Bundesliga - 12. Spieltag

Woronin stürzt Spitzenreiter Hoffenheim

Von Florian Bogner / Florian Regelmann
Sonntag, 09.11.2008 | 18:50 Uhr
Bumms, da isser drin! Woronin (links) schiebt den Ball an Hoffenheim-Keeper Haas vorbei ins Netz
© Getty
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1899 Hoffenheim hat am 12. Spieltag der Bundesliga die dritte Saisonniederlage einstecken müssen und hat damit auch die Tabellenführung verloren. Bei Hertha BSC Berlin verlor das Team von Ralf Rangnick durch ein Tor von Andrej Woronin mit 0:1.

Vor 58.862 Zuschauern boten beide Mannschaften eine an Höhepunkten arme Partie. Hoffenheim hatte zwar mehr vom Spiel, biss sich an den sehr defensiv eingestellten Hauptstädtern allerdings die Zähne aus.

So war es Andrej Woronin in der 70. Minute vorbehalten, den dritten Heimsieg der Hausherren mit seinem vierten Saisontor sicherzustellen.

Favre: "Wir waren am Limit"

"Ich war bei Halbzeit überzeugt, dass die Mannschaft den Sieg will", meinte Hertha-Trainer Lucien Favre. "Wir waren am Limit, vor allem drei Tage nach dem UEFA-Cup-Spiel in der Ukraine."

Die Hertha sprang durch den sechsten Saisonerfolg auf Platz fünf. "Das war erste Sahne. Unsere Innenverteidigung war Weltklasse! Wir haben das grandios gemeistert", war Manager Dieter Hoeneß begeistert.

Rangnick ist nicht böse

Durch die Niederlage rutschte Hoffenheim aufgrund des schlechteren Torverhältnisses hinter Bayer Leverkusen auf Platz zwei zurück. "Wir haben unsere Leistung nur zu 70 Prozent abgerufen. Das muss man den Jungs aber auch zugestehen, das sind keine Maschinen", war Trainer Rangnick nicht böse. Der Verlust der Tabellenführung war dem Fußball-Lehrer "wurscht".

Rangnick: "Mich ärgert mich nur, dass die drei Punkte futsch sind." Und Abwehrspieler Marvin Compper konstatierte: "Wir waren nie abgehoben. Es war klar, dass wir irgendwann eine Niederlage kassieren. Wir werden aber nicht die Köpfe hängen lassen."

"Hoffenheim hat seinen Meister gefunden"

Bei der Hertha herrschte dagegen Jubelstimmung. Das Favre-Team bezwang nach Leverkusen nun schon das zweite Spitzenteam mit 1:0 und steht in der Tabelle so gut wie schon lange nicht mehr da. Zuletzt stand man 2005 nach zwölf Spieltagen auf einem internationalen Platz.

"Hoffenheim war selbstbewusst, aber sie haben heute ihren Meister gefunden", resümierte Hoeneß zufrieden.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Herthas Keeper Drobny ist wieder fit, dazu spielt Raffael im Mittelfeld für Kacar. Hoffenheim muss auf Ibertsberger verzichten, für ihn spielt Janker. Salihovic darf gegen seinen Ex-Klub von Beginn an ran, dafür sitzt Weiß nur auf der Bank.

10.: Die erste Andeutung von Hoffenheim-Football. Obasi bedient im Sechzehner Ibisevic, aber Drobny spielt gut mit und klärt in letzter Sekunde.

19.: Ibisevic steht nach einem feinen Zuspiel von Ba am Sechzehner nur ganz knapp im Abseits. Das hätte sonst die Führung für die Gäste werden können.

25.: Beck flankt rechts von der Strafraumgrenze flach nach innen, Obasi spritzt in den Ball, aber die Kugel streicht am Kasten vorbei. Glück für die Hertha!

53.: Nach einem Einwurf von Woronin schießt Beck seinen eigenen Mann an. Der Ball landet irgendwie bei Nicu, der aus 15 Metern mit links völlig frei zum Schuss kommt. Der Ball geht aber knapp links am Tor vorbei.

56.: Zucker-Anspiel von Ibisevic auf Ba, der sich am Elfmeterpunkt einmal um die eigene Achse dreht und mit links abzieht. Der Ball geht haarscharf am rechten Pfosten vorbei.

