18. Spieltag

HSV stürmt an Tabellenspitze

Von Thomas Gaber/Stefan Rommel
Freitag, 30.01.2009 | 22:20 Uhr
Bayern-Star Franck Ribery konnte sich gegen bissige Hamburger kaum durchsetzen
© Getty
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Der Hamburger SV hat zum Auftakt der Bundesliga-Rückrunde durch einen 1:0 (1:0)-Sieg gegen den FC Bayern München zumindest bis Samstagnachmittag die Führung in der Tabelle übernommen. Mladen Petric erzielte in der 44. Minute mit seinem neunen Saisontor den Siegtreffer für die Mannschaft von Trainer Martin Jol.

Der FC Bayern verlor zum ersten Mal seit dem 6. Spieltag (0:1 in Hannover) wieder ein Bundesligaspiel, der HSV bleibt im heimischen Stadion ungeschlagen.

Klinsmann: "Zu wenig Aggressivität"

"Es war eine vermeidbare Niederlage. Speziell in der ersten halben Stunde haben wir zu wenig getan, mit zu wenig Aggressivität gespielt. Vielleicht haben wir nach dem guten Spiel geglaubt, wir könnten mit halber Kraft spielen. Aber das kann man gegen keine Mannschaft, erst recht nicht gegen den HSV", sagte Klinsmann.

Sein Kollege Martin Jol sprach von einem "sehr glücklichen, aber nicht unverdientem Sieg."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Die Bayern ohne Veränderung in der Startelf im Vergleich zur Pokal-Gala in Stuttgart. Im HSV-Angriff vertritt Paolo Guerrero den in der Bundesliga für zwei Spiele gesperrten Ivica Olic.

3.: Dicke Chance. Lell flankt von rechts. Schweinsteiger volley im Fallen aus sieben Metern. Knapp drüber.

6.: Pfosten! Trochowski aus der Distanz. Rensing streift am Ball vorbei, erwischt ihn aber gerade noch so. Der linke Pfosten rettet!

19.: Benjamin hält gegen Toni den Fuß drauf und meckert auch noch. Muss man geben.

28.: Toni dreht sich um Reinhardt, begeht dabei aber offenbar ein Foul. Der Italiener trifft, Kircher pfeift aber ab.

43.: Guerrero aus 20 Metern mit links. Aber genau auf Rensing, der ohne Probleme wegfaustet.

44., 1:0, Petric: Ribery verliert den Zweikampf gegen Jarolim. Schuss aus 23 Metern. Rensing unkonventionell, wehrt nach vorne. Petric ist da und köpft den Ball über Rensing ins leere Tor. Das neunte Saisontor des Kroaten.

46.: Petric nach Pass von Jarolim völlig frei vor Rensing, der Kroate spitzelt den Ball am Keeper vorbei. Das Ding kullert... an den linken Pfosten!

47.: Und gleich nochmal Hamburg: Pitroipa umkurvt Demichelis. Rückpass auf Guerrero, doch der nagelt aus sieben Metern am Tor vorbei.

48.: Heieiei... Ribery flankt von links. Klose lupft aus drei Metern. Rost fummelt und hat den Ball dann noch - wohl auf der Linie! Den Nachschuss von Schweinsteiger klärt Mathijsen zur Ecke.

55.: Ecke Bayern von rechts. Toni verlängert mit dem Hinterkopf. Rost schon geschlagen, aber Trochowski rettet auf der Linie.

66.: Toni auf Ribery. Der stolpert zu Klose. Schuss aus zehn Metern. Rost lenkt mit dem rechten Fuß zur Ecke.

69.: Klose legt per Kopf auf Toni ab. Der Italiener zwei Meter vor der Bude - und köpft daneben!

82.: Ribery stolpert erneut, diesmal zu Klose. Der ist vier Meter vor der Bude frei. Rost mit den Fingerspitzen, lenkt auf Boateng und der rettet auf der Linie unfreiwillig!

