Fussball

Bernd Hollerbach als neuer HSV-Trainer: Wie gemacht für den Abstiegskampf

Von SPOX
Bernd Hollerbach war zuletzt Trainer bei den Würzburger Kickers.

Bernd Hollerbach wird neuer Trainer beim Hamburger SV und soll den Bundesliga-Dino vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte bewahren. Der 48-Jährige, zuletzt Übungsleiter bei den Würzburger Kickers, war nicht nur als Spieler ein harter Hund, sondern ging als Coach auch noch durch die harte Magath-Schule. Damit ist der Weg für die kommenden Monate vorgezeichnet.

"Die Frage stellt sich nicht", entgegnete Hollerbach Ende 2016 brüsk im Gespräch mit Goal.com, angesprochen auf ein mögliches Engagement beim Hamburger SV. Zugegeben, zu diesem Zeitpunkt waren die Würzburger Kickers noch Sechster in der zweiten Liga, der spätere Abstieg war trotz des minimalen Etats angesichts des guten Saisonstarts noch nicht abzusehen.

Aber eigentlich war klar, dass sich die Frage früher oder später stellen würde, schließlich hat man in der Hansestadt allein im letzten Jahrzehnt 14 Trainer verschlissen. So dürfte man Hollerbach, der nach dem Abstieg der Kickers im Sommer 2017 zurücktrat, schon eine ganze Weile unter "mögliche zukünftige Trainer" katalogisiert haben. Den "Plan B" habe man bereits im Kopf gehabt, verriet Heribert Bruchhagen am Sonntagmorgen, als die Entlassung von Markus Gisdol verkündet wurde. Hat sich Hollerbach also schon eine Weile als "Stand-By-Trainer" bereitgehalten?

Für ihn ist es eine Rückkehr an alte Wirkungsstätte: 224 Partien bestritt er beim HSV in den Jahren 1996 bis 2004, der gelernte Metzger wurde als Verteidiger dabei für seine "rustikale" Spielweise berühmt - beziehungsweise beim Gegner berüchtigt. "Entweder kommt der Ball an mir vorbei oder der Gegner - aber nie beide gleichzeitig", ist bis heute ein geflügeltes Wort aus dem Munde Hollerbach, das er mit insgesamt 140 Gelben Karten (8 Platzverweise) in seiner Laufbahn eindrucksvoll untermauerte.

HSV-Saisonbilanzen seit 2000

SaisonPlatzierungPunkteToreTrainer am Saisonende
1999/20003.5963:39Frank Pagelsdorf
2000/200113.4158:58Frank Pagelsdorf
2001/200211.4051:57Kurt Jara
2002/20034.5646:36Kurt Jara
2003/20048.4947:60Klaus Toppmöller
2004/20058.5155:50Thomas Doll
2005/20063.6853:30Thomas Doll
2006/20077.4543:37Huub Stevens
2007/20084.5447:26Huub Stevens
2008/20095.6149:47Martin Jol
2009/20107.5256:41Ricardo Moniz
2010/20118.4546:52Michael Oenning
2011/201215.3635:57Thorsten Fink
2012/20137.4842:53Thorsten Fink
2013/201416.2751:75Mirko Slomka
2014/201516.3525:50Bruno Labbadia
2015/201610.4140:46Bruno Labbadia
2016/201714.3833:61Markus Gisdol

Hollerbach kennt sich im Abstiegskampf aus

Wie man hinten aufräumt, weiß Hollerbach also aus eigener Erfahrung, auch wenn er mit dem Team nie so prekär in Abstiegsnot geriet wie der HSV dieser Tage: Zweimal Platz 13 am Ende, schlimmer wurde es nie. Für diesen Tabellenplatz würde man an der Alster derzeit so ziemlich alles tun.