60.: Bitter für die Hertha! Pantelic muss mit einer Oberschenkelverletzung raus und bekommt an der Seitenlinie gleich einen dicken Verband verpasst.

62.: Obasi leitet den Ball mit der Hacke weiter in den Lauf von Ba, der aus zehn Metern von halblinks abzieht. Der Ball geht Drobny durch die Beine, aber der Hertha-Keeper lenkt den Ball mit der Wade so ab, dass er hauchdünn rechts am Tor vorbei geht.

70., 1:0, Woronin: Nach einem Einwurf der Hertha ergrätscht sich Kacar im Sechzehner gegen Luiz Gustavo den Ball, hätte man auch Foul pfeifen können, der Ball kommt zu Nicu, der mit einem klasse Pass Woronin bedient. Der Ukrainer steht elf Meter zentral frei vor dem Tor und schiebt flach in die rechte Ecke ein.

75.: Salihovic zirkelt mal wieder einen Ball in den Strafraum. Nach einer unübersichtlichen Situation kommt Ba zum Schuss, aber wieder hat er Pech, der Ball geht knapp am Kreuzeck vorbei.

90.: Domowtschiski ist eine Minute auf dem Platz und steht zweimal blank vor Haas, vergibt aber kläglich die vorzeitige Entscheidung.

So lief das Spiel: Ein echter Langweiler im ersten Durchgang. Die Hertha stand tief, um Ibisevic und Co. nur ja keinen Raum für Ballstafetten zu geben, und attackierte den ballführenden Spieler oftmals mit zwei Mann. Derart gehindert, spielte Hoffenheim nicht so zielstrebig wie gewohnt und tat sich schwer, die zwei Viererketten der Gastgeber zu sprengen. Gefahr kam so fast nur nach Standardsituationen von Salihovic auf.

In der zweiten Halbzeit erhöhte Hoffenheim den Druck auf den Hertha-Strafraum, fand aber weiter wenig Räume und kam so gut wie nie zu klaren Torabschlüssen. Chancen blieben Mangelware - die besten vergaben Nicu für die Hertha und Ba für die Gäste. Als Pantelic verletzt vom Platz ging, rückte Woronin in die Sturmspitze auf und erzielte das entscheidende Tor des Tages.

Der Star des Spiels: Andrej Woronin. Dem Ex-Leverkusener wirft man oftmals eine zu laxe Einstellung vor. Gegen Hoffenheim war der Ukrainer jedoch ein Vorbild an Einsatzwillen. Während des gesamten Spiels pushte der 29-Jährige seine Mitspieler nach vorne, gestikulierte viel und gab Anweisungen. Dazu führte fast jeder Angriff über ihn. Als er dann in den Sturm aufrückte, gelang ihm mit seinem dritten Torschuss der goldene Treffer.

Die Gurke des Spiels: Hoffenheims orange-braun-orange Kombination. Von Cottbus ist man die Müllmanntrikots gewöhnt, nun hat auch Hoffenheim tief in die Farbenkiste gegriffen und gegen die Hertha, die mit Blau-Weiß die gleichen Vereinsfarben haben wie die TSG, eine Augenkrebs fördernde Mischung aufgetragen. Unser Urteil: geht gar nicht!

Die Lehren des Spiels: Die Hertha hat einen Weg aufgezeigt, wie man Hoffenheim den Wind aus den Segeln nehmen kann. Zwei Viererriegel, die gut verschieben und damit die Räume eng machen, sind auch für die TSG-Offensive nicht einfach zu überwinden. Die destruktive Spielweise hat natürlich seinen Preis: Nach vorne ging bei der Hertha lange Zeit so gut wie gar nichts, Woronin und Pantelic waren nur auf sich alleine gestellt.

Auf der anderen Seite hatten Obasi, Ba und Ibisevic wirklich einen gebrauchten Tag angedreht bekommen. Die drei Hoffenheim-Stürmer gewannen kaum einen Zweikampf, Zuspiele klappten nicht und die Laufwege wirkten seltsam unbeholfen. Vor allem Toptorjäger Ibisevic war quasi unsichtbar und wurde ohne einen einzigen Torschuss abgegeben zu haben vorzeitig vom Feld genommen.

Der 12. Spieltag im Überblick

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