So lief das Spiel: Der HSV von Beginn an hellwach. Durch konsequentes Pressing und harte Zweikampfführung erspielten sich die Gastgeber ein Übergewicht. Bayern gab das Mittelfeld preis und wirkte anfangs fahrig, hatte aber die erste Großchance (3.). Beim HSV liefen die Angriffe meist über den starken Trochowski, der nur den Pfosten traf (6.).

Nach 15 Minuten erwachten die Münchner aus ihrer Lethargie und schossen in der 28. Minute ein astreines Tor durch Luca Toni, dem das Schiri-Gespann um Knut Kircher allerdings Anerkennung verweigerte. Die Gäste übernahmen in der Folge das Kommando, im Angriff fehlte es aber an der Genauigkeit im Passspiel und der letzten Entschlossenheit. Das erste reguläre Tor fiel auf der Gegenseite. Petric nutzte eine seltsame Abwehr von Bayern-Keeper Michael Rensing zum 1:0 für den HSV (44.).

Unmittelbar nach dem Wechsel verpassten Jarolim und Guerrero bei einer Doppelchance das vorentscheidende 2:0. Die Bayern reagierten gereizt und mit dem (Fast-)Tor von Klose. Es entwickelte sich ein packendes Duell mit Chancen auf beiden Seiten. Der HSV probierte es oft mit Fernschüssen, die Bayern mit spielerischen Mitteln. Der Ausgleich wäre für die Bayern aufgrund des Chancenplus' in der zweiten Halbzeit verdient gewesen.

Spieler des Spiels: Philipp Lahm. Der "beste linke Abwehrspieler der Welt" (Klinsmann) machte alles richtig. Vorbildliche Zweikampfführung, exzellente Spielantizipation, intelligentes Passspiel. Hervorzuheben ist auch die starke Leistung von Piotr Trochowski. Der Nationalspieler war Dreh- und Angelpunkt im HSV-Spiel, ackerte für drei und stellte Rensing mit seinen exzellenten Weitschüssen vor Probleme. 

Gurke des Spiels: Das Schiedsrichter-Gespann. Tonis Tor hätte zählen müssen, Mark van Bommel nach seinem überharten Einsatz gegen Jarolim schon früher Gelb sehen müssen. Kircher und Co. zudem mit kleinlicher Zweikampfauslegung und Fehlern bei Abseitsentscheidungen. Bei der Klose-Kopfball-Szene ist der Assistent allerdings freizusprechen, da auch die Fernsehbilder nicht aufklären konnten, ob der Ball in vollem Umfang hinter der Linie war.

Lehren des Spiels: Dass die Bayern nicht immer so zaubern werden wie im DFB-Pokal gegen Stuttgart, war von vornherein klar. Dass sie sich aber vor allem in der ersten Halbzeit so abkochen lassen wie in Hamburg überraschte. War es Überheblichkeit oder lag es an giftigen Hamburgern? Von beidem etwas. Die Bayern waren zu weit weg von ihren Gegenspielern, zudem lahmte das Offensivspiel. Ein offensichtlich nicht fitter Franck Ribery, dessen Einsatz wegen Wadenproblemen fraglich war, konnte dem Spiel diesmal nicht den Stempel aufdrücken.

In der zweiten Halbzeit wurde vieles besser, die Chancenverwertung war allerdings richtig mies. Exemplarisch Tonis Kopfball neben das Tor aus 1,50 Meter Entfernung. Torhüter Rensing erwischte nicht seinen besten Tag. Vor der Hamburger Führung "punchte" er den Ball Petric auf den Kopf, anstatt ihn zur Seite wegzufausten.

Der HSV spielte von Anfang das, was ihn in der Hinrunde stark machte: konsequente Zweikampfführung, kompaktes Auftreten, penibles Halten der Positionen. Jeder im Jol-Team weiß, was er zu tun hat und hält sich an die Vorgaben. Guerrero konnte Olc nicht adäquat ersetzen, hing sich aber wenigstens rein.

Am Ende war der Sieg etwas glücklich, aber nicht unverdient. In dieser Form ist der HSV ein ernstzunehmender Konkurrent für die Bayern im Kampf um die Meisterschaft.

Die Tabelle der Bundesliga

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