Fussball

Schalke-Trainer Domenico Tedesco im Interview: "Die Spieler müssen Bock auf Tedesco haben"

Domenico Tedesco wechselte vor der Saison von Erzgebirge Aue zum FC Schalke 04

SPOX: Familiär ging es bei Ihrem Start in die Trainerkarriere auch noch zu. Sie trainierten bei Ihrem Heimatverein ASV Aichwald die F-Jugend. Wie kam es dazu?

Tedesco: Das war sogar noch eine Stufe unter der F-Jugend, bei den Bambini. Ich war 18, 19 Jahre alt, habe in Aichwald in der ersten Mannschaft gespielt und nebenbei studiert. Irgendwann kam mal einer in die Kabine und hat gefragt, ob einer von uns Spielern eine Mannschaft trainieren würde.

SPOX: Also half auch hier der Zufall wieder etwas mit?

Tedesco: Ja. Ich wusste nicht so recht, worauf ich mich einlasse. Wir haben auch nur einmal die Woche trainiert und die Truppe hatte bis dahin auch noch nicht allzu oft gewonnen. Aber wir hatten einen schnellen Spieler und auf den haben wir uns dann eingestellt, ihm den Ball nach vorne gebolzt und der hat geknipst, geknipst, geknipst. Mit den Erfolgserlebnissen wuchs auch der Spaß bei den Jungs, ich habe mich auch total wohlgefühlt und gemerkt, dass ich sie motivieren kann. Auf einmal sind wir Meister geworden, das war Wahnsinn!

SPOX: Wie muss man sich Ihr Training damals vorstellen?

Tedesco: Den Cooper-Test habe ich mit den Jungs nicht gemacht. (lacht) Ich habe mir ein paar Hefte besorgt, alle Übungen mit Ball trainieren lassen und 2006 habe ich die C-Lizenz Breitenfußball Kinderprofil gemacht. Ich habe das Trainerhandwerk also wirklich von der Pike auf erlernt.

SPOX: Ein Meistertitel mit den Bambini in Aichwald reicht aber vermutlich nicht für einen Job beim VfB. Wie sind Sie nach Stuttgart gekommen?

Tedesco: Ich habe mich ganz klassisch beworben. Der damalige Jugendkoordinator Thomas Albeck hat mich zum Vorstellungsgespräch eingeladen, ich musste ein Probetraining mit den Neunjährigen machen und da offensichtlich alles gepasst hat, hat mich der VfB genommen. Ich war ja auch - in Anführungszeichen - nur Co-Trainer der U9.

SPOX: Wann ist der Entschluss gereift, alle weiteren Scheine der Trainerausbildung zu machen?

Tedesco: Die Scheine waren die Grundvoraussetzung, dass ich beim VfB bleiben konnte. Es ist nicht üblich, mit der C-Lizenz Breitenfußball bei einem Profiklub anzufangen. Also bin ich drangeblieben und innerhalb von drei, vier Jahren die C-Lizenz Leistungsfußball, die B-Lizenz und die A-Lizenz gemacht.

SPOX: Den Fußballlehrer haben Sie dann aber nach Ihrem Wechsel 2015 zu Hoffenheim gemacht, weil der VfB Sie hier nicht genügend unterstützte. Sie waren damals Trainer der U17 und hätten mit Ihrem damaligen Assistenten Andreas Hinkel sogar die Rollen getauscht. Was lief da falsch?

Tedesco: Darüber will ich gar nicht mehr so viel reden. Es war einfach eine Phase, in der es bei den VfB-Profis um den Klassenerhalt ging und mit den Trainern im Nachwuchsbereich sehr spät gesprochen wurde. Ich hatte meinen Job als Ingenieur aufgegeben, war beim VfB angestellt und mein Vertrag wäre Ende Juni ausgelaufen. Ich musste schauen, wie es mit mir weitergeht. Ich bin keiner, der wieder und wieder nachhakt, also habe ich mich für etwas anderes entschieden.

SPOX: War es im Nachhinein sogar gut für Ihre Laufbahn, neben Stuttgart noch etwas anderes kennengelernt zu haben?

Tedesco: Definitiv. Es ist immer gut, über den Tellerrand hinauszublicken. Die Zeit in Stuttgart war schön und hat mich geprägt, die VfB-Philosophie habe ich absolut verinnerlicht .

SPOX: In Hoffenheim haben Sie zunächst die U17 betreut, im Jahr drauf sind Sie zur U19 aufgestiegen, konnten die Saison aber gar nicht zu Ende führen, weil das Angebot von Erzgebirge Aue kam. Wie haben die Leonhardt-Brüder Sie von einem Wechsel zum fast sicheren Zweitligaabsteiger überzeugt?

Tedesco: Die Leonhardts fragten mich frei heraus: 'Du bist so jung, schaffst Du das überhaupt? In der Mannschaft ist ein Christian Tiffert, wie willst Du dem erklären, dass er jetzt den Ball besser spielen soll?' Ich konnte Sie dann mit meinen Argumenten überzeugen. Wir waren von Beginn an auf einer Wellenlänge, vor allem mit Präsident Helge Leonhardt hat es sehr gut gepasst. Wir haben an dem Tag viel gelacht, das Menschliche hat mir ein gutes Gefühl und am Ende auch den Ausschlag gegeben.

SPOX: Und dann haben Sie Aue mit einem starken Schlussspurt in der Liga gehalten.

Tedesco: Wir waren Tabellenletzter und hatten noch elf Spiele, darunter schwierige Aufgaben in Stuttgart, in Bochum und in Berlin. Ich denke, viele haben nicht mehr an den Klassenerhalt geglaubt. Mit mir war das wohl zum Teil auch ein Versuch nach dem Motto: Wir haben nichts zu verlieren. Und dann haben wir angefangen zu gewinnen und das Selbstvertrauen ist gewachsen. Dieser Zusammenhalt hat den Ausschlag gegeben. Eine Mannschaft spürt, wenn Trainer, Manager und Präsident gut miteinander können und eine Gemeinschaft bilden. Das überträgt sich dann auch auf die Spieler.

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