Eberls Mona Lisa

Von Niccolo Schmitter
Montag, 27.06.2016 | 11:39 Uhr
Mamadou Doucoure führte die U19 von PSG als Kapitän ins Finale der UEFA Youth League
© getty
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Max Eberl und Mönchengladbach haben den nächsten Transfercoup gelandet. Aus der Nachwuchsabteilung von Paris St. Germain kommt Mamadou Doucoure. Die internationalen Topteams standen für den 18-Jährigen Schlange, am Ende entschied er sich trotzdem für die Fohlen. Wer ist Doucoure und was zeichnet ihn aus?

Max Eberl grinst über beide Ohren. Er steht im leeren Borussia-Park und posiert mit einem Trikot in seinen Händen. Die andere Seite des Leibchens mit der Nummer 29 hält ein junger, schüchtern dreinblickender 18-Jähriger. Sein Name? Mamadou Doucoure.

Eberl hat wirklich gut lachen, denn mit dem Franzosen hat er seinen nächsten Transfercoup gelandet. "Wir freuen uns sehr, dass sich Mamadou Doucoure für Borussia entschieden hat. Er ist ein großes Talent und es gab viele namhafte Klubs, die ihn verpflichten wollten", wird der Sportdirektor der Fohlen zitiert. Der Innenverteidiger gilt in der Tat als eines der größten Abwehrtalente der Welt, Vereine wie der FC Arsenal oder der FC Liverpool wollten ihn Medienberichten zufolge transferieren.

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Und dann gab es noch seinen Stammverein, Paris St. Germain, für den Doucoure seit seinem dreizehnten Lebensjahr spielte. Der Klub wollte den gebürtigen Pariser, der noch ohne Profivertrag in der zweiten Mannschaft spielte, natürlich nicht einfach ziehen lassen. So boten die Franzosen ihm laut Express selbst einen langfristigen Deal an, der ihm dazu ein stattliches Handgeld sichern sollte. Doch PSG kam zu spät.

Max Eberl strikes again

Max Eberl hatte den Transfer bereits Monate zuvor hinter den Kulissen eingefädelt. Doucoure war noch 17 Jahre alt, durfte laut den FIFA-Regularien also noch keinen langfristigen Vertrag unterzeichnen. Der Sportdirektor wartete also geduldig auf seinen Geburtstag, bereitete alles vor, sicherte sich die Zusage des Youngsters und überraschte schließlich die Fußballwelt mit der Verkündung seines Pariser Meisterwerks.

Mamadou Doucoure erhält bei der Borussia einen Fünfjahresvertrag bis 2021 und kommt dazu ablösefrei. In einer Zeit, in der Manchester United 50 Millionen Euro plus Boni für einen 19-jährigen Anthony Martial zahlt, in der auch der FC Bayern 35 Millionen Euro plus Boni für einen 18-Jährigen Renato Sanches aufbringt, verpflichtet Mönchengladbach eins der größten Abwehrtalente der Welt für lau. Max Eberl wird wohl ein paar Tage gebraucht haben, um das Grinsen aus dem Gesicht zu bekommen.

Der Gladbacher Weg

Die Verpflichtung von Doucoure reiht sich nahtlos in den Gladbacher Weg ein. "Mit diesem Transfer setzen wir unseren Weg fort, junge Spieler mit vielversprechender Perspektive zu uns zu holen und ihnen bei Borussia den nächsten Schritt in ihrer Karriere zu ermöglichen", erklärte Eberl. Der Erfolg der Methode wird auch den Youngstern Europas nicht entgangen sein, denn in Gladbach können sich junge Spieler einfach hervorragend entwickeln. Dies kann unter anderem der Fall Andreas Christensen bezeugen, dessen Vita der von Doucoure am ehesten ähnelt.

Der dänische Innenverteidiger kam von der Jugendakademie des FC Chelsea, hatte dort jedoch keine Aussicht auf Einsätze in der ersten Mannschaft und wurde so bis 2017 an die Borussia ausgeliehen. Am Niederrhein explodierte Christensen förmlich und verpasste seit Schuberts Übernahme am sechsten Spieltag keine einzige (!) Minute im Fohlendress. Gladbach möchte den Dänen nun nicht zurück nach London schicken und ist dafür sogar bereit, seinen eigenen Transferrekord zu brechen. Ein Geschacher mit dem Stammverein wird bei Doucoure aber zum Glück nicht auf die Borussia zukommen. Denn Max Eberl stahl das Meisterstück dauerhaft aus der PSG-Akademie - ohne lästigen Leihvertrag oder Rückkaufklausel.

