Fussball

"Guardiola würde hier nicht viel bringen"

Erlebt mit seinem Lilien bislang eine bittere Hinrunde: Jerome Gondorf

Im Sommer hatte er Angebote von anderen Bundesligisten, doch Jerome Gondorf entschied sich für sein Herz und verlängerte beim SV Darmstadt 98. Nun liegt er vor dem letzten Spiel in diesem Jahr gegen Hertha BSC (20 Uhr im LIVETICKER) mit den Lilien auf dem 18. Tabellenplatz. "Jego" erklärt die Gründe für die schwache Halbserie, spricht über Neuzugänge, Ex-Trainer Norbert Meier und eine Märchenfee. Zudem erläutert er, warum Pep Guardiola am Böllenfalltor nicht funktionieren würde.

SPOX: Herr Gondorf, wie ärgerlich ist es, wenn man als Tabellenletzter dem FC Bayern ebenbürtig ist, aber aufgrund eines solchen "traumschönen Scheiß-Tors" am Ende doch mit leeren Händen dasteht?

Jerome Gondorf: Es ist natürlich besonders bitter, wenn man die Art und Weise bedenkt, wie wir gegen die Bayern aufgetreten sind. Es war klar, dass wir nicht oft den Ball haben werden und dennoch haben wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten sehr teuer verkauft, in dem wir die Räume gut zugestellt haben und defensiv sehr sicher standen. Außerdem wollten wir schnell und mutig nach vorne spielen, wenn sich die Möglichkeiten boten - ich denke, das haben wir ein ums andere Mal geschafft. Wenn uns ein Treffer gelungen wäre, hätten wir gegen die Bayern etwas holen können, so aber ist das Spiel jetzt abgehakt und nun liegt der Fokus auf der Hertha.

SPOX: Unter Interimscoach Ramon Berndroth passte in den vergangenen Partien zumindest wieder die Mentalität, nur die Ergebnisse lassen auf sich warten. Welche Hebel hat er in der Mannschaft betätigt?

Gondorf: Auf jeden Fall die richtigen. Er hat uns nicht nur im Kopf, sondern vor allem im Herzen gepackt. Wenn du als Trainer die Spieler am Herzen bekommst, machen sie alles für dich. Ramon und sein Team bestehend aus Torwarttrainer Dimo Wache und Co-Trainer Kai-Peter Schmitz haben in den wenigen Tagen bislang schon viele Dinge optimieren können.

SPOX: Berndroth war nicht allen außerhalb des Lilien-Kosmos ein Begriff. Nach dem Spiel beim SC Freiburg und der Aussage, man habe einen Verräter im Team stand er medial direkt im Fokus. Was ist er für ein Typ?

Gondorf: Er ist ein sehr emotionaler Trainer und ein ehrlicher Mensch, der sein Herz auf der Zunge trägt. Aber er besitzt eine sehr hohe soziale Kompetenz und weiß, wie er die einzelnen Spieler am besten packen kann. Über all dem steht der Teamgedanke und der hat uns in den letzten Partien wieder ausgezeichnet. Berndroth hat es geschafft, uns in kürzester Zeit zu vermitteln, dass er für diesen Verein lebt. Er war im Moment der perfekte Mann.

SPOX: Können Sie uns schon verraten, wer ab der Winterpause neuer Trainer wird?

Gondorf: Kann ich leider nicht, weil die Mannschaft bei der Trainierfindung nicht involviert ist, das ist dann doch eher Sache des Präsidiums. Aber einige Namen, die derzeit gehandelt werden, kann man sich schon ganz gut am Böllenfalltor vorstellen. (lacht)

SPOX: Unter Norbert Meier hatte man nicht das Gefühl, dass eine Einheit auf dem Platz stand. Dieses Gefühl übertrug sich auch auf die Ränge. Im SPOX-Interview vor einem halben Jahr, war die Gefühlslage in Darmstadt eine ganz andere. Die Lilien hielten die Klasse und die Euphorie in der Stadt kannte keine Grenzen. Doch seit dem Sommer ging es stetig bergab. Was ist in den letzten sechs Monaten alles falsch gelaufen?

Gondorf: Man darf nicht vergessen, dass wir einen krassen personellen Umbruch hatten. Es sind viele neue, erstmals sind auch Spieler aus dem Ausland zu uns gekommen. Diese mussten sich erst einmal an die Liga, an die neue Sprache oder die neue Kultur gewöhnen. Da kommen viele Faktoren zusammen. Wir sind keine Legosteine, die man einfach zusammenbauen kann und die dann funktionieren. Hinzu kam, dass das Trainerteam unseren Spielstil weiterentwickeln wollte, aber uns fehlten aufgrund der genannten Probleme teilweise unsere Grundtugenden wie Emotionen, Zusammenhalt und diese Dinge, von denen wir in der Vergangenheit brutal gelebt haben. Womöglich hatte dieser Umbruch eine zu große Wucht für uns.

SPOX: War es ein Fehler, nicht wie in der Vergangenheit auf bundesligaerfahrene Akteure zu setzen?

Gondorf: Das ist schwierig zu beantworten. Ich möchte nicht Manager beim SV Darmstadt 98 sein, weil wir ja mitbekommen, was hier in der Transferperiode los ist. Ich kann aber eins sagen: Die Jungs, die im Sommer zu uns gekommen sind, sind menschlich alle top. Und dass sie Qualität mitbringen, hat beispielsweise Artem Fedetsky in den vergangenen beiden Partien bewiesen. Vielleicht auch, weil er das Vertrauen gespürt hat und gemerkt hat, dass er auch mal einen Fehler machen kann, weil sofort einer da ist, der ihn für ihn ausbügelt. Letztlich ist es egal, wo die Spieler herkommen. Wichtig ist, dass wir sie integrieren und ihnen ein Gefühl von Heimat geben. Da sind wir jetzt nach sechs Monaten auf einem guten Weg und hoffen, dass wir diesen im neuen Jahr weiter vorantreiben können.

SPOX: Sie selbst hatten im Sommer angeblich Angebote vom Hamburger SV und Mainz 05, entschieden sich aber für Ihr Herz und den SV Darmstadt 98 und verlängerten Ihren Vertrag. Würden Sie sagen, dass das im Nachhinein ein Fehler war?

Gondorf: Auf keinen Fall, ich hadere überhaupt nicht. Ich habe mich bewusst für Darmstadt entschieden, auch mit dem Risiko, dass dieses Jahr nicht ganz so erfolgreich wird, wie die vergangenen drei. Jetzt will ich vorneweg marschieren und ein Vorbild sein. Ich habe im Sommer verlängert, weil ich noch mehr ein Grundbaustein für das Team sein möchte. Ich fühle mich hier weiterhin pudelwohl.

Seite 1: Gondorf über Meier und Angebote vom Sommer

Seite 2: Gondorf über Abstiegsängste und Märchenfeen

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