"Mir war wichtig, schnell zur Mannschaft zu kommen und mir einen ersten Eindruck zu verschaffen", so Hollerbach bei seiner Präsentation am Montag. "Wichtig ist, dass wir uns als Einheit präsentieren. Wir werden viele Gespräche führen, da die Mannschaft natürlich verunsichert ist nach den vergangenen Wochen."

Bruchhagen präsentiert einen bei den Fans bekannten und beliebten Namen. Der neue Übungsleiter hat Stallgeruch und darf erst einmal auf die Unterstützung des Anhangs zählen.

Als Trainer kennt sich Hollerbach durchaus mit dem Thema "Abstiegskampf" aus. Dabei erlebte er nicht nur den Würzburger Abstieg im vergangenen Frühjahr hautnah mit, sondern auch die Rettung des VfL Wolfsburg am letzten Spieltag der Saison 2010/2011, damals als Co-Trainer von Felix Magath. Die Situation in einem Verein, der für die hinteren Tabellenplätze eigentlich viel zu gut sein sollte, ist ihm also geläufig.

Bernd Hollerbach: Kein Laptop-Trainer

Aus seiner Metzgerlehre, der aktiven Karriere und der Tatsache, dass er mehrere Jahre als rechte Hand von "Quälix Magath" fungierte, lässt sich der Trainer Bernd Hollerbach recht gut erklären - und Mehmet Scholl kann ganz beruhigt sein: Ein "Laptop-Trainer" ist er sicher nicht.

"Ich habe viel von [Magath] gelernt", sagte er einmal bei 11Freunde: "Disziplin, Ordnung und Dinge über die körperliche Fitness." Im Fußball gehe es "ums Durchsetzen". Auch wenn er Wert auf taktische Flexibilität legt: Unter Hollerbach wird malocht. In der Aufstiegssaison der Würzburger wurden gerade in der Rückrunde noch viele Punkte geholt, weil das Team mit einer überragenden Fitness auftrumpfen konnte.

Fußballerisch wird das Rad vielleicht nicht gerade neu erfunden, dafür Disziplin und Trainingsfleiß groß geschrieben. Was man ihm ebenfalls zugutehalten muss: Die Beziehung zu seinen Spielern war eigentlich immer völlig in Ordnung. Mit dem Menschen Bernd Hollerbach haben die wenigsten Probleme.

"Er hat es geschafft, trotz bescheidener Mittel mit Würzburg zwei Aufstiege zu meistern. Er war dort eine Lokomotive. Er hat die richtige Mischung aus Autorität und Herzlichkeit", befand HSV-Sportchef Jens Todt.

Reicht das für den Klassenerhalt mit dem Dino? Es könnte schwer werden, die nötige Fitness quasi nebenbei aufzubauen - der Verein hätte Hollerbach ja auch schon in der Winterpause holen können, entschied sich jedoch dagegen. Der Spielplan hat es obendrein in sich: In den nächsten vier Duellen warten Leipzig, Hannover, Dortmund und Leverkusen.

Tut sich Bernd Hollerbach mit dem HSV einen Gefallen?

Hollerbach hatte Würzburg in der Saison 2014 auch als eine Art Freundschaftsdienst übernommen: Im Verein war er groß geworden, er habe ihm "viel zu verdanken", sagte er. Beim Hamburger SV gestaltet sich die Lage ähnlich. Gut möglich jedoch, dass er seiner Karriere keinen großen Gefallen tut. Diesmal riecht es wirklich nach Abstieg.

Vielleicht hätte man beim HSV schon viel früher auf seinen ehemaligen Musterprofi hören sollen. Auf die Frage, woran es bei den Rothosen hake, antwortete Hollerbach nämlich: "Kontinuität ist das, was dem Verein wieder guttun würde. Vielleicht sollten sie mal sagen: 'So, wir sind nicht mehr da, wo wir mal waren, wir müssen wieder etwas zusammen aufbauen.' Und dabei sollten sie sich auch vernünftig Zeit geben."

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