Das Wunderkind von der Seine

Doch was zeichnet Mamadou Doucoure aus? Der 1,84 Meter große Verteidiger gilt als technisch äußerst beschlagen und kann mit seinem starken linken Fuß das Spiel von hinten aufbauen. Eine Qualität, die der Borussia mit ihrem Kurzpassspiel zu Gute kommen wird. Vor allem seit dem Abgang von Granit Xhaka, der sich immer wieder weit nach hinten fallen ließ, um die Innenverteidiger beim Spielaufbau zu unterstützen, wird ein solcher Spieler in Gladbach benötigt. Neuzugang Christoph Kramers Qualitäten liegen eher im Zweikampfverhalten, weshalb Doucoure hier der Schlüssel sein könnte. Im Übrigen sind sein Stellungsspiel und Spielverständnis für sein Alter hochentwickelt. Nur an seiner Physis muss der Franzose noch arbeiten, aber das erklärt sich in seinem Alter von selbst.

Auch wenn Doucoure noch keine Profieinsätze verzeichnen kann, bewies er im Nachwuchsbereich bereits seine Klasse. Er gilt als Leader und führte als solcher die U19 von PSG bis ins Finale der UEFA Youth League, wo man nur knapp der Jugend des FC Chelsea unterlag. Mit der U17 Frankreichs gewann er vergangenes Jahr als Abwehrchef zudem die Europameisterschaft. Der Nachwuchs der Equipe Tricolore kassierte im gesamten Turnierverlauf nur zwei Tore, davon eins im Finale gegen Deutschland.

Konkurrenzkampf steht bevor

In Gladbach wird Doucoure nun mit vier weiteren Innenverteidigern konkurrieren müssen. Vor allem das dänische Paar, bestehend aus Jannik Vestergaard und Andreas Christensen, wird in der Rangordnung vorerst ganz oben stehen. Erstgenannter ist zwar selbst ein Neuzugang, allerdings bundesligaerfahren und mit einer starken Saison bei Werder Bremen im Rücken. Dementsprechend verkündete Eberl, dass Vestergaard "eine wichtige Rolle" in der Hintermannschaft spielen werde. Oberster Konkurrent wird somit Alvaro Dominguez sein.

Der Spanier ist ebenfalls Linksfuß, befindet sich nach einer langwierigen Verletzung hingegen noch in der Rehabilitationsphase und wird sich wieder an das Team herankämpfen müssen. An der Vorbereitung wird er aber wohl von Anfang an teilnehmen können. Andre Schubert bezeichnete ihn zudem als "absolute Persönlichkeit" und kann seine Rückkehr kaum erwarten. Ohnehin hat Doucoure ein ähnliches Problem. Im letzten Spiel mit der U19 von PSG zog er sich einen Muskelbündelriss zu und wird noch ein paar Wochen pausieren müssen. So wird der Franzose auch den Trainingsauftakt am 29. Juni verpassen.

Schubert und die Dreierkette

Doch unter Umständen wird sich Doucoure gar keinem allzu großen Konkurrenzkampf stellen müssen. Andre Schubert setzte in der Rückrunde nämlich zunehmend auf ein System mit Dreierkette, in dem der Linksfuß perfekt die Rolle des linken Innenverteidigers übernehmen könnte. Vor allem sein starker Spielaufbau käme ihm dabei zugute. Die Abwehrreihe könnte schließlich vom physisch starken Vestergaard in der Mitte und vom ebenfalls passsicheren Christensen auf der rechten Seite komplettiert werden.

Schubert wird dieses System im Laufe der Vorbereitung sicherlich ausgiebig testen. Allerdings hat Doucoure dabei den Nachteil, dass er erst später zum Team stoßen und im Gegensatz zu Dominguez somit die ersten Wochen verpassen wird. Dies könnte vor allem aufgrund der Unerfahrenheit Doucoures ein Problem darstellen. Die Dreierkette wäre für ihn nämlich Neuland, in der Akademie von PSG wird in erster Linie das 4-3-3 gelehrt. Doch dank seiner ausgeprägten Spielintelligenz sollte die Anpassung für den Verteidiger machbar sein.

Letztendlich kann man aber davon ausgehen, dass Doucoure auf genügend Spielzeit kommen wird. Denn die Gladbacher schmeißen angesichts der Dreifachbelastung gerne die Rotationsmaschine an. Zwar betrifft dies vor allem die Offensivabteilung, doch wird Schubert weiter an seinem System mit Dreierkette festhalten, wird er auch nicht vermeiden können, die Defensivspieler regelmäßig auszutauschen.

Am Ende darf man ohnehin nicht vergessen, wer Mamadou Doucoure eigentlich ist. Ein 18-Jähriger Jungspund, der noch nie eine Sekunde Profifußball erleben durfte. Dies wird sich in Gladbach aber sehr bald ändern.

Alles zu Mamadou Doucoure

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