Hoffenheims Serge Gnabry im Fokus: Ein Arschtritt für das Sorgenkind

Von Jonas Rütten
Montag, 04.12.2017 | 08:27 Uhr
Serge Gnabry erzielte gegen RB Leipzig seine ersten beiden Treffer für die TSG Hoffenheim
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Lange musste Serge Gnabry auf seinen ersten Glücksmoment bei der TSG Hoffenheim warten. Gegen RB Leipzig war es endlich so weit: Doppelpack, Tor des Jahres und ein Befreiungsschlag erster Güte. Nicht nur für die TSG, sondern auch für Gnabry selbst. Denn der 22-Jährige hinkt den Erwartungen in Hoffenheim noch deutlich hinterher. Das soll sich ändern - und wenn es sein muss, mit ein paar Tritten in den Allerwertesten.

"Ich wollte ihn erst kritisieren, weil er den Ball nicht tief auf Mark Uth gespielt hat. Dann war ich doch lieber still und habe mich hingesetzt. Erst habe ich aber noch gejubelt", kommentierte Julian Nagelsmann die Szene des Spiels beim klaren Sieg der TSG Hoffenheim über RB Leipzig. Serge Gnabry brachte mit seinem herrlichen Heber aus knapp 45 Metern wohl nicht nur seinen Trainer zum Schweigen. Für einen kurzen Moment waren alle Sorgen vergessen. Die andauernden Oberschenkelprobleme? Nicht der Rede wert. Die Rhein-Neckar-Arena? Dank Gnabrys Geniestreich erstmals seit langem mal wieder ein Tollhaus.

Trotz Doppelpack: Keine Streicheleinheiten für Gnabry

Nach dem Spiel kehrte jedoch zumindest der Hoffenheimer Trainer schnell wieder zur Sachlichkeit zurück, schließlich ist Nagelsmann keiner, der sich lange mit Lobhudeleien aufhält. Die Ansprüche, die er an seine Mannschaft stellt, sind ebenso hoch, wie jene an einzelnen Spieler. Daher fiel sein Urteil zum herausragenden 4:0 über die favorisierten Leipziger und zu Gnabrys guter Leistung auch eher nüchtern aus. Der Sieg sei "ein Schritt in die richtige Richtung" gewesen und angesprochen auf den Gnabry-Doppelpack antwortete Nagelsmann unterkühlt: "Wir haben ihn schon geholt, dass er mehr als die zwei Tore schießt."

Verbale Streicheleinheiten sehen wahrlich anders aus. Dabei war der Hoffenheimer Befreiungsschlag gegen Leipzig nach drei sieglosen Spielen in Folge und dem indiskutablen Auftritt in der Vorwoche gegen den HSV auch ein persönlicher für Gnabry. Fast genau sieben Monate war es her, als der 22-Jährige zuletzt in der Bundesliga getroffen hatte - damals noch in Diensten von Werder Bremen. Mittlerweile steht Gnabry beim FC Bayern unter Vertrag und sollte als Leihspieler in Hoffenheim Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln.

Gnabry bei der TSG: Noch keine "Win-Win-Situation"

Nach dem ausgehandelten Leihgeschäft sprach Hoffenheim-Manager Alexander Rosen von einer "Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Die Bayern bekommen hoffentlich einen top-ausgebildeten Spieler zurück und uns kann er bei der Mehrfachbelastung ganz entscheidend helfen." Weder das eine, noch das andere trifft allerdings bislang auf die Menage a trois zwischen Gnabry, der TSG und den Bayern zu. Schließlich kommt Gnabry bisher lediglich auf 236 Bundesligaminuten für Hoffenheim.

Der Nationalspieler, der mit großen Vorschusslorbeeren in den Kraichgau gekommen war, hat immer wieder mit muskulären Problemen am hinteren Oberschenkel zu kämpfen. An die von Rosen angedachte "Top-Ausbildung" des künftigen Bayern-Spielers Gnabry ist daher momentan kaum zu denken: "Er hangelt sich von Spiel zu Spiel und kann dazwischen kaum trainieren. Deshalb ist er nie bei 100 Prozent. Er wäre noch viel stärker, wenn er auch richtig trainieren könnte", bedauerte Trainer Nagelsmann den Fitnesszustand seines Schützlings.

Wie stark Gnabry sein kann, wenn ihn der Oberschenkel mal nicht plagt, ließ der Stürmer bei seinem dritten Startelf-Einsatz für die TSG aufblitzen. Gnabry stand sinnbildlich für die Hoffenheimer Effizienz gegen RB Leipzig. Mit den wenigsten Ballaktionen aller Hoffenheimer, die von Anfang an spielten, holte Gnabry das Maximum heraus: Zwei Schüsse aufs Tor, zwei Tore, kein einziger Fehlpass in der gegnerischen Hälfte und lediglich sechs Ballverluste (Hoffenheimer Tiefstwert).

Nagelsmann: Gnabry braucht "immer mal wieder einen Arschtritt"

Und dennoch: Sein guter Auftritt täuscht nicht darüber hinweg, dass Gnabry nach wie vor das Sorgenkind der Hoffenheimer ist. Und das liegt für Julian Nagelsmann nicht nur einzig und allein an seiner Verletzungsanfälligkeit: "Man muss ihm im Spiel auch immer mal wieder einen Arschtritt verpassen, das war auch in Bremen so, wie ich von meinem Trainer-Kollegen weiß." Den Ratschlag von Alexander Nouri scheint Nagelsmann auch abseits des Spielfeldes zu beherzigen.

Denn anstelle eines Sonderlobes, das sich Gnabry angesichts seiner Leidenszeit und dem Doppelpack durchaus verdient gehabt hätte, mahnte der Trainer an, dass Gnabry noch viel an sich arbeiten müsse - auch im Hinblick auf seine Rückkehr zum FC Bayern: "Er ist noch lange nicht da, wo er hin kann und auch hin muss, wenn er bei dem Verein spielen muss, dem er gehört."

Dass Gnabry nach dieser Saison zum Rekordmeister zurückkehrt, steht angesichts der überschaubaren Einsatzzeiten Gnabrys zumindest zur Diskussion. Sportchef Rosen äußerte gar große Hoffnungen auf einen Gnabry-Verbleib in Hoffenheim. Doch auch in dieser Sache präsentierte sich Julian Nagelsmann als nüchterner Spielverderber. Seine Antwort auf die Frage, ob er Gnabry gerne behalten würde: "Ich hätte auch gerne Messi